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Ostprignitz-Ruppin Jochen Kowalski singt im Rheinsberger Schlosstheater
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jochen Kowalski singt im Rheinsberger Schlosstheater
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00:27 30.03.2018
Jochen Kowalski Quelle: Dummer
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Rheinsberg

Der Kammersänger Jochen Kowalski ist einer der vielseitigsten und gefragtesten Countertenöre – auch Altus genannt – der Gegenwart: Seine Opernrollen, Liederabende und Konzerte haben ihn weltweit populär gemacht. In Rheinsberg ist er spätestens seit der Uraufführung von „Tucholskys Spiegel“ im Sommer 2017 bekannt – er mimte darin Tucholskys Alter Ego. Nun kommt er wieder nach Rheinsberg: mit seinem neuen Programm rund um die zauberhafte Welt der Romantik. Zusammen mit dem Carl-Maria-von-Weber-Ensemble der Staatskapelle Berlin und dessen Leiter, Uwe Hilprecht, geht er – mal ironisch, mal nachdenklich – singend und erzählend auf eine spannende Spurensuche. Im Vorfeld hatte die MAZ ein paar Fragen an den Countertenor.

MAZ: Herr Kowalski, Sie füllen große Säle. Warum zieht es Sie ins kleine Rheinsberg? Hat Ihnen im vergangenen Sommer, als Sie Tucholskys Alter Ego sangen, die Stadt so gut gefallen? Oder war es der friderizianische Atem des Schlosstheaters?

Erstens: Es ist einfach schön, über Ostern in Rheinsberg zu sein. Ich liebe diese märkische Kulturstadt seit meiner Kindheit und habe den kulturellen Aufschwung in den vergangenen Jahren mit großer Freude und Anteilnahme verfolgt. Und zweitens: Ja, bei der Tucholsky-Produktion im vergangenem Sommer kamen wir auf die Idee, nach mehreren Jahren wieder ein Konzert in dem wiedererstandenen Schlosstheater zu geben.

Wie wird man eigentlich Countertenor/Altus? Muss man trainieren, dass die männliche Stimme über den Stimmbruch triumphiert?

Das kann ich nicht genau sagen. Eine Laune der Natur? Ein Geschenk des Himmels? Ich weiß es wirklich nicht. Meine Mutter hatte eine wunderbare Stimme – das ist wohl ihr Anteil an meiner Berufung, und mein Vater hatte diesen eisernen Willen und die unbedingte Disziplin, ohne die der Sängerberuf nicht möglich ist. Ich danke meinen Eltern heute noch für diese großzügigen Gaben!

Sie haben von Gluck über Händel bis Purcell die unterschiedlichsten Partien gesungen. Welches war Ihr absoluter Liebling – die Rolle, für die Sie Countertenor geworden sind?

Meine Traumrolle war immer Wagners „Lohengrin“ ... Es ist nichts daraus geworden. Ich kann nicht sagen, welche Partie im Altfach mein Favorit ist und war. Ich habe alle diese Rollen gern gesungen. Die größte Herausforderung war aber wohl der Orpheus in Glucks gleichnamiger Oper Das war quasi mein „Tristan“.

Haben Sie jemals einen Bass um eine Partie beneidet? Wenn ja, um welche?

Beneidet nicht. Ich höre aber mit großer Freude und Genuss meinem Kollegen Rene Pape als Sarastro in der“ Zauberflöte“ oder als Boris Godunow zu. Einfach traumhaft.

Sie haben das Stimmfach des Countertenors auf der Opernbühne salonfähig gemacht. Der Hype um die hohen Stimmen wächst eher noch, als dass er verebbt. Sie singen aber außer Oper auch gern in anderen Genres. In welchen?

Ich bin in keine musikalische Schublade zu stecken! Oper singe ich immer noch gern, habe aber auch weltweit den Orlofsky in der Operette „Die Fledermaus“ gesungen. Schuberts und Schumanns Liederzyklen sind mir ans Herz gewachsen und mit dem Carl- Maria-von-Weber-Ensemble der Staatskapelle singe ich ganz aktuell Bekanntes, Vergessenes und Spannendes aus der Zeit der Romantik.

Vor Jahren haben Sie einmal ein augenzwinkerndes „Castra Diva“-Programm auf die Bretter geknallt. Passiert es denn manchmal, dass man Sie mit den Kastratensängern aus der Zeit des Barock in einen Topf wirft?

Immer wieder – und das im 21. Jahrhundert! Ich kann darüber nur schmunzeln. Habe aber keine Lust mehr, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Sie haben – weil Sie gerade vom Prinz Orlofsky sprachen – auch Ausflüge ins Hosenrollenfach gewagt: quasi Männerrollen, die wegen der hohen Stimme Frauen vorbehalten waren, die dafür ins Männerkostüm schlüpften. Wie fühlt man sich in so einem Moment auf der Bühne: wie ein Mann oder eine Frau?

Ich bin ein Mann und denke darüber nicht nach. Es ist doch nur Theater – die „bunte Lüge“. An der Deutschen Staatsoper singe ich gerade ganz aktuell die Nutrice – eine Frauenrolle, die vom Komponisten Claudio Monteverdi für eine hohe Männerstimme geschrieben wurde. Die Welt der Oper ist verrückt – und es macht mitunter immer noch Freude mit dabei zu sein.

Bei Frauen wird die Stimme mit den Jahren zumeist tiefer. Wie geht es einem Mann – speziell einem mit hoher Stimmlage damit?

Es macht Spaß, die Entwicklung der eigenen Stimme zu beobachten. Tägliches Training und genaue Beobachtung der eigenen Leistung sind das A und O. Jedes Alter hat seine stimmlichen Schokoladenseiten – diese muss man geschickt mit der entsprechenden Literatur verknüpfen.

„Der Fluch der Kröte“ ist ein Programm des Carl-Maria-von-Weber-Ensembles der Staatskapelle Berlin, das eigens gegründet wurde, um der wunderbaren Musik der Romantik zu huldigen. Sie wurden gefragt, ob Sie dabei sein wollen und haben zugesagt. Sind Sie ein heimlicher Romantiker?

Ich bin kein heimlicher, sondern ein bekennender Romantiker. Der musikalische Leiter Uwe Hilprecht brauchte mich nicht lange zu überreden.

Sie haben sicher noch viele spannende Pläne. Was ist Ihr nächstes Projekt?

Ich habe jetzt die faszinierende Welt der Melodramen für mich entdeckt. Schuberts „Abschied von der Erde“ und das heitere Melodram „Der Fluch der Kröte“ von Winternitz sind ein Anfang. Im Sommer folgt dann Max von Schillings Meisterwerk „Das Hexenlied“. Man muss als Sänger stets neugierig sein und darf keine Herausforderung scheuen. Es muss immer spannend bleiben – nicht nur für mich, sondern in erster Linie auch für das Publikum. Deshalb freue ich mich auf unser Konzert in Rheinsberg.

Das Interview führte Regine Buddeke

Das Konzert beginnt am Sonntag, 1. April, um 11 Uhr im Schlosstheater Rheinsberg. Karten (zwischen 18 und 25 Euro, ermäßigt 9 bis 12,50 Euro) gibt es bei der Tourist-Information Rheinsberg unter Telefon 033931/3 49 40, tourist-information@rheinsberg.de oder an der Abendkasse (Aufschlag 2 Euro).

Von Regine Buddeke

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