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Jürgen von der Lippe begeisterte die Fans

Neuruppin Jürgen von der Lippe begeisterte die Fans

Er ist ein Urgestein der deutschen Komiker-Szene: Mit seinem Spaziergang durch die Tiefen und Untiefen der deutschen Sprache brachte Jürgen von der Lippe im ausverkauften Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten zwei Abende lang die Fans förmlich zum Ausrasten. Mit Saxofon und Stimmenimitation, mit trockenen Pointen und freundlichem Lächeln.

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Jürgen von der Lippe macht auf freundliche Art lachen.

Quelle: Buddeke

Neuruppin. Ein kurzer, jodeliger Schrei: Auftritt Tarzan. Ach nein, es ist doch Jürgen von der Lippe. Ganz zivilisiert im Hawaiihemd, seinem Markenzeichen, mit gescheiteltem Haar, verschmitztem Blick hinter der Brille und freundlichem Lächeln. Einen Rundgang durch die deutsche Sprache, so verspricht das Urgestein der deutschen Comedy am Samstagabend dem rappelvollen Stadtgarten, in dem er bereits am Abend zuvor aufgetreten war – auch da vor ausverkauftem Hause und unter jubelndem Beifall.

Das Thema sei doch eher nichts für Tarzan, der ja bekanntermaßen kein großer Redner war. Allerdings: Nicht auszudenken, was aus dem Lianenspringer hätte werden können, wenn er auf Lehramt studiert hätte. So wie er, der brave Jürgen, der „mit der schützenden Hand der Kirche am Genital pubertiert hätte“, so seine bissig-böse Doppeldeutigkeit. Natürlich kann man auch einfach annehmen, dass es schlicht die Sorge um die Sünde gewesen ist, die dem jungen von der Lippe – übrigens ein Künstlername – von verfrühtem Sex abgehalten hätte. Wohl getan – von der Lippe verweist auf Profiboxer Marco Huck, der laut Regenbogenpresse jungfräulich in die Ehe gehen wollte. „Das einzige, wobei mir mein Trainer nicht helfen kann“, soll er geseufzt haben. Für Jürgen von der Lippe eine willkommene Steilvorlage. Genüsslich malt er die Szene des Boxers in seiner Hochzeitsnacht aus, der Trainer in der Schlafzimmer-Ringecke, der ihn anfeuert: „Was, du machst schon in der dritten Runde schlapp? Atmen. Atmen.“ Das Publikum liegt im kollektiven Lachkrampf, Jürgen von der Lippe kann sich ein kleines Kichern ebenfalls nicht verkneifen.

Saxofon spielt er auch

Saxofon spielt er auch.

Quelle: Regine Buddeke

Dann und wann holt der Meister sich „freie Mitarbeiter“ auf die Bühne, die mit ihm heitere Sprachspiele zelebrieren – als Honorar winkt eine Sektflasche. Knifflig wird es nur, wenn Instrumentenkundigkeit gefordert wird: Von der Lippe hat kein Problem mit Gitarre und Saxofon, seine Probanden mühen sich indes sehr mit Triola und Kolbenflöte.

Sprache sei schon etwas sehr Subjektives, hat der Komiker beobachtet: Etwa die Frage: Was ist der Unterschied zwischen Frosch und Bär? Wo der Biologe trocken anmerkt, das eine sei ein Amphibium, das andere ein Säugetier, würde ein Metzger sagen: Am Bär ist mehr dran. Und ein Innenarchitekt: Eine Froschhaut vor dem Kamin komme eher nicht so gut.

Von der Lippe arbeitet sich fröhlich durch die Themen des Universums. Er plaudert über Fußballer, witzelt über Trump, lästert über Heidi Klum – die übrigens nicht sein Typ sei: „Wenn der Augapfel mehr wiegt als der Arsch? Nö.“ Schallende Lachsalven. Mit seinem eigenen Gewicht geht er locker um. Ja, auch unter seinen Muskelbergen lauere eine dünne Fettschicht. „Sixpack im Speckmantel“, ruft er launig, wettert über Digitalwaagen, an denen man nichts drehen kann, und singt mit dem Saal ein fröhliches Sauflied an die Leber. Jürgen von der Lippe hat eine schön unaufgeregte Art, sein Publikum zum Lachen zu animieren: Trocken knallen die Pointen. Überdies ist er ein begnadeter Stimmenimitator: Sein Song über die Tücken des Multitaskings am Steuer ist ein Konglomerat aus ächzendem Grönemeyer, vernuscheltem Lindenberg und stöhnendem Maffay – herrlich.

Was von der Lippe ebenfalls ist: ein begnadeter Wahlkämpfer. Hätte man ihn mal an Martin Schulz gelassen! „So kann man Hoffnungsträger verheizen.“ Bessere Slogans hätte es gebraucht. Von der Lippe mit rauchiger Jahn-Wayne-Stimme: Martin Schulz hat keine Uhr; er bestimmt, wie spät es ist! – Martin Schulz hat die Bauleitung am BER übernommen: Eröffnung ist am Montag um zehn! – Warum sind 99 Prozent der Frauen unbefriedigt? Weil Martin Schulz nicht überall sein kann. – Der Saal tobt.

Von Regine Buddeke

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