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Jede Woche die eigene Stadt neu entdecken

Wittstock Jede Woche die eigene Stadt neu entdecken

Immer mittwochs zieht es sie in Wittstocks Gassen und Straßenzüge. Dann spaziert die „3000-Schritte-Gruppe“ der Volkssolidarität durch Wittstock. Egal ob in der Altstadt, in den Vorstädten oder Ortsteilen, die Senioren begutachten jede Baustelle, jedes sanierte Haus und blicken zurück in die Vergangenheit, als alles noch nicht so schön aussah und zu verfallen drohte.

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Manfred Lau (v. l.), Gerhard Steinkopf und Erhard Riedel streiften durch Wittstocks Straßen.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Fast wäre es aufgrund des Regenwetters nur bei einer gemütlichen Gesprächsrunde im Foyer der Volkssolidarität in der Wittstocker Poststraße geblieben. Die fünf Senioren der Ortsgruppe 1 haben sich dort wie jeden Mittwoch um 9 Uhr getroffen, um ihren üblichen „3000-Schritte-Marsch“ durch die Dossestadt anzutreten. Stattdessen: warten, erzählen, erinnern. Manfred Lau berichtet aus den Tagen seiner Flucht aus der Neumark nach Mecklenburg 1945 und wie er vor 57 Jahren nach Wittstock kam. Erhard Riedel erinnert sich an seinen Vater, der im Mai 1945 in seiner Heimatstadt Breslau kämpfen musste. Dann hat der Regen doch ein Einsehen mit den Senioren und mäßigt sich – der Spaziergang beginnt.

„Wir machen das schon seit acht Jahren“, informiert Gerhard Steinkopf. Er ist mit 92 Jahren der älteste Teilnehmer der Entdeckerrunde. Denn die Senioren haben sich das Ziel gesetzt, ihre Stadt mindestens einmal die Woche neu zu entdecken. „Hier ist eine ganze Menge seit der Wende passiert“, sagt Erhard Riedel. Es mache Freude, zuzusehen, wie Wittstock immer schöner werde. Die Gruppe geht über den Markt bis hin zur Kettenstraße. „Für das Haus kam die Rettung in letzter Sekunde“, deutet der 82-Jährige auf die Stadtbibliothek. Dann geraten die Senioren ins Schwärmen, wie schön das Gebäude saniert worden sei.

An den Stadtgarten erinnerten sich die Senioren noch gut

An den Stadtgarten erinnerten sich die Senioren noch gut.

Quelle: Christian Bark

Am Rosenwinkel begutachten sie die alte Tuchfabrik, in der gerade Wohnungen entstehen. „Ich habe gelesen, die Heizungen sollen in den Wänden sein“, berichtet Erhard Riedel. Seine Begleiter staunen, blicken dann aber auf noch nicht sanierte Häuser neben der Stadtverwaltung. „Es sind halt einige Eigentumsverhältnisse nicht geklärt“, zuckt Manfred Lau mit den Achseln. In der Heiliggeiststraße nehmen sie kopfnickend die Fertigstellung eines privaten Wohnhauses wahr. „Hier ist eine ganze Menge passiert“, wiederholt Erhard Riedel. An einem Tor macht die Gruppe halt. Manfred Lau erklärt die Funktion eines Klapptores, dann geht es weiter zur Stadtmauer, wo die Senioren durch einen Torbogen den alten Stadtgarten erblicken. „Früher war hier ein Ausflugslokal für die Soldaten“, gibt Manfred Lau die Erzählungen alter Wittstocker wieder. Jeder der Spaziergänger hat so seine ganz eigenen Erinnerungen an das Lokal – an Tanzabende und lange Nächte. „Bis vor einigen Jahren war hier noch Disko – heute ist nichts mehr“, sagt Erhard Riedel. Die Gruppe geht über „Am Wolfsloch“ weiter in die Kettenstraße.

Die 3000 Schritte dürfte sie schon hinter sich heben. „Das hält aber fit und macht Spaß“, freut sich Gerhard Steinkopf. „Ich würde gern mal an einer Stadtführung zu einzelnen Häusern teilnehmen“, sagt Manfred Lau. Die Geschichte der Gebäude interessiere ihn sehr. Mehr Anregungen dafür und weitere Schritte wollen die Senioren nächsten Mittwoch wieder sammeln, wie sie sagen.

Von Christian Bark

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