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Ostprignitz-Ruppin Jetzt geht’s los: Hanfernte mit Mähdrescher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jetzt geht’s los: Hanfernte mit Mähdrescher
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00:19 28.09.2017
Hanfernte in Zempow Quelle: Cornelia Felsch
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Zempow

„In Frankreich werden aus der Hanffaser die schönsten Spitzen gefertigt“, sagt Wolfgang Vitus Henkel und zerteilt den Stängel der Pflanze in viele dünne Fäden. „Sogar Unterwäsche und die feinsten Dessous, die ein Vermögen kosten, werden dort daraus hergestellt“, schwärmt der Heilpraktiker aus Malchow (Mecklenburg-Vorpommern), der sich zu DDR-Zeiten selbst mit der Herstellung von Hanfgeweben befasst hat. Er ist zum Hanftag nach Zempow gekommen. Auf dem Hanffeld von Bio-Landwirt Wilhelm Schäkel dreht bereits der Mähdrescher seine Kreise – geerntet wird jetzt im September die Sorte Finola, die hauptsächlich wegen der Hanfsamen angepflanzt. Die zerkleinerten Stängel landen wieder auf dem Feld. „Das ist ein prima Dämmmaterial“, sagt Henkel. „Hanffasern sind feuchtigkeitsbeständig und fäulnisresistent. Es ist eine Sünde, dass das hier einfach liegen bleibt.“

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Landwirt Wilhelm Schäkel baut im Grenzgebiet von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Nutz-Hanf an. Bei einer Führung auf der Bio Ranch Zempow zeigte er beim Hanftag die vielseitige Verwendung der Pflanze auf. Aktuell wird geerntet. Der Hanfanbau ist in Deutschland streng geregelt.

Seit 2015 baut Wilhelm Schäkel Nutzhanf an

Seit 2015 baut Wilhelm Schäkel Nutzhanf an und erprobt verschiedene Hanfzüchtungen. Die Sorte Finola hat einen besonders hohen Samenertrag, wird aber nur etwa 1,50 Meter hoch. Rund 700 Kilogramm erntet der Bio-Landwirt pro Hektar. „Eine Tonne wäre optimal“, sagt er. Die Hanfsamen – auch Hanfnüsse genannt – enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren, leicht verdauliche Proteine und zahlreiche Vitamine und Spurenelemente. Aus ihnen wird Hanföl, Mehl und Proteinpulver hergestellt. Auch in Schokolade, Hanf-Riegeln und Müsli sind die Samen enthalten, die Schäkel an die Firma „Hanf-Farm“ liefert. Seit 1996 hat sich das Unternehmen auf den Anbau, die Weiterverarbeitung und die Vermarktung von Hanf-Produkten spezialisiert – mit dem Ziel, Hanf als Kulturpflanze in Deutschland und Europa wieder zu etablieren.

Hanfprodukte sind vorteilhaft für eine cholesterinarme, vegane Ernährung und für Allergiker . Quelle: Cornelia Felsch

Die Samen sind ein hochwertiges Lebensmittel, das man sofort nach der Ernte essen kann, ohne es zu waschen“, sagt Geschäftsführer Rafael Dulon, der von der Vielseitigkeit der Pflanze schwärmt: „Seit über sechs Jahrtausenden ist Hanf ein wichtiger Lieferant für Fasern, Nahrungsmittel und Medizin. Auch bei der Tierernährung und zur Herstellung von Verbundwerkstoffen wird es eingesetzt.“ In früheren Zeiten wurden Schiffssegel, die Takelage, Ankertaue und auch Fischernetze aus den Stängeln der Pflanzen hergestellt. Textilien, Stoffe, Handtücher und Gardinen wurden in vielen Ländern aus Hanf gefertigt. Auf Grund der Reißfestigkeit und Haltbarkeit bis in das 20. Jahrhundert hinein eine der mit am häufigsten verwendete Naturfaser. Auf Hanfleinwand gemalte Ölbilder sind über Jahrhunderte hinweg in gutem Zustand erhalten geblieben.

Hanf wächst im Eiltempo vier Meter hoch

Die enorme Nützlichkeit der Pflanze beginnt aber bereits auf dem Acker – durch sein schnelles Wachstum. In etwa 120 Tagen wächst Hanf über vier Meter hoch und entfaltet sein Blätterdach. So hat Unkraut nur wenig Chancen, der starke Geruch der Pflanzen hält auch tierische Parasiten fern. Pestizide und Herbizide sind überflüssig. Das feine Wurzelwerk sorgt für gut gelockerten Boden. Für Wilhelm Schäkel ein guter Grund, sie als Haupt- und Zwischenkultur anzubauen. „Hanf ist ein perfekter Anzeiger für Bodenverdichtungen“, sagt der Landwirt. „Bis zu 60 Zentimetern Tiefe sollte der Boden schon gelockert sein, wenn der Hanf gute Bedingungen bekommen soll.“

In der Europäischen Union sind etwa 40 Sorten zum Anbau zugelassen, die wegen ihres geringen Gehalts an THC (Tetrahydrocannabinol) als Rauschmittel ungeeignet sind. Der Anbau ist anzeigepflichtig und der THC-Gehalt darf nicht mehr als 0,2 Prozent in der Blütenmasse betragen. „Bei dem verwendeten Saatgut muss es sich um zertifiziertes Saatgut handeln und den Blühbeginn muss ich innerhalb von 20 Tagen gemeldet haben“, sagt Wilhelm Schäkel. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung führt regelmäßig Kontrollen hinsichtlich des THC-Gehalts durch.

Von Cornelia Felsch

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