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John Lees’ Barclay James Harvest begeisterte

Neuruppin John Lees’ Barclay James Harvest begeisterte

John Lees, Mitbegründer von Barclay James Harvest, weiß um die Magie der alten Songs. Er mixt sie mit den neuen, die er schrieb, nachdem die Band sich 1998 trennte und daraus zwei neue Bands mit je zwei Altmitgliedern wurde. Insofern boten „John Lees’ Barclay James Harvest“ in Neuruppins Pfarrkirche einen klanggewaltigen Abend.

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Gründungsurgestein von Barclay James Harvest: John Lees.

Quelle: Buddeke

Neuruppin. Es kann nur einen geben – so lautet eine bekanntes Filmzitat, das man im Falle von Barclay James Harvest durchaus hinterfragen kann. Die erfolgreiche Band aus dem englischen Oldham, gegründet 1967 aus jeweils zwei Protagonisten zweier Schulbands, zerfiel 1998 wie eine Zelle bei der Zellteilung. Beide Zellkerne regenerierten sich zu einem Ganzen und gingen fortan als Zwillinge getrennt auf Tour. Aus Les Holroyd und Mel Pritchard wurde „Barclay James Harvest Featuring Les Holroyd“; John Lees und Woolly Wolstenholme arbeiteten als „John Lees‘ Barclay James Harvest“ weiter – und das auch nach dem Tod von Pritchard und Wolstenholme. Immer noch sind beide Bands auf Tour, haben vorzugsweise die guten alten Songs des Originals im Gepäck und den Schmetterling – das Markenzeichen der Band, die für ihren orchestralen Sound berühmt war.

Den bekamen am Sonnabend 350 Fans in der Neuruppiner Pfarrkirche auf die Ohren, wo John Lees und seine Mannen auftraten – nicht zum ersten Mal übrigens.

Craig Fletcher

Craig Fletcher.

Quelle: Regine Buddeke

Es klingt, als ob ein Ufo landet, dann erscheinen die vier Musiker im Scheinwerferlicht und starten mit „Nova“. „Was für ein schöner Ort“, lobt Bassist Craig Fletcher. „Fast wie Johns Haus, nur etwas kleiner“, witzelt er und kündigt neue, alte und „sehr sehr alte“ Songs an. Außerdem habe man das englische Wetter mitgebracht. „A­pril weiß nicht was er will“, offeriert Fletcher einen Brocken Deutsch, bevor die Band Fahrt aufnimmt: „Child of the Universe“ – ein BJH-Klassiker. „Wir hatten mit diesen Liedern eine große Zeit“, schwärmt John Lees. Und hat sie noch, wenn man zusieht, wie selig lächelnd Drummer Kevin Whitehead die blauschimmernden transparenten Trommeln bearbeitet – der Schmetterling vibriert auf der Basedrum, als wolle er abheben. Oder dem Keyboarder Jez Smith, der wie ein Magier auf fünf Manualen gleichzeitig jongliert, denen er mal tiefe Flöten, mal brausende Orgel, mal perlendes Piano entlockt. Etwa bei „Galadriel“, einer wunderbaren Ballade, die wie der Schmetterling durchs Kirchenschiff schwebt.

Kevin Whitehead

Kevin Whitehead

Quelle: Regine Buddeke

„Ein sehr altes Lied“, kündigt Fletcher „Poor Wages“ an. „Von wann war das? 1969? Kann nicht sein, da wurde John doch grad erst geboren“, ulkt er weiter. Der singt mit rauer Stimme „Save the children“ – Lees ist stolze 70 Jahre alt. Er steht wie ein Fels auf der Bühne, Herumgezappel ist seine Sache nicht. Allenfalls gehen ihm die Finger an der Gitarre durch. Etwa bei „Crazy City“, dessen markantes Intro an „Smoke on the Water“ denken lässt. Die vier Musiker lassen die Neubauten ordentlich einstürzen – mehr rockig als sakral, bevor es mit „On leave“, einer Ballade von unendlicher Traurigkeit, weitergeht: ein Song des jüngsten Albums „North“. Ein recht neuer Song, doch ganz im alten Geist der Originale: orchestrale Klanggewalt, pompöses Kino. So kennt man es, so lieben es die Fans.

„Es ist toll“, sagt Peter Baude aus Berlin. Allerdings, so erzählt der Fan, habe er „die anderen“ vor ein paar Wochen im Admiralspalast gehört. „Die fand ich noch authentischer. Da war die Musik irgendwie noch sanfter, sakraler, harmonischer“, sinniert der Berliner, der die Originalband in den Neunzigern auch schon gehört hat. John Lees spiele härter. Die Musiker legen nach der Pause noch ordentlich Holz ins Feuer: „Poor man’s moody blues“ ist Kult – und war einst die Antwort auf den Vorwurf, BJH sei „Moody blues“ für Arme. Es verwundert also kaum, wenn im Song ein augenzwinkerndes Zitat aus „Nights in white satin“ zu hören ist.

Stehende Ovationen am Ende

Stehende Ovationen am Ende.

Quelle: Regine Buddeke

Dann noch ein neues Stück – der Titeltrack von „North“ – eine Reminiszenz an Oldham, die Heimat des Musikers: „eine sehr nasser Platz“, so Lees. Aus Jez Smith’ Piano tröpfelt eine sanfte Regenmelodie – bittersüß quillt die Ballade in jeden Winkel. Wie etwas später „Medicin man“ – einer der Marathon-Songs der Originale aus den Siebzigern. „John mag den Song nicht. Fragt immer, wer den geschrieben hat“, sagt Fletcher. „Du warst es selbst“, ruft er Lees zu. Der singt, fast so hoch wie eine Frauenstimme, dem Keyboarder brennen derweil die Finger durch. Das Lied für die Opfer der Berliner Mauer „Memory of the martyrs“ ist der letzte Song. „Ich singe das auch für alle, die flüchten wollten und es nicht taten“, ruft Lees.

„Alles hat ein Ende, nur die Wurscht“, radebrecht Fletcher. Das Publikum sieht das anders, steht auf und applaudiert. Da fehlt schließlich noch was: „Mockingbird“ und „Hymn“ werden zum großartigen Finale eines großartigen Abends.

Von Regine Buddeke

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