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Juden und Muslime unterstützen Klostergarten

Lindow Juden und Muslime unterstützen Klostergarten

Die Pläne für die Umgestaltung des Lindower Klostergartens schreiten voran. Klostervorsteher Horst Borgmann verkündete nun, dass die jüdische Gemeinde Oranienburg und die muslimische Gemeinde Potsdam mithelfen möchten. Statt eines Bibelgartens würde ein interreligiöser „Garten der Bücher“ entstehen. Laut Borgmann eine Premiere in Deutschland.

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Im Bereich vor dem Perels-Haus auf dem Gelände des Klosters Lindow soll der interkonfessionelle Garten entstehen.

Quelle: Mischa Karth

Lindow. Horst Borgmann, Vorsitzender des Lindower Klosterstifts, wartete dieser Tage mit Neuigkeiten zum geplanten Bibelgarten auf. So will sowohl die jüdische Gemeinde aus Oranienburg als auch die muslimische Gemeinde aus Potsdam das Projekt unterstützen. Damit werden die Pläne konkreter, wonach nicht nur Pflanzen aus der heiligen Schrift des Christentums, sondern auch solche aus Talmud und Koran in die Erde gebracht werden. Entsprechend läuft das Projekt nun auch nicht mehr unter dem Titel „Bibelgarten“, sondern als ein „Garten der Bücher“.

In unmittelbarer Nähe zum Perels-Haus soll eine knapp 3000 Quadratmeter große Fläche umgestaltet werden, die derzeit überwiegend mit Rasen bepflanzt ist. Die Idee einer Zusammenarbeit zwischen den Religionen war bereits während der Planungsphase aufgekommen (die MAZ berichtete) und Teil des Entwurfs, den die Landschaftsplanerin Susanne Geitz im September vorgestellt hatte. Unlängst suchte Borgmann nun das Gespräch mit der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Oranienburg, Elena Miropolskaja; vergangene Woche war er bei der muslimischen Gemeinde in Potsdam zu Gast – mit positiven Signalen.

Borgmann freut sich über den Zuspruch der anderen Religionen. „Für uns ist das von großer Bedeutung“, sagt Borgmann. „Meines Wissens wäre es der erste interreligiöse Garten in ganz Deutschland. Vielleicht trägt dieses Projekt zur Verständigung bei.“ Es gehe nun darum, weitere Absprachen zu treffen und die Planung zu verfeinern. Eine Idee, so Borgmann, sei es, im Herzen des Gartens einen Apfelbaum zu pflanzen, der für die einzelnen Religion stehe. Zweige unterschiedlicher Sorten könnten aufgepfropft, das heißt nachträglich hinzugefügt werden. „Das wäre ein schönes Symbol dafür, dass wir alle die gleichen Wurzeln haben und sich die Religion sich unterschiedlich entwickelt haben“, sagt Borgmann.

Grundsätzlich sei der Bibelgarten, dessen Kosten sich auf rund 150 000 Euro belaufen sollen, als „förderungswürdig“ anerkannt worden, so der Stiftsvorsteher. Geld soll aus dem europäischen Efre-Programm kommen. „Wir haben mittlerweile den entsprechenden Antrag beim Landesamt für Flurordnung gestellt“, sagt Borgmann. Geht alles glatt, könnte der „Garten der Bücher“ in Lindow Ende 2018 Realität sein.

So lange müssen einige Grabplatten und -kreuze auf dem angrenzenden Klosterfriedhof nicht mehr warten. Sie sollen bereits in Kürze aufgehübscht werden. Hierzu hat das Kloster einen Fördermittelbescheid von der Stiftung Deutsche Denkmalpflege erhalten. In ihrer Zeitung „Monumente“ und im Internet hatte die Stiftung zu Spenden für verschiedene Denkmale – darunter der Lindower Klosterfriedhof – aufgerufen.

Der kleine Friedhof bietet einen wunderbaren Blick über den Wutzsee, zugleich sind die historischen Grabplatten aus Stein und Kreuze aus Metall arg in die Jahre gekommen. Beerdigt wurden an dieser Stelle überwiegend Stiftsdamen, so dass der Friedhof für das Stift wie ein Archiv sei, erklärt Borgmann – das wichtigste Zeugnis der Vergangenheit überdies, denn grundsätzlich seien nur wenige Unterlagen über die Geschichte des ehemaligen Zisterzienser- und späteren Frauenklosters erhalten. „Wer gibt schon Geld für einen Friedhof aus?“, fragt Bormann, doch offenbar gibt es Menschen, denen der Erhalt wichtig ist. Bereits im Sommer konnten ein erstes Kreuz und eine erste Grabplatte in restaurierter Form übernommen werden. Nun sollen ein weiteres Kreuz und zwei Grabplatten folgen. Kostenpunkt: etwa 12 000 Euro.

Von Mischa Karth

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