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Jährlich 100 neue Mühlen

Kuhlmühle Jährlich 100 neue Mühlen

Joost van der Velden hat in Kuhlmühle ein außergewöhnliches kleines Museum eingerichtet: Er zeigt dort viele verschiedene Handmühlen vom Kirschentkerner über die Kaffeemühle bis hin zur buddhistischen Gebetsmühle. 700 Exponate hat er bereits – und in jedem Jahr kommen 100 weitere hinzu.

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Zwei Kilogramm Kirschen können mit diesem Kirschentkerner von ihren unliebsamen Kernen befreit werden.

Quelle: Claudia Bihler

Kuhlmühle. Joost van der Velden schaut sich in seinem kleinen Museum in Kuhlmühle um, lacht und sagt dann: „Ja, das ist wohl richtig, dass der Ausstellungsplatz bald nicht mehr ausreichen wird.“ Denn seine Sammlung von Handmühlen, die er in seinem kleinen Museum in Kuhlmühle zeigt, wächst in dem Jahr um 100 Stück: „Ende August werden es wohl 700 sein.“

Vor vier Jahren hat der Sammler aus Kuhlmühle begonnen, Handmühlen zusammenzutragen. Die Idee hatte er eigentlich bei einer Fahrradtour mit seinem Sohn in Süddeutschland: „Ich wollte einfach, dass es für unsere Fahrradausflüge ein Ziel gibt.“ Das Projekt verfolgte der gebürtige Niederländer weiter, der teilweise in Kuhlmühle und teilweise in Berlin lebt. Den Standort verlagerte er – eben nach Kuhlmühle, wo seit nunmehr vier Jahren das einzige europäische Handmühlenmuseum Besucher empfängt.

Joost van der Velden demonstriert, wie Maiskolben ohne viel Aufwand von ihren Körnern befreit werden können

Joost van der Velden demonstriert, wie Maiskolben ohne viel Aufwand von ihren Körnern befreit werden können.

Quelle: Claudia Bihler

Wenn van der Velden seine Führung durch die Ausstellung beginnt, dann mag mancher Besucher kaum glauben, dass es über einen so unscheinbaren Gegenstand wie eine Handmühle so viel Spannendes zu berichten gibt. Zunächst ist da die Faszination dafür, was alles ohne den Einsatz von Elektrizität möglich ist: „Selbstversorger benötigen diese Mühlen.“ Und dann gibt es die Faszination an der puren Mechanik wie sie etwa der automatische Kirschentkerner darstellt: Zwei Kilo Kirschen in der Minute sind mit dem Gerät zu bewältigen, das aus schwerem Maschinenstahl gefertigt ist.

Seine Führung beginnt der Sammler mit den Fleischwölfen: „Vor 129 Jahren kamen alle Fleischwölfe aus den USA“, berichtet er - „bis das deutsche Alexanderwerk das Patent aufkaufte.“ Auch Wurst konnte mit den Wölfen gefüllt werden. Die dazu benötigten Tüllen wurden aus Rinderhorn gefertigt, so van der Velden: „Deshalb heißen auch Tüllen aus Edelstahl bis heute Wursthorn.“

Mantrarolle im Inneren einer buddhistischen Gebtsmühle

Mantrarolle im Inneren einer buddhistischen Gebtsmühle.

Quelle: Claudia Bihler

Für den Fleischwolf wurden schnell weitere Vorsätze entwickelt – etwa jene, mit denen kleine Suppennudeln aus Teig gedreht und geschnitten werden können. Getreidemühlen sind zu sehen, bei denen zunächst ein originaler Mahlstein aus Stein verwendet wurde, bis er durch Stahl ersetzt wurde. Eichelmühlen mögen manchen Besucher an die Zeit erinnern, in denen Eicheln geröstet und zu Ersatzkaffee verarbeitet wurden: „Die Kinder mögen ihn auch heute gerne“, sagt van der Velden, der die Besucher an einem Glas mit gerösteten Eicheln schnuppern lässt.

Die nächste längere Erzählpause legt der Sammler an einer blauen Handmaschine ein: In ihrem Inneren findet sich eine Trommel, die mit akkurat ausgerichteten Zacken belegt ist. Van der Velden greift einen trockenen Maiskolben aus dem Kasten, der neben der Mühle steht: Ein wenig Kraft ist nötig, um das Gerät zu bewegen, aber innerhalb kürzester Zeit sind Kolben und Körner getrennt und der leere Strunk separat ausgeworfen.

Wohl am zahlreichsten in der Sammlung vertreten sind die Kaffeemühlen, mit denen van der Velden auch ein wenig Industriegeschichte dokumentieren möchte. Auch diese Mühlen waren Ergebnis eines jahrzehntelangen Innovationsprozesses, etwa durch Verwendung unterschiedlicher Materialien, aber auch durch Verbesserungen wie etwa der Klappe, durch die auch während des Mahlprozesses weitere Bohnen zugeführt werden konnten. Zudem sind sie ein Stück deutsch-deutsche Industriegeschichte: – denn einige Mühlen wurden sowohl vor wie nach dem Zweiten Weltkrieg gefertigt, lediglich das Logo wurde verändert.

Zahlreich vertreten sind antike, aber auch modernere Handkaffeemühlen

Zahlreich vertreten sind antike, aber auch modernere Handkaffeemühlen.

Quelle: Claudia Bihler

Und dann gibt es noch eine Art kleines Besonderheiten-Kabinett: Etwa eine kleine Zahl buddhistischer Gebetsmühlen, bei der der Betrachter davon überrascht wird, dass in ihrem Inneren eine Rolle mit einem Meditationsmantra zu finden ist. Oder auch die Pfeffermühle, zu deren Fertigung afrikanische Dorfbewohner früher einmal von europäischen Missionaren angehalten wurden. „Die Handwerker gaben den Mühlen die Form eines Phallus“, schmunzelt van der Velden und öffnet die Mühle: „Aber das Mahlwerk wurde aus viel zu weichem Aluminium gefertigt.“

Das Museum in der Kuhlmühler Straße 15 hat sonntags von elf bis 15 Uhr geöffnet. Für Gruppen organisiert Joost van der Velden nach Absprache auch Führungen zu anderen Zeiten. Im Internet ist das Museum unter „ handmuehlenmuseum.de“ zu finden.

Von Claudia Bihler

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