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Jana ist Pritzwalks Sankt Martina

Kleiderkammer statt Mantelteilung Jana ist Pritzwalks Sankt Martina

Im vierten Jahrhundert teilte Sankt Martin seinen Mantel mit einem frierenden Armen. Heute wird jedes Jahr sein Namenstag gefeiert. Bedürftige sind längst nicht mehr auf das Erbarmen eines Einzelnen angewiesen: Organisationen wie das DRK sammeln gebrauchte Sachen und geben sie über die Kleiderkammern weiter.

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Jana Jennrich sorgt mit ihren Kollegen dafür, dass die Regale immer sorgfältig eingeräumt sind.

Quelle: Claudia Bihler

Pritzwalk. Geübt haben sie schon seit Wochen und gebastelt auch: Mit dem Lied „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ sind heute in der gesamten Region Kinder bei Lampionumzügen unterwegs. Und natürlich gehört zu den Liedern, die bei den Umzügen gesungen werden, auch wieder das über den Mann, dessen Namenstag am 11. November gesungen wird: „Sankt Martin war ein guter Mann“, singen die Kinder.

Soziale Netzwerke wie die heutigen gab es zur Lebenszeit des berühmten französischen Heiligen des 4. Jahrhunderts nicht, doch seine Spendenbereitschaft war groß: Er teilte seinen Mantel mit einem frierenden, unbekleideten Armen.

Dass Benachteiligte heute nicht mehr auf die Mildtätigkeit eines Einzelnen angewiesen sind, ist in Pritzwalk unter anderem dem Deutschen Roten Kreuz zu verdanken. Das DRK sammelt in neun Kleidercontainern im Stadtgebiet bereits seit vielen Jahren Bekleidung: Nutzbar sollte sie sein, gewaschen auch – eben so, dass sie auch von jemand anderem getragen werden kann. „In den vergangenen Wochen scheint die Spendenbereitschaft etwas gestiegen zu sein“, sagt Christa Wagner. „Vielleicht denken die Leute ja unter anderem an die Flüchtlinge und geben lieber mehr als weniger her.“ In Säcke verpackt werfen sie Kleider, Kindersachen, Schuhe, mitunter Spielzeug oder auch Haushaltswäsche in die Container, auch in der Kleiderkammer im Giesensdorfer Weg in Pritzwalk wird viel abgegeben.

Die vier Mitarbeiter – zwei Festangestellte und zwei MAE-Kräfte – sortieren die Sachen oder waschen sie auch, falls nötig. Was nicht mehr zu gebrauchen ist, kommt zu den Lumpen: daraus werden später Umzugsteppiche oder auch Putzwolle. „Verkauft wird nichts davon“, sagt Wagner. Im Gegenteil: Die Erfahrung des DRKs ist, dass sich der eine oder andere gerne über die Kleidercontainer auch mal komplett einiger Dinge entledigt: Den Sperrmüll, der dabei ist, muss das DRK extra entsorgen – gegen Gebühr. „Das ist ein Grund, weshalb wir die Zahl der Container in den Außenbereichen reduziert haben.“

Die gespendeten Bekleidungsstücke sind ordentlich eingeräumt

Die gespendeten Bekleidungsstücke sind ordentlich eingeräumt.

Quelle: Claudia Bihler

Dennoch: Viele zeigen sich großzügig. „Wir wissen nicht genau, wer das einwirft, aber wir finden häufiger auch mal ganz neue Kleidung in den Säcken“, sagt Christa Wagner: „Da sind mitunter sogar noch Preisschilder dran.“ Auch aus Privathaushalten kommen solche Spenden: „Vielleicht liegen die Sachen schon fünf Jahre in den Schränken, bis die Leute merken, dass sie nicht mehr passen.“

Die „Sankt Martina“ der Pritz­walker Kleiderkammer heißt Jana Jennrich. Sie sorgt mit ihren Kolleginnen dafür, dass die Regale immer sorgfältig eingeräumt sind und hilft auch mal beim Aussuchen und Anprobieren mit. Einen Mantel? „Klar, gibt es“, sagt sie, und fischt von dem großen Ständer einen Wollmantel in grau – zwar kein ganz neues Stück, aber nach wie vor auch modisch nicht völlig veraltet.

St

St. Martin von El Greco.

Quelle: image courtesy National Gallery

Pinkfarbene Mäntel, Regenjacken und ab und zu auch mal eine dicke Winterjacke für Damen oder Herren sind dabei. Besonders gut gefüllt sind die Regale für die Kindersachen, aber auch die mit Hosen und Pullis für Erwachsene. 50 Cent kostet die Kinderbekleidung pro Stück, einen Euro die für Erwachsene. „Bei guten Schuhen oder dicken Jacken nehmen wir auch mal zwei Euro“, sagt Wagner, „oder auch mal drei für einen Kinderwagen: Das kann jungen Familien sehr helfen.“

Die Kleiderkammer betrachtet das DRK jedoch nicht einfach nur als Gebrauchtsachen-Handlung. „Viele Leute erzählen auch gerne mal ein bisschen aus ihrem Leben“, sagt Wagner: „Und wenn wir mitbekommen, dass es Probleme gibt, bei denen wir zu einer Lösung verhelfen können, dann tun wir das auch.“ Das betrifft beispielsweise den Hausnotruf des DRK für Ältere. Oder junge Mütter, die – eventuell alleinerziehend – von ihren Belastungen stark beansprucht sind, werden auch mal zu Mutter-und-Kind-Kuren beraten. In letzter Zeit kommen auch mal einzelne Gruppen von Flüchtlingen in die Kleiderkammer: „Aber sehr viele sind das nicht“, sagt Wagner. Dennoch haben die Mitarbeiter ein Schild mit Piktogrammen entworfen, damit Sprachbarrieren überwunden werden: „So können sie auf das zeigen, was sie möchten.“

Kontrolliert, ob jemand tatsächlich ein geringes Einkommen hat, wird in der Kleiderkammer nicht. „Zu den DRK-Grundsätzen gehört Menschlichkeit und Freiwilligkeit“, sagt die DRK-Frau. „Woran soll man das auch festmachen? Jemand, der drei Euro mehr als jemand mit Arbeitslosengeld II verdient, hat auch nicht mehr Geld als dieser.“

Von Claudia Bihler

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