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Jazz-Duo spielte im Schlosstheater

Rheinsberg Jazz-Duo spielte im Schlosstheater

Walter Gauchel und Ekkehard Wölk sind „The Art of Power“ – beide verzauberten mit wunderbaren Jazz-Standards am Freitagabend das Rheinsberger Publikum. Nicht wirklich „Unterm Sternenhimmel“, wie die gleichlautende Reihe verspricht – dafür war es zu kühl draußen – stattdessen brillierten beide im Schlosstheater.

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Walter Gauchel und Ekkehard Wölk (l.) verzaubern das Publikum.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Der Abend klingt nach bittersüßem Vermouth. Nach nachtblauem Samt. Nach Abschiedsküssen. Mit einem verträumten Piano-Intro, garniert mit verspielten Klavier-Koloraturen ertönt der Jazz-Klassiker „Autumn Leaves“. Schon hier wird klar, dass Walter Gauchel und Ekkehard Wölk Virtuosen auf ihrem Instrument sind. Als Jazz-Duo „The Art of Power“ geben sie das vorletzte Konzert in der von der Musikakademie Rheinsberg aufgelegten Reihe „Musik unter dem Sternenhimmel“ – für diese Saison.

Die herbstliche Eröffnung nimmt schon einiges vorweg: Statt eines echten Sternenhimmels spannt sich ein riesiger Himmels-Prospekt mit Mond und Sternen hinter den Musikern. Die abendlichen Temperaturen lassen Open Air nicht mehr zu – das Schlosstheater ist nun die Kulisse – knapp 50 Zuhörer haben sich am Freitag eingefunden, um dem Duo zu lauschen.

Ein Streifzug durch die Welt des Jazz

Es hätten schon ein paar mehr sein können, bedauert Saxofonist Gauchel, der mit rauchiger Jazzer-Stimme durchs Programm führt. Andererseits entschädige der wunderbare Saal mit dem ebenso wunderbaren Flügel, so Gauchel, und kündigt einen Streifzug durch die Welt des Jazz und Latin Style an. Man widmet sich zunächst Miles Davis „Walkin’“, einem Blues, bevor es ins große Kino geht. „The Shadow of your Smile“ ist ein Filmsong aus Vincente Minnellis Spielfilm „The Sandpiper“mit Liz Taylor, Richard Burton sowie Charles Bronson und erhielt den Oscar für den besten Filmsong. Oscarreif ist auch das Spiel von Gauchel und Wölk, verspielt, hingebungsvoll – mit Liebe zum Detail. Mal geht es gradlinig zur Sache, mal wuchern üppige Notenteppiche ums Hauptmotiv. Man merkt in jeder Note, dass Pianist Wölk aus dem klassischen Genre kommt und dessen barocke Pracht nur zu gern in den Jazz überträgt. Das Saxofon setzt Kontrapunkte.

„Fang du schon mal an“, nuschelt Gauchel, verschwindet kurz im Off und kommt mit einem Miniaturinstrument zurück – so klein wie für Grundschulkinder: ein Sopransaxophon. Die gibt dem Filmsong Glamour. Dann kommt ein Potpourri: aus einer alten Ballade der 30er Jahre und Duke Ellingtons „Prelude to a Kiss“.

Die großen Namen sind Programm

Die großen Namen sind Programm bei Gauchel und Wölk. Und noch einmal greift Gauchel in die Kiste und zaubert eine Querflöte aus dem Flügel hervor. Schnell zeigt sich: Auch diese kann verraucht und jazzig klingen. Und nur wenig später wieder klassisch tirilieren. Ganz nonchalant zaubert Wölk seine Klangteppiche aus den Tasten: harte Arbeit, die federleicht klingt.

„Nun widmen wir uns einem großen Insassen dieses Hauses“, moderiert Gauchel und meint damit keinen Geringeren als Friedrich den Großen. Auch er hat in Rheinsberg oft und gern die Querflöte gespielt, so weiß man. „Post mortem sozusagen“, fährt Gauchel fort und offeriert den Song von Jerome Kern „All the things you are“ – diesmal aber bitte in der musikalischen Spielart des Prinzen. Das gerät vortrefflich: barocke Triller im jazzig-groovigen Bett, das alsbald zur Fuge á la Bach mutiert. Der Pianist kniet sich richtig rein, fast hebt er ab von seinem Klavierhocker. Das ist absolut großartig.

Nach der Pause folgt Gershwins „Porgy and Bess“. Ekkehard Wölk gibt solo ein brillantes Medley – einen Querschnitt durch die ganze Oper: erst am Ende, beim wunderbaren „Summertime“ braucht es den Sound des Saxofons: schmelzend und zum drin versinken. Ganz anders als der Einstieg endet das Konzert mit einem Ausblick auf den Frühling: „You must believe in spring“ von Michel Legrand. Dem Publikum reicht das noch nicht, es applaudiert um Zugaben. Die bekommt es auch: zuerst ein „ganz spezielles Stück“ von John Coltrane: „Ein Ritt durch alle Harmonien und eine Herausforderung für jeden Saxofonisten“, so Gauchel. „Wir üben den seit Jahren.“ Final noch ein Filmsong aus Fellinis „La Strada“: er beginnt ganz ruhig und endet wie eine Zirkusmelodie. Walter Gauchel und Ekkehard Wölk ziehen noch einmal alle Register.

Von Regine Buddeke

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