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Jeder Dritte könnte Blut spenden

Neuruppin Jeder Dritte könnte Blut spenden

33 Prozent aller Deutschen könnten Blut spenden. Doch nur jeder Dritte geht regelmäßig zu einer Blutspende. Gerade in den Sommermonaten können die Vorräte an Blutspenden knapp werden.

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Eine gute halbe Stunde dauert die Blutspende – hier beim DRK-Blutspendedienst in Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. In den Sommermonaten schlagen die Blutspendedienste regelmäßig Alarm, weil die Blutspenden knapp werden. Aus Anlass des Welt-Blutspendertages am Mittwoch sprach die MAZ mit Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nordost.

Wie ist die Versorgungslage im Moment?

Zurzeit ist die Versorgungslage stabil. Aber das kann sich innerhalb von ein bis zwei Tagen ändern. Blutpräparate sind schließlich nur ein begrenzte Zeit haltbar – die roten Blutkörperchen, die Erythrozyten, nur 35 bis 42 Tage, die Blutplättchen, die Thrombozyten, sogar nur fünf Tage.

Die Internetseite des DRK-Blutspendedienstes zeigt im Moment einen „beunruhigend geringen Blutbestand“ für die Blutgruppen A-, 0- und B- an. Wie beunruhigend ist das tatsächlich? Könnte es sein, dass geplante Operationen verschoben werden müssen?

Im Moment ist die Situation noch nicht dramatisch. Wir sehen, dass es knapp werden könnte und versuchen einen drohenden Engpass abzuwenden. Grundsätzlich ist es so, dass diese Blutgruppen vergleichsweise selten sind. Nur sechs Prozent der Bevölkerung haben etwa die Blutgruppe 0 rhesus negativ. Weil diese Blutgruppe im Gegensatz zu anderen Patienten aller Blutgruppen zugeführt werden kann, ist sie bei den Rettungsstellen jedoch sehr begehrt.

Mussten in den Krankenhäusern der Region schon einmal Operationen verschoben werden, weil die Blutreserven nahezu aufgebraucht waren?

Im Sommer 2010 standen wir einmal kurz davor. Es war sechs Wochen lang sehr heiß gewesen und unsere Reserve war auf einen Tag zusammengeschrumpft. Mit gezielten Aufrufen an die Blutspender konnte ein Verschieben von Operationen jedoch vermeiden werden.

Drei Prozent der Gesamtbevölkerung gehen regelmäßig zur Blutspende. Tatsächlich müssten sechs Prozent gehen, damit die Blutspendedienste einen mehrtägigen Vorrat an Blutspenden haben. Wie gehen sie mit drohenden Engpässen um?

Derzeit kann mit einer konstanten Spendertätigkeit von rund drei Prozent der Bevölkerung im Bundesdurchschnitt die Versorgung gewährleistet werden. Prinzipiell hat der demografische Wandel Auswirkungen auf die Blutspenden. Jedes Jahr scheiden mehrere tausend Blutspender aus, weil sie das 73. Lebensjahr erreicht haben. Doch zu wenig junge Menschen ersetzen diese Spender. 33 Prozent aller Bundesbürger könnten spenden. Wir würden uns deshalb wünschen, dass sich noch mehr beteiligen. Um die Versorgung mit Blutpräparaten zu sichern und um Engpässe zu vermieden, richten wir auch in Monaten mit vielen Feiertagen wie jetzt im Mai Sondertermine ein – zuletzt am Pfingstmontag.

Der Bedarf an Blutspenden steigt. Warum?

Auch das hat mit der demografischen Entwicklung zu tun. Mit dem steigenden Alter der Menschen wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Blutspende benötigen.

Wer braucht Blutspenden?

Etwa ein Fünftel der Blutspenden wird für Tumorpatienten genötigt – das ist die größte Gruppe. Diese Patienten sind während einer Chemotherapie über Wochen oder auch Monate auf Blutpräparate angewiesen, weil die Therapie eben auch gesunde Zellen angreift. Es muss für diese Patienten also für eine lange Zeit Blutspendepräparate geben. Es darf kein Behandlungsabbruch entstehen.

Wie ist die Spendebereitschaft in der Region – in Ostprignitz-Ruppin und in der Prignitz?

Die Spendebereitschaft ist konstant. Vor dem Hintergrund, dass gerade junge Menschen wegziehen, ist das bemerkenswert. Trotzdem müssen künftig neue Spendergruppen für die Blutspende gewonnen werden, um auch in den kommenden Jahren eine lückenlose Versorgung zu gewährleisten. Wir klären auch immer wieder gezielt auf, dass Blutspenden Menschen in der Region helfen. Es ist ein Einsatz für die Region.

Die Spender geben ihr Blut kostenlos. Was zahlen die Krankenhäuser für ein Blutpräparat?

Grundsätzlich ist es so, dass das, was von Kliniken bezahlt wird, ein Selbstkostenpreis ist. Es fallen Kosten für den Fuhrpark, das Labor und hoch qualifizierte Mitarbeiter an. Ein Blutpräparat ist, wenn es an einen Patienten weitergegeben wird, durch die Hände von etwa 30 Mitarbeitern gegangen. Das muss man sich verdeutlichen. Unsere sechs Blutspendedienste sind gemeinnützig. Wir reinvestieren stets den Erlös, um den Spendenbetrieb aufrecht zu erhalten und dürfen keine Gewinne machen.

Von Frauke Herweg

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