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Jane Zahn gab Rückschau auf 2017

Rheinsberg Jane Zahn gab Rückschau auf 2017

Kabarett ist der Spagat zwischen dem alltäglichen Grusel, Politik und Humor. Es fängt an, wenn das Lachen im Hals gefriert und endet bestenfalls mit einem Schuss Optimismus. Die politische Kabarettistin Jane Zahn ließ in der Rheinsberger Musikbrennerei das Jahr 2017 Revue passieren: mit scharfem Blick und ebenso scharfer Zunge.

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Jane Zahn warb im Rückblick für „Visionen mit Wut“.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Den außerirdischen Beobachtern vom Planetenverband Saturn reichts: Sie haben die Schnauze voll vom gefährlichen Blödsinn, den die Erdlinge da treiben. „Ab nach Hause, auf Nimmerwiedersehen“, schnappt eine blecherne Stimme vom Band und erklärt die Erde zum Ort nicht-intelligenten Lebens. Die Aliens haben Rosa noch nicht erlebt – die Lichtgestalt der Vernunft. Viele der 35 Besucher der Rheinsberger Musikbrennerei dagegen schon – sie ließen es sich am Freitag nicht entgehen, als die schlagfertige Klofrau des Reichstags – „die Frau aus dem Untergrund“ – zum verbalen Rundumschlag auf 2017 ausholte.

Rosa weiß, was Sache ist – sie hat auch schon zu DDR-Zeiten in der Volkskammer die schwarz-rot-güldene Klobürste geschwungen. Ihr kann keiner ein X für ein U vormachen. „Ob Lobbyist, Staatssekretär oder Minister, ob schwarz, rot, grün oder gelb, ob links oder rechts – alle machen dieselbe Scheiße“, konstatiert sie. „Außer Frau Merkel – die kommt ja nie zu Potte.“ Wichtig sei ja immer, was hinten rauskommt, zitiert sie einen Altkanzler. Nur sei das leider zumeist wenig sinnvoll – auch 2017. Dann macht Rosa die Bühne frei für ihr Alter Ego, die Kabarettistin Jane Zahn. Die Muse der Musikbrennerei hat auch dieses Mal ein dickes Bündel für ihren Jahresrückblick geschnürt: Ungerechtes, Peinliches, Verlogenes, Furchteinflößendes.

Jane Zahn parlierte über große Politik aber auch Lokales in Rheinsberg

Das Publikum darf mitspielen beim heiteren Zitate-Karussell. Jane Zahn liest Ungeheuerliches vor, das Politiker jüngst gesagt haben. Zum Trost für so viel Bitterkeit verteilt sie Schoko-Euros, bevor sie das Jamaica-Lied singt – über erkaltete karibische Gefühle. Sie ätzt über Parolen zur deutschen Leitkultur: „So, wie der Deutsche jammert, müsste es viel eher eine Leidkultur sein.“ Sie schrammt das Thema Überwachungskameras und lässt dabei die lokale Politik nicht außer Acht: „Was ein Staat macht, darf ein Privatmann noch lange nicht“, erinnert sie an den Rheinsberger Wahlkampf. Sie flankt zum „Brex-Shit“, parliert über Glyphosat und Windkraft und stimmt das Lied der Groko auf dem Bauernhof an. Der Bauer hat das letzte Wort: „Wer aufmuckt, wird geschla-hachtet.“ Ein Schunkelwalzer folgt, bei dem man Angst bekommt. Über Kamele, die das zartkeimende Pflänzchen Frieden fressen, indem sie Jerusalem zur Hauptstadt Israels erklären. Und wo sich scheißegal und neoliberal fröhlich reimen. Sie zeigt die dunkle Seite Luthers und die Erderwärmung – und hofft auf Noahs Arche.

Das Publikum durfte am Regierungs-Wunschzettel mitschreiben

Das Publikum darf in der Pause Wunschzettel schreiben, von wem es regiert werden möchte. Sie selbst wünscht sich Helene Fischer als Kanzlerin: „Sie sieht besser aus und kann dann wenigstens nicht mehr singen.“ Verteidigungsminister soll Jogi Löw sein, Kulturchef Jan Böhmermann. Elyas M’Barek kann Bildung und Hirschhausen Gesundheit. Außenpolitik wäre Sache von Deniz Yüzel.

Jane Zahn geht weiter im Text und stichelt über den verzögerten Rathausbau, bei dem die Stadt sich lieber einen Rechtsstreit leistet. „Sollen sie ins leerstehende Flüchtlingsheim ziehen“, schlägt sie vor. „Passt doch – wo im letzten Jahr drei Amtsleiter geflüchtet sind.“ Jane Zahn schafft den Spagat zwischen Kloß im Hals, Humor und Hoffnung. Nicht nur für die Aliens.

Von Regine Buddeke

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