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Ostprignitz-Ruppin Büffeln für das Grüne Abitur
Lokales Ostprignitz-Ruppin Büffeln für das Grüne Abitur
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00:23 06.03.2018
Jagdschule Neustadt: Torsten Klein auf der Jagd nach Tontauben. Quelle: Cornelia Felsch
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Neustadt/Dosse

Die Schüsse die durch den kleinen Waldabschnitt an der Neustädter Schützenstraße hallen, sind schon von weitem zu hören. Auf dem Parkplatz vor der Jagdschule Rhinluch stehen die Autos der angehenden 27 Jäger dicht gedrängt. Der Kompaktkurs zum Erwerb des Jagdscheins ist gefragt und wird von den künftigen Waidmännern aus ganz Brandenburg und sogar aus anderen Bundesländern gebucht.

Der Kurs, der insgesamt 18 Tage dauert, wird in zwei Teilen von jeweils neun Tagen durchgeführt. Dazwischen liegen zwei Wochen, in denen die Jagdschüler das Gelernte vertiefen können. Die Jagdschule Rhinluch ist eine der wenigen Einrichtungen in Brandenburg und Berlin, in der der Jagdschein in einem zweiwöchigen Kurs erlangt werden kann.

Die Sicherheit hat im Fach Waffenkunde erste Priorität. Wer im richtigen Moment das Sichern der Waffe vergisst, ist schnell bei der Prüfung durchgefallen. Quelle: Cornelia Felsch

Das Stück Papier, dass zum Jagen berechtigt, ist begehrter denn je. Im Land Brandenburg steigt die Zahl der Jagdscheininhaber kontinuierlich an. Das bekommen auch die Betreiber der Neustädter Ausbildungsstätte, Claudia und Torsten Klein, zu spüren. „Natürlich freuen wir uns darüber“, sagt Torsten Klein.

„Die Jägerschaft in Brandenburg ist viel zu alt und die Aufgaben der Jäger haben sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Der Naturschutz spielt eine wesentlichere Rolle als noch vor zwanzig Jahren. „Wir schießen nicht nur Tiere tot – wie es uns oft nachgesagt wird – wir pflanzen auch Hecken , pflegen die Reviere und kümmern uns um Artenschutz.“

Das Durchschnittsalter der Brandenburger Jäger liegt gegenwärtig bei 53 Jahren, vor zehn Jahren waren es noch 59. Um noch mehr Jugendliche zu gewinnen, bietet die Schule in den Sommerferien auch Kurse für Schüler ab einem Alter von 15 Jahren an. Die Ausbildung ist allerdings kein „Kinderkram“. „40 Prozent der Teilnehmer fallen in Brandenburg bei der Prüfung im ersten Anlauf durch, bei uns sind es etwa 20 Prozent“, sagt Torsten Klein und öffnet leise die Tür zum Seminarraum, in dem gerade seine Frau das Fachgebiet Land- und Waldbau unterrichtet.

Der 21-jährige Jagdschüler Jan Liebrecht legt mit seiner Repetierbüchse auf den Papp- Keiler an, der gleich vorbei kommen wird. Quelle: Cornelia Felsch

Es geht um die Ernährung der Pflanzen, wichtige Bodeninhaltsstoffe und die Photosynthese. Für die Prüfung reicht dieses Wissen allerdings nicht aus. Kenntnis der Tierarten, Wildbiologie, Naturschutz, Waffentechnik, Jagdbetrieb, Wildkrankheiten und rechtliche Vorschriften müssen ebenfalls gebüffelt werden, will man das „Grüne Abitur“ erwerben.

„Die Zusammensetzung der Kurse hat sich in den letzten Jahren stark verändert“, sagt der 54-jährige Jagdschulbetreiber. „Kamen früher vorwiegend Försterkinder und Leute aus der Landwirtschaft, so sind heute viele Berliner unter unseren Jagdschülern. Das hat verschiedene Gründe: Sie wollen etwas Sinnvolles in der Natur machen und möchten aber auch wissen, wo die Lebensmittel herkommen, die sie essen.“

Torsten Klein hat damit kein Problem, im Gegenteil. „Ich kann die Argumente gut verstehen und ich habe festgestellt, dass die Leute aus der Großstadt offener sind und sich unvoreingenommener das Wissen aneignen.“ Dass die Jagd gerade bei den Städtern ein Imageproblem hat, ist für ihn kein Geheimnis. Der studierte Maschinenbauer, Waffenfachhändler und Jäger aus Schönholz bei Rathenow ist gern bereit, gegen Vorurteile anzukämpfen. Das hat er bereits in seinem Elternhaus trainiert.

Claudia Klein mit den Wildschweinen Susi und Strolch Quelle: privat

„In der Familie bin ich der einzige Jäger“, sagt er. „Mein Vater kann mich in dieser Richtung überhaupt nicht verstehen.“ Mehr Verständnis findet er bei seiner Frau, denn die gelernte Einzelhandelskauffrau ist seit 2006 ebenfalls Jägerin und wurde 2014 und 2015 Brandenburger Landesmeisterin im jagdlichen Schießen. Dass sich das dennoch mit ihrer Tierliebe verträgt, ist unübersehbar.

Zwischen hauseigenem Schießstand und Jagdschule sind die tierischen Mitbewohner der beiden untergebracht – die Frettchen Paula und Emma, ein Waschbär und die zweijährigen Wildschweine Susi und Strolch. Ein Jäger hat die Bache erschossen als die beiden Frischlinge erst wenige Wochen alt waren. Torsten und Claudia Klein haben sich ihrer angenommen und sie groß gezogen.

Noch immer sind die Schüsse zu hören. Die künftigen Jäger schießen auf flüchtende Pappkeiler und Tontauben. „Waffenkunde ist eines der Fächer, bei denen man schnell durchfallen kann“, sagt Torsten Klein. Ein relevanter Fehler bezüglich der Sicherheit genügt.“ Doch wer die Prüfung geschafft hat, ist ein gesetzestreuer Bürger. „Alkohol am Steuer können wir uns nicht leisten, denn wer erst einmal verurteilt wird, gilt als unzuverlässig und ist damit auch seinen Jagdschein los.

Von Cornelia Felsch

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