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Joy Fleming sang in Neuruppin

Große Stimme Joy Fleming sang in Neuruppin

Sie sang 1975 für Deutschland beim Eurovision Song Contest, schmetterte 1991 die Titelmelodie für die TV-Show „Glücksrad“ oder zur Eröffnung des Großen Preises 2005 der Formel 1 auf dem Hockenheimring die Nationalhymne. Kaum eine Sängerin ist mit solch großer Stimme im Jazz, Blues, Soul und Rock unterwegs wie Joy Fleming. Am Sonntag sang sie in Neuruppin.

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Joy Fleming bei ihrem Konzert in der Pfarrkirche.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Joy Fleming ist hart im Nehmen. Seit drei Wochen hat sie Bronchitis. Das hat sie indes nicht davon abgehalten, ihr Publikum am Sonntag in der Neuruppiner Kulturkirche zu beglücken: mit ihrer sagenhaften Stimme, die das Gros der Menschheit auch kerngesund niemals zustande brächte. „Mir könne sie ja net hänge lasse“, versicherte sie im breiten Pfälzer Dialekt und einem breiten Lächeln. Schon wird klar: Die Krankheit hat auch ihrem Hang zum Scherzen keinen Abbruch getan.

„Lass ihn gehen“ – so heißt das erste Lied. „Wenn ich dann in der zweiten Zeile singe: Steh auf und geh – dann nehme Sie das bitte nicht wörtlich“, scherzt die Diva. Die 250 Zuhörer sind weit entfernt davon. Allerdings auch von geballter Euphorie. „Sie müsse schon a bissel klatsche. Sonst fang ich von vorn an. Sie haben Zeit, gell? Müsse sie morgen arbeite?“ Joy Fleming und stellt noch rasch ihren Mann vor: Bruno Masselon begleitet sie am Keyboard. „Mit ihm habe ich es jetzt schon 19 Jahre ausgehalten“, schwärmt die 71-Jährige, die mit bürgerlichem Namen Erna Liebenow heißt, zweimal verheiratet war, vier Kinder und fünf Enkel hat, die sie nachgerade süß findet, wie sie versichert.

Joy Fleming sang einst für Deutschland im Eurovision Song Contest

Schon der erste Titel zeigt, dass Joy Fleming zu Recht als eine der Großen ihres Fachs gilt und von vielen Kritikern als „beste Blues- und Rocksängerin“ bezeichnet wird. Ihre Stimme ist voluminös und wandelhaft – sie reicht von Rockröhre bis whiskykratzig. Sie taucht tief in den süffigen Jazz, verströmt sich im Soul und seufzt in selbstgeschriebenen Balladen. Ob eigene Titel – etwa von ihrem neuen Album „Hart aber fair“ – oder die Kulthits von Kollegen: Sie singt sie mit Leidenschaft. „Fever“ von Eddie Cooley und John Davenport – ein vielgecoverter Song, der sich in Blues, Jazz und Pop gleichermaßen zuhause fühlt – wird zum Testballon für die Taktfestigkeit und Improvisationsfreunde des Publikums. Immer wieder fragt Joy Fleming irritiert nach, warum der Saal so ruhig sei – das ist sie scheinbar nicht gewohnt. „Die, die Geld haben, schnippen jetzt mal“, fordert die Diva und befindet: „Das ist armselig. Da muss ich mir was einfallen lassen.“ Und holt sich Karl-Otto auf die Bühne, den Mann mit weißem Rauschebart. „Schatzi, gib mal die Hand“, schmeichelt sie und streichelt den Prachtbart.

Das Publikum in der Pfarrkirche taut nur langsam auf

Immerhin kommt das quadrophonische Schnippen jetzt halbwegs groovig über die Bühne. Zufrieden ist sie dennoch nicht: „Ich hab gedacht, sie fange jetzt an zu tanze“, sagt sie und versucht es mit einem Witz. Immerhin, Neuruppin kann lachen. Und später – nach dem Elton-John-Song – auch aufstehen, laut klatschen und sogar den Background geben. Für den Titel „Walking by myself“ braucht es auf Flemings „You know“ erst ein chorales „I love you“, später ein „It’s truth“ und schlussendlich ein gekiekstes „Babe“. Das Publikum zeigt sich gelehrig und kichert vergnügt. „Ich wusste, Sie machen da nen Kanon draus“, sagt Joy Fleming und mahnt: „Auch wenn sie in einer Kirche sitzen: Sie solle solle lache und froh sein, dass Sie lebe.“ Und fährt fort mit ihrer ansteckenden Lebensfreude, singt „Mercy me“ und ein selbstgeschriebenes Lied über die Kindheit, die sie gern gehabt hätte. „Wir waren daheim drei Kinder und arm“, erzählt sie. Aber das sei gut, weil man früh lerne, was das Wesentliche ist im Leben. „Das Wichtigste ist Liebe und Gesundheit – der Rest ist Larifari.“ Joy Fleming hat eine Mission. Die wird wohl am deutlichsten in ihrem Lied „Warten“ – ein angejazzter Titel, melancholisch, ein wenig resignativ, aber voller Hoffnung: „Warten, dass die Welt irgendwann in Ordnung geht.“ Für die Zuhörer in der Kirche ist sie das – zumindest solange Joy Fleming singt.

Von Regine Buddeke

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