Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Jolien erblickte bei Hausgeburt das Licht der Welt

Wittstock Jolien erblickte bei Hausgeburt das Licht der Welt

Der 26. Juni bleibt Georgina Albe und Patrick Zimmermann in Wittstock unvergessen. Die Wehen setzten bei der 28-Jährigen schnell ein. Zu schnell, um ins Krankenhaus nach Neuruppin zu fahren. Die kleine Jolien kam morgens um 5.50 Uhr in der Wohnung ihrer Eltern zur Welt.

Voriger Artikel
Bahn sperrt den Seedamm erst 2020
Nächster Artikel
Ende des Dauerstaus: Kreisel ist fast fertig

Glücklich und zufrieden: Georgina Albe und Patrick Zimmermann mit ihrer kleinen Tochter Jolien.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. „Eigentlich wolle ich nicht zu Hause entbinden“, sagt Georgina Albe. Doch dann kam alles ganz anders. Und obwohl die Dossestadt seit 1972 keine Entbindungsstation mehr hat, kam die kleine Jolien am 26. Juni als echte Wittstockerin zur Welt.

Keine Zeit mehr für die Fahrt ins Krankenhaus

Georgina Albe und ihr Lebensgefährte Patrick Zimmermann stellten schon mit dem Besuch des Geburtsvorbereitungskurses die Weichen für eine gute Entbindung. „Dort wurde uns viel erklärt, und das alles hat mir auch die Angst genommen“, sagt Georgina Albe. Zu ihrer Hebamme Anja Vietz-Hennig baute sie ein Vertrauensverhältnis auf. „Die Chemie stimmt“, sagt Albe. Auch wenn der errechnete Geburtstermin von Jolien erst auf dem 10. Juli lag, äußerten sowohl die Ärztin als auch die Hebamme, dass das Baby bestimmt früher zur Welt kommt. Am Montag, 26. Juni, wachte dann Georgina Albe gegen 3.30 Uhr auf. Zu diesem Zeitpunkt platzte die Fruchtblase. „Ich rief kurz danach bei der Hebamme an, verspürte keine Wehen und legte mich noch mal hin“, sagt die frisch gebackene Mutter. Doch dann setzten die Wehen ein, und die 28-Jährige rief erneut bei Anja Vietz-Hennig an. Die traf dann gegen 4.15 Uhr bei dem Paar ein. „Sie sagte, dass wir die Fahrt ins Krankenhaus in Neuruppin in einer halben Stunden schaffen“, erinnert sich Georgina Albe. Als sie sich dann die Schuhe anzog und gerade losfahren wollten, setzten schon die Presswehen ein. „Ich habe gedacht, dann bleibe ich lieber hier“, sagt sie.

„Mein Freund war zu 100 Prozent dabei“

„Ich hatte gar keine Zeit, mir Gedanken zu machen, denn mein Freund und die Hebamme waren ja hier“, sagt Georgina Albe. Und: „Mein Freund hat mitgeholfen, wirkte überhaupt nicht hektisch oder unsicher, er war zu 100 Prozent dabei.“ Um 5.50 Uhr erblickte dann Jolien das Licht der Welt. Mit 49 Zentimetern Länge und einem Gewicht von 2822 Gramm ist sie ein echtes Leichtgewicht. Auch nach der Entbindung lief für Georgina Albe alles gut ab. „Ich wollte dann auch gar nicht mehr nach Neuruppin und war froh, dass ich liegen bleiben konnte“, sagt sie. Die erste Untersuchung U 1 bescheinigte den jungen Eltern, dass bei Jolien alles in Ordnung ist. „Ich habe das alles tiefenentspannt erlebt“, sagt Patrick Zimmermann. Der 32-Jährige schätzte bei der Hausgeburt die familiäre und gewohnte Umgebung. „Das war entspannter als im Krankenhaus“, sagt er. Jolien ist ein freundliches und ruhiges Kind, schläft viel, meldet im Abstand von drei Stunden ihren Hunger an und wird von ihrem Papa liebevoll Elfe genannt.

Mehr als 7000 Euro für die Haftpflichtversicherung

In diesem Jahr hat die Hebamme Anja Vietz-Hennig bereits acht Kinder in Wittstock bei einer Hausgeburt entbunden; zuletzt erst Anfang dieser Woche. „Bei drei Kindern war das nicht geplant, so auch bei Georgina Albe“, sagt sie. Sie betreut die Schwangeren intensiv und über einen langen Zeitraum der Schwangerschaft. „Ich sehe, wie diese Zeit verläuft und kann dann auf Grund der Erfahrungen auch abwägen, ob alles gut geht“, sagt sie. Und: „Das ist keine Momententscheidung.“ Auf Grund des demografischen Wandels ist in den vergangen Jahren das Netz an Krankenhäusern mit Entbindungsstationen ausgedünnt worden. „50 Kilometer zum Krankenhaus sind eine weite Strecke“, sagt Anja Vietz-Hennig. Sie wünscht sich, dass endlich „das Theater aufhört, Jahr für Jahr um die Rechte und die Versicherung zu kämpfen.“ Allein die Haftpflichtversicherung einer freiberuflichen Hebamme liegt derzeit bei jährlich über 7000 Euro. In diesem Zuge haben schon etliche Hebammen die Segel gestrichen. Anja Vietz-Hennig ist seit 1999 freiberuflich tätig und betreute ursprünglich den Altkreis Wittstock. „Mittlerweile bin ich bis Rheinsberg, Neustadt und Friesack tätig.“ Immer wieder muss sie auch zukünftigen Eltern den Wunsch versagen, sie als Hebamme zu betreuen. Einfach, weil die Zeit fehlt.

Von Christamaria Ruch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg