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Ostprignitz-Ruppin Jazzfans feiern bei den Dixietagen in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jazzfans feiern bei den Dixietagen in Neuruppin
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17:49 04.09.2016
Ukrainische Lebenslust: die Jazzer aus Schmerynka wurden Publikumslieblinge. Quelle: Regine Buddeke
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Neuruppin

Wenn das kein Grund zum Feiern ist! 15 Jahre Big Brass – 20 Jahre Neuruppiner Dixietage. Der Hof am Uphus, in dem das Musikfest auch einige Jahre lang stattfand, ist am Freitagabend voll erwartungsfroher Jazzfans. Nur eine kurze Schweigeminute für den im Juli gestorbenen Lutz Gäntikow, den Sänger der Swingtime Dixieband, der stets dabei war, wenn es den Jazz zu zelebrieren galt – gemeinsam mit Bandchef Peter Brüssow und den anderen, die Taufpaten und jahrelange Organisatoren der Dixietage waren.

Es waren drei tolle Tage – die 20. Dixietage in Neuruppin: freitags spielte im uphus-Hof die Kreismusikschulband Big Brass, gefolgt von der Dixieband aus dem ukrainischen Schmerynka, die sofort alle Herzen eroberte. Am Sonnabend gab es die Frank-Sinatra-Story mit Christoph Schobesberger und Band und am Sonntag tobten sich die Ukrainer noch einmal beim Stadtgarten-Frühschoppen aus.

„Ich bedanke mich bei Peter Brüssow und Harald Bölk“, eröffnet Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde am Freitagabend die drei tollen Tage mit Blick auf den ehemaligen und den derzeitigen Leiter der Kreismusikschule, die so viele Nachwuchstalente, auch im Bereich des Jazz, hervorgebracht hat. „Dank an beide, die dafür gesorgt haben, dass wir so eine Vorzeige-Musikschule haben. Und deshalb nicht nur Fontane-, sondern auch Kulturstadt sind.“ Der Nachwuchs sitzt bereits am Instrument auf der Bühne – die Kreismusikschul-Bigband „Big Brass“ hat sich in Neuruppin längst einen Namen gemacht und ist es allemal wert, die Jubiläumsausgabe der Dixietage zu eröffnen. Auch wenn, so Bölk, es immer wieder schwer sei, die Lücken zu schließen, die sich nach dem Abitur oft bilden, wenn die gut eingespielten Schulabgänger in die Welt ziehen. „Glücklicherweise kommen immer neue.“

Den Ruf als Kulturstadt erarbeitet sich Neuruppin auch durch gutgepflegte Städtepartnerschaften – man denke nur ans alljährliche Certaldo-Fest. Gerade knüpft die Stadt zarte Bande in die Ukraine. Bereits im Januar gab es einen ersten Kulturaustausch, berichtet Mario Zetzsche, Sachgebietsleiter für Kultur. Eine Delegation aus Schmerynka war in Neuruppin, eine westukrainische Kleinstadt, ähnlich groß wie Neuruppin. Schon damals stellte man fest, dass beide Städte eine Jazzband haben. So lag es nahe, diese einzuladen, zumal die Schmerynker Musiker festival­erprobt sind: Sie nehmen dann und wann am Vinnitsa-Jazzfest mit tausenden Zuschauern teil, das in der Ukraine stattfindet und landesweit ausgestrahlt wird.

„Wir haben einen Packen Noten mit“, ruft Harald Bölk gut gelaunt in die Menge der etwa 200 Zuschauer und reckt die Arme in Richtung seiner jungen Musiker. Nur die Palmen fehlen fürs New-Orleans-Feeling: Es ist sommerlich warm, fröhliche Menschen sitzen und stehen im lauschigen Hof, die Luft ist trunken mit Gute-Laune-Musik. Jazzstandards wie „Fly me to the moon“, „Spain“ oder „Birdland“ sitzen trotz der ferienbedingten Probenpause noch Eins A. Und mit Helene Hannemann, die eigentlich in diversen Schülerbands spielt, hat Big Brass einmal mehr eine neue Jazzsängerin gefunden – Bölk nennt sie „unseren Glücksfall“ für die Super-Klassiker wie „Over the rainbow“, „You are the sunshine of my life“ und „Summertime“.

Kurze Umbaupause, dann sind die Schmerynker dran. Alle passen nicht auf die Bühne, es wird abwechselnd gespielt. 43 Jahre gibt es sie schon, erklärt der begleitende Kulturdezernent Wladimir Dudik. Der Älteste und Mitbegründer, Posaunist Juri Starchenko, sei stolze 72 Jahre alt. Das Küken ist erst 18. Die Ukrainer starten mit Mackie Messer und legen von der aller­ersten Note eine Show der Extraklasse hin. Egal ob Jazz- und Dixiestandards – es reißt mit, ob man sitzt oder steht. Die Zuhörer wippen, tanzen, strahlen, jubeln. Die Musiker befeuern das durch exzellentes Zusammenspiel, brillante Soli, spannende Titelauswahl. Piazzolla-Tango oder spanischer Flamenco? Pah – das geht verjazzt noch besser. „Bei mir biste scheen“ – klar doch. Slawische Tänze: immer her damit. „Rosamunde“? Ähm – war das nicht schon immer im Jazz angesiedelt? Durch die Noten schimmert Volksliedgut aus Russland oder der Ukraine – so genau hört man das als Deutscher nicht heraus. Aber es purzelt so locker aus den Saxofonen, Trompeten und Posaunen. Ein E-Bass kann wie eine Balalaika gezupft werden. Und das Akkordeon ist ohnehin ein Tausendsassa der Musik. Aus Latin wird Dixie. Und der kann ähnlich furios gezupft werden wie der „Säbeltanz“ – mit kollabierender Piccoloflöte und rasender Klarinette. Schon Zuschauen macht schwindlig.

Ein Dixietage-Stammgast aus Hamburg spendiert spontan eine Getränke-Runde für die durstigen Musiker, während Mario Zetzsche mit dem Raschel- und Klingelbeutel durch die Menge zieht, um Benzingeld für die Schmerynker zu sammeln. Vermutlich, weil sich lautstark abzeichnet, dass man sie gerne einmal wiedersehen möchte. Immer wieder ist zu hören: „Einer geht noch.“ Und die Ukrainer beweisen einen fulminanten und langen Atem.

Sonnabend: Es geht über den großen Teich. Christoph Schobesberger und seine grandiose Band nehmen die 80 Zuhörer in der Kulturkirche mit nach Chicago, L. A. und „New York, New York“. Mit Hut und Fliege, Witz, Charme und viel Gold in der Kehle unternimmt er eine Zeitreise durch das Leben Frank Sinatras: mit 30 seiner Hits. Als Duettpartnerin fungiert in Neuruppin in diversen Rollen Susanne Eisenkolb. Das Publikum ist hin und weg.

Sonntagmorgen – es nieselt und der Frühschoppen wird kurzerhand vom Hof ins Stadtgarten­innere verlegt. Die Ukrainer heizen noch einmal ein. Fast 50 Jazzfans sind gekommen, um sich das nicht entgehen zu lassen. „Es ist toll, was Herr Vockrodt und Herr Zetzsche da auf die Beine gestellt haben“, schwärmt Viola Horn, die Partnerin von Peter Brüssow, die zuerst die Idee hatte, die Dixietage auch noch ein 20. Mal auszurichten. Das Fazit der drei Tage ist gut. Und schreit nach Fortsetzung. „Wir wollten das als Stadt machen, weil es das 20. Jubiläum ist“, erklärt Mario Zetzsche, warum die Dixietage, die in den vergangenen zwei Jahren privat von Jens Leppin im „Klosterhof“ ausgerichtet wurden, wieder von der Stadt organisiert worden sind. „Als krönender Abschluss. Und möglicherweise auch als Neuanfang. Wenn sich ein neuer Veranstalter findet.“ Für Neuruppins Dixiefans ein Wermutkelch mit einem Spritzer Hoffnung.

Von Regine Buddeke

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