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Jahnbad hat neue Leiterin

Marlen Steiner seit Saisonbeginn im Amt Jahnbad hat neue Leiterin

Schöner kann ein Weg zur Arbeit nicht sein: Wenn Marlen Steiner ihren Dienst im Neuruppiner Jahnbad antreten will, setzt sie sich in ein Boot. Die zierliche, durchtrainierte Leiterin des Bades wohnt auf der gegenüberliegenden Seeseite. Mit dem Boot braucht sie eine Viertelstunde bis zur Arbeit. "Einmal quer über den See und ich bin da", sagt sie. "Man kann es nicht besser haben." 

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Neuruppin. Seit Saisonbeginn ist die 52-Jährige Leiterin des Seebades. Sie arbeitet dort in der inzwischen achten Saison. Wer mit ihr spricht, glaubt ihr sofort, dass sie ihre Arbeit liebt. Das muss sie vielleicht auch. Denn Steiner ist zurzeit die einzige Mitarbeiterin des Bades. Nachdem das Bad Mitte Mai eröffnet hatte, hat sie erst einen freien Tag genommen. In den Sommerferien ‒ wenn das Bad schon am Vormittag geöffnet ist ‒ wird sie täglich zehn, elf und mehr Stunden die Schwimmenden beaufsichtigen und die Anlage in Schuss halten. "Man hat keinen Sommer", sagt sie schlicht. "Und ein Privatleben eigentlich auch nicht."

Bitter klingt sie dabei nicht. Marlen Steiner freut sich, wenn Badegäste ihr sagen, das Jahnbad sei so schön gepflegt. Und sie genießt ‒ auch nach so vielen Jahren noch ‒ den Blick über den Ruppiner See. "Wenn man hier morgens herkommt, hat man die totale Ruhe", sagt Marlen Steiner. "Der See ist noch spiegelglatt." Wunderschön findet sie das. Vom Seeufer sieht sie vorbeifahrende Hausboote, den Kirchturm von Alt Ruppin und sie hört die Wellen, die gegen eine kleine hellblaue Kletterinsel schlagen.

Bevor Marlen Steiner das Bad aufschließt, hat sie bereits die Hinterlassenschaften der Gänse auf der Liegewiese und den Müll der Gäste beseitigt. Sie hat die Wassertemperatur gemessen, die Wassersprenger weggeräumt oder den Rasen gemäht. Den Badebetrieb beaufsichtigt sie dann mit freundlicher Strenge.

Gerade die 13-, 14-Jährigen, die vielleicht ein Mädchen beeindrucken wollen, bedürfen der besonderen Aufsicht. Das weiß sie aus Erfahrung. "Man muss wissen, wie man sie zu nehmen hat", sagt Steiner. "Man muss konsequent sein."

Als vor Kurzem etwa ein junger Bengel einen rüden Ton ihr gegenüber anschlug, verweigerte sie ihm ein wenig später ein Spielgerät. Auch einen von ihm vorgeschickten Kumpel ließ sie abblitzen. Marlen Steiner will sich nicht vorführen lassen. Allerdings gewährt sie auch immer eine zweite Chance. "Jungs, wie sieht’s denn heute aus?", fragte sie, als die Clique ein paar Tage später wieder im Jahnbad erschien. "Kann man sich heute benehmen?" Man konnte.

Im Neuruppiner Seebad hat die Rettungsschwimmerin noch keine brenzlige Situation erlebt. Im Wusterhausener Bad, wo Marlen Steiner zuvor drei Sommer gearbeitet hat, rettete sie einer 14-Jährigen das Leben. Das Mädchen war völlig überhitzt ins Wasser gesprungen und dann nicht wieder an der Wasseroberfläche erschienen. Marlen Steiner tauchte in 3,60Meter Tiefe nach der jungen Frau und zog sie an Land.

Die 14-Jährige überstand den Unfall völlig unbeschadet. "Seitdem bin ich noch viel vorsichtiger geworden", sagt sie. "Man guckt noch öfter, wenn es irgendwo platscht."

Marlen Steiner kennt viele ihrer Gäste. Sie weiß, wen sie besonders gut im Auge behalten muss und wer gerne mal seinen Müll im Sand vergräbt. Über die Jahre hat sie sich ihre Tricks erarbeitet, mit denen sie Badegäste mit schlechtem Benehmen disziplinieren kann. Manchmal hilft schon, den Namen eines aufmüpfigen Bengels zu kennen und ihn mit dem Megafon heranzuzitieren. "Bitte beim Bademeister melden!" Das ist den meisten doch peinlich.

Bevor Marlen Steiner ins Jahnbad kam, hat sie viele andere Arbeiten gemacht. Sie hat Strickerin gelernt, in der Schlachtverarbeitung gearbeitet, in der Neuruppiner Schwimmhalle, in der Fontane-Therme, in den Bädern Wusterhausen und Rheinsberg. Schon lange kann sie sich nicht mehr vorstellen, woanders als im Jahnbad zu arbeiten. "Schwimmhalle oder Büro ‒ das wäre nichts mehr für mich", sagt sie. Dazu ist ihr anstrengender Arbeitsplatz am See einfach zu schön.

Während der Saison kommt Marlen Steiner kaum zum Schwimmen. "Einfach keine Lust mehr", winkt sie lachend ab. Nur an ganz heißen Tagen springt sie mal ins Wasser und schwimmt, um sich abzukühlen. "Einmal quer über den See."

Von Frauke Herweg

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