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Jedes Floß ein Unikat

Molchow Jedes Floß ein Unikat

Beim Verleih „Treibgut“ in Molchow wird jedes Floß von den Betreibern Ulrich Horstkott und Kira Schwedt selbst entworfen und gebaut. Angefangen hat alles im Sommer vor zehn Jahren – mit einem Brett und einer Säge. Weiter vergrößern wollen sich die beiden trotz ihres Erfolges aber dennoch nicht.

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Kira Schwedt und Ulrich Horstkott sind auch selbst gerne mal mit einem ihrer Flöße unterwegs.

Quelle: Josephine Mühln

Molchow. Ein Brett und eine Säge, damit habe alles angefangen, erinnert sich Ulrich Horstkott und lacht. Zu dem einen Brett kamen weitere, aus denen Horstkott schließlich sein erstes Floß baute. Das war die Geburtsstunde des Floßverleihs Treibgut, im Sommer vor zehn Jahren.

Mittlerweile hat der Verleih drei Standorte – neben dem in Molchow auch noch in Fürstenberg (Oberhavel) und Brandenburg/Havel. Außerdem hat Horstkott 2013 seine Partnerin Kira Schwedt mit ins Boot – oder besser: auf’s Floß – geholt. Seitdem entwerfen, bauen und verleihen beide gemeinsam.

Pure Idylle auf sieben Quadratmetern

Die Idee für die kleinen „See-Ferienhäuser mit Terrasse“, wie Schwedt die Flöße liebevoll nennt, sei Horstkott während seiner Kanu-Touren in Mecklenburg gekommen, erzählt der 47-Jährige. „Ich wollte etwas, mit dem ich ein bisschen komfortabler und vor allem auch bei schlechtem Wetter besser fahren kann.“ Auch zurückhaltend und unscheinbar sollten die Gefährte sein, „sich gut in die Landschaft einfügen“, ergänzt Schwedt.

Während Horstkott an seinem ersten Floß noch rund ein Jahr gebaut habe, sei das Paar jetzt – wenn das Material vorrätig ist – innerhalb von zehn Tagen fertig, erzählt der gebürtige Kieler. Das Floß besteht aus einer 2,50 mal 2,70 Meter großen Holzkonstruktion, die von einem selbstschwimmenden System aus Kunststoff getragen wird. Auf dem Holzboden steht ein gut sechs Quadratmeter großes Haus, in dem gekocht und geschlafen wird – und das bei schlechtem Wetter als Unterschlupf dient. „Und das Beste am Floß ist natürlich die begehbare Dachterrasse“, sagt Horstkott – nicht ohne Stolz in der Stimme.

Herstellungskosten für ein Floß liegen bei 10.000 Euro

Eine weitere Besonderheit: Die Geländer rund um die Terrasse. „Das sind Reste aus Rodungsarbeiten“, erklärt Schwedt. „Wir haben das Holz geschält und getrocknet, anschließend versiegelt und daraus die Geländer und die Leiter zur Dachterrasse gebaut.“ Rund 10.000 Euro koste ein Floß in der Herstellung – reine Materialkosten.

Der Kundenstamm sei bunt gemischt. Von Familien mit Kindern über Pärchen bis hin zu Senioren, die eine Tagestour unternehmen, sei fast alles dabei. Auch Junggesellenabschiede seien auf den Flößen bereits gefeiert worden, erzählt Schwedt. „Jeder der Lust auf Natur hat, kommt zu uns“, ergänzt Horstkott. Das Interesse habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Bis Windstärke fünf

50 Quadratmeter Holz benötigen Ulrich Horstkott und Kira Schwedt für den Bau eines Floßes.

Ein Floß darf ohne Führerschein gefahren werden. Ans Steuer kann jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist.

Floß kann bei so gut wie jedem Wetter gefahren werden. Wenn es regnet, lässt sich das Haus verschließen und eine Heizung sorgt für warme Füße. Nur Wind kann das Naturerlebnis trüben, ab Windstärke fünf lassen sich die Gefährte nicht mehr gut steuern.

An einen Kunden könne sich Schwedt noch besonders gut erinnern, sagt sie. Ein Vater mit seiner Tochter. „Die beiden hatten ziemlich viele Regentag, aber abgebrochen haben sie den Ausflug nicht“, erzählt die gebürtige Hannoveranerin. „Sie haben dann im Haus eine Hängematte aufgehangen und Karten gespielt. Der Vater hat am Ende gesagt, dass das die intensivste Zeit gewesen sei, die er je mit seiner Tochter verbracht habe.“

Die klassische Floßtour, die die Kunden von Molchow aus unternehmen, sei drei bis vier Tage lang, erzählt Schwedt. Es gebe aber auch jene, die bis zu 14 Tage unterwegs seien. „Wir empfehlen den Kunden, alles mitzubringen und nicht zwischendurch anzulegen“, ergänzt die 38-Jährige. „Viele wollen auch gar nicht in die Zivilisation, sondern das pure Naturerlebnis genießen.“ Insgesamt 300 Fahrten seien im vergangenen Jahr vom Standpunkt Molchow aus unternommen worden.

Familiärer Charakter soll gewahrt bleiben

Das Paar selbst sei eher in der Nebensaison unterwegs. „Im September, wenn auf den Seen weniger los ist“, sagt Schwedt. Dann schauen sie, welche Touren sie ihren Kunden empfehlen können. Richtung Norden sei der Zermützelsee ein klassisches Ziel, während es im Süden über den Molchowsee und den Rhin problemlos bis zum Ruppiner See und darüber hinaus gehe.

Die Floß-Saison dauert je nach Wetter von April bis Oktober. Gut einen Monat davor und einen Monat danach beginnen Horstkott und Schwedt aber bereits, ihre Schützlinge winterfest beziehungsweise fit für die neue Saison zu machen. Die Flöße verbleiben auch im Winter auf dem Wasser, regelmäßig muss Holz erneuert werden oder das Gefährt bekommt einen frischen Anstrich. Der größte Verschleiß sei beim Motor zu verzeichnen, sagt Horstkott. „Wenn er regelmäßig in Betrieb ist, hält er maximal drei Jahre.“

Schwedt und Horstkott wollen auch in Zukunft den familiären Charakter ihres Verleihs bewahren, sagen sie. Denn so ein kleines Gebiet dürfe nicht verstopft werden, damit die Floßfahrt auch weiterhin ein schönes Naturerlebnis bleibt.

Von Josephine Mühln

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