Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Jugendkunstschule wird 25 Jahre
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Jugendkunstschule wird 25 Jahre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:19 01.12.2018
Gritt Maruschke leitet die Tanzgruppe in der Jugendkunstschule Neuruppin. Hier bei einer Probe 2011. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Am 30. November 1993 besiegelten es die Stadtverordneten: Der Neuruppiner Schülertreff wurde zur Jugendkunstschule (JKS), erzählt Monika Meichsner, die diese von Anbeginn leitete. Letztes Jahr ging sie in Ruhestand, verschwand jedoch nicht ganz. „Ich unterrichte noch, Gitarre und Keyboard.“

Tanzen, Theater, Keyboard- und Gitarrenkurse, Zeichen-, Malunterricht und mehr – die Angebotspalette der Jugendkunstschule ist breit. Jetzt feiert die Schule ihr 25-jähriges Bestehen.

Das tat sie auch schon im Schülertreff, der wiederum aus dem Pionierhaus hervorgegangen war. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde es geschlossen. Der Nachwuchs verlor seine Anlaufstelle, wogegen Meichsner kämpfte.

„Wir hatten eine große Verantwortung“, sagt die studierte Grundschullehrerin und Theaterpädagogin. „Nach der Wende waren viele Eltern arbeitslos und wir kümmerten uns um deren Kinder. Wir gaben ihnen Raum und ein warmes Mittagessen.“ Einmal pro Woche fuhr die gebürtige Falkenseerin mit ihrem Trabi zum Aldi nach Löwenberg und kaufte neue Vorräte ein.

Plötzlich war die Talenteförderung weg

Beschäftigt waren die Kinder nun, spielten Billard und Tischtennis, manche belegten für wenig Geld im Monat Theater- oder Musikkurse. Jeder konnte im Schülertreff kommen und gehen, wann er wollte. Genau darin sah Monika Meichsner das Problem: „Als die DDR weg war, fehlte plötzlich auch die Talenteförderung. Wir haben geforscht, wie die alten Bundesländern dies handhaben und stießen auf Kunstschulen.“

Die Tanzgruppe der Jugendkunstschule trat zur Fußball-WM auf. Quelle: Peter Geisler

Das konnten sie auch, fanden Meichsner und ihre Kollegen, erstellten ein Konzept für Neuruppin und setzten es durch. „Equipment hatten wir schließlich vom Schülertreff bzw. Pionierhaus, breit gefächert in unserem Angebot waren wir auch.“ 400 Kinder und Jugendliche ließen sich fortan für einen geringen Monatsbetrag ließen sich von Vollblutkünstlerin Meichsner und ihrem Team in Malen, Zeichnen, Basteln, Tanz, Theater, Gitarre und Keyboard unterrichten.

400 Schüler zwischen vier und 80 Jahre

Zu fünft inklusive Honorarkräfte stemmten sie den Alltag an der Kunstschule. „Heute sind wir vier Mitarbeiter und 20 Honorarkräfte“, sagt Alexandra Christ. Die 35-Jährige ist Anfang des Jahres in Meichsners Fußstapfen getreten. Die Schülerzahl ist in etwa die Gleiche wie damals. „Rund 400 Schüler sind derzeit angemeldet zwischen vier und 80 Jahre“, so Christ.

Die Qualifizierung der Dozenten hat im Laufe der Zeit zugenommen, was auch die Qualität der Kunstschule steigert. Alle drei Jahre müssen die Honorarkräfte zu Weiterbildungen, so schreibt es der Gesetzgeber vor, immerhin ist die Neuruppiner Jugendkunstschule eine staatlich anerkannte Institution.

Diese Anerkennung war ein Meilenstein für die Neuruppiner Jugendkunstschule, zählt Monika Meichsner auf. „Die brandenburgischen Amateurtheatertage alle zwei Jahre sind stets ein anderer. Zwölfmal sind wir dort schon aufgetreten, immer hat unsere Theatergruppe gute Kritiken bekommen.“

Große Talente hervorgegangen

Aus der Theatergruppe sind schon namhafte Größen hervorgegangen, die man von Film, Fernsehen und Bühne kennt. So hat Schauspielerin Tina Amon Amonsen als blutige Anfängerin im JKS-Theaterstück „Der Vogelkopp“ brilliert und später am Salzburger Mozarteum studiert. Max Rothbart entdeckte Jahre später das „Theater ohne Bühne“ für sich, eine Theater AG der Jugendkunstschule unter der Leitung von Regisseur Sebastian Eggers, und studierte anschließend an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig.

Die Tanzgruppe der Jugendkunstschule Neuruppin fährt nach Luckenwalde. Quelle: Peter Geisler

Schon mehrmals stand der 28-Jährige, der am Theater Basel engagiert ist, beim Berliner Theatertreffen auf der Bühne. „Egal ob jemand Schauspieler werden möchte oder Erzieher, für einen Teilnehmer bringt es immer etwas, wenn er in der Theatergruppe mitgemacht hat“, so die ehemalige JKS-Leiterin Monika Meichsner. „Das zeugt von Teamgeist.“ Auf Wunsch werden Zertifikate ausgestellt.

Auch die hauseigene Band ist erfolgreich, hat schon an vielen Wettbewerben teilgenommen und CDs herausgebracht. „Sehr groß ist neben dem Theater unser Tanzbereich mit 250 Mitgliedern“, sagt Alexandra Christ. „Wir unterrichten Kinder ab vier Jahre bis zum Abitur-Jahrgang und haben eine Kooperation mit dem Theatersommer Netzeband oder den Fontanefestspielen, wo unsere Tanz-Kompanie auftritt.“

96-Stunden-Aktion vom RBB

Zwischen Oranienburg und Neuruppin gäbe es nichts Vergleichbares wie die Jugendkunstschule Neuruppin, so Christ. „Zehn Prozent unserer Schüler kommen nicht mal aus dem eigenen Landkreis.“ Mit Fördermitteln vom brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur wird die Kunstschule Neuruppin unterstützt.

Im Alter von 14 Jahren hat Andreas Hoesl in den Schulferien das erste Mal im Fischzuchbetrieb in Zippelsförde gearbeitet. Das hat ihm so viel Spaß bereitet, dass er zwei Jahre später dort seine Lehre begann, an die sich wenig später die Meisterschule anschloss. Seitdem ist er, inzwischen 55 Jahre alt, als Fischwirtschaftsmeister und heutiger Geschäftsführer der Fischzucht Zippelsförde tätig. Das ist sein Traumjob, wie Andreas Hoesl sagt. Er kümmert sich um die Aufzucht von Stören, Saiblingen, Welsen, Forellen, Lachsforellen und Karpfen, räuchert und verkauft den Fisch, betreut die Angelteiche und um den ganzen Papierkram, der zu erledigen ist. Da sind die Arbeitstage oft lang, dass viel zu selten Zeit für sein Hobby als Angler bleibt. Quelle: Peter Geisler

Doch nicht nur von Landesebene gibt es Hilfe, auch vor der eigenen Haustür gab es diese schon. Damals als das RBB-Team von „96 Stunden“, das bei sozialen Projekten unter die Arme greift, zum Umzug ans Rheinsberger Tor mit anpackte. „Die Aktion hat uns gezeigt, welchen Stellenwert die Kunstschule in der Region hat. Hiesige Betriebe haben geholfen. Jeder brachte es vorbei, Türen, Telefon. Die ganze Aktion basierte ja auf Spenden.“

Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Kräfteraubend waren für Meichsner die Gebührenanhebungen der Stadt: „Dagegen gab es Demonstrationen, die immerhin dazu führten, dass ein Monat in den Sommerferien geführenfrei wurde.“ – „Mittlerweile sind es sogar zwei“, ergänzt Alexandra Christ.

Kunstschule für jedes Kind

„An der Jugendkunstschule sollen alle Kinder abgeholt werden. Wer sich die Kosten nicht leisten kann, kann Unterstützung bei unserem Förderverein beantragen.“ Dieser wurde fünf Jahre nach Bestehen der Schule von engagierten Eltern gegründet, da Meichsner und ihre wenigen Kollegen neben Unterricht und Verwaltung nicht mehr mit dem Organisieren von Hof- oder Sommerfesten nachkamen.

Vieles war ein Kampf, auch das ständige Umziehen. Oft wurde improvisiert, sei es beim Möbelschleppen oder gar beim Unterrichten. „Als wir ins Alte Gymnasium ziehen sollten, wurde es gerade improvisiert. Ich weiß noch, dass unser erstes Theatertreffen auf dem Dachboden der Bibliothek stattfand.“

In den Ferien bietet die Jugendkunstschule besondere Programme an. Zusammen mit Kursleiterin Franziska Kriebisch (3. von re.) stellten Pia, Vivien, Lias, Paula, Hannah (von links) Naturkosmetik her. Quelle: Peter Geisler

In den vergangen 25 Jahren hat sich viel getan und die Jugendkunstschule hat allen Grund zu feiern. Das Jubiläum dauert das kommende Jahr an. „Wir hängen uns damit ans Fontanejahr an“, verrät Christ.

Sechs Wochen-Aktion im Ex-Kaufhaus

„Ab 11. Mai bespielen wir für sechs Wochen das ehemalige Magnet-Kaufhaus mit einer Ausstellung zu Fontane und seinen Lebenswelten.“ Bunt, schrill, knallig wird es auf 500 Quadratmetern. „Alle Kursteilnehmer machen mit. Es wird Tanzauftritte inmitten der Fontanewelten geben, Theater, Musik.“

Eingeläutet wird das Jubiläum am Donnerstag, 28. November, zum Stadtfest „Licht an!“. Interessierte sind herzlich ins Foyer im Alten Gymnasium eingeladen. Tanz- und Theateraufführungen locken, Gitarrenmusik und ein Weihnachtsrockkonzert. Auf dem Schulplatz steht der Förderverein der Schule mit Waffeln und Kinderpunsch. Ganz passend, wenn um 17 Uhr gemeinsam die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet werden, die symbolisch für die Geburtstagslichter der Kunstschule stehen.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

Er ist Stadtverordneter in Neuruppin und will sich im Mai um einen Sitz im Kreistag bewerben. Jetzt hat Die Linke Ronny Kretschmer auch als Direktkandidat für die Landtagswahl 2019 im Altkreis Neuruppin aufgestellt.

27.11.2018
Ostprignitz-Ruppin Ausgehtipps fürs Wochenende in Ostprignitz-Ruppin - Schmuckschau, Indoor-Spielplatz, Tanzpartys

Haben Sie am Wochenende schon was vor? Wenn nicht, findet sich hier sicher das Passende – im Veranstaltungsprogramm für Ostprignitz-Ruppin von Freitag, 23. November, bis Sonntag, 25. November.

23.11.2018

Es ist geschafft: In den Kreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel hat die regionale Planungsgemeinschaft am Mittwochabend einen neuen Plan verabschiedet, wodurch in 34 Gebieten Windräder errichtet werden dürfen. Irritationen gibt es über ein Datenleck.

24.11.2018