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Jugendliche Tankstellenräuber vor Gericht

Verhandlung in Neuruppin Jugendliche Tankstellenräuber vor Gericht

Vermummt und bewaffnet haben vier Männer im April eine Tankstelle in Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin). Jetzt stehen die Täter vor Gericht. Der jüngste ist gerade einmal 15 Jahre alt. Die Idee zum Überfall hatte ein 16-Jähriger. Er ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Richterin schob bei der Verhandlung der Taktik der Verteidigung einen Riegel vor.

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Die abgebrannte Tankstelle wird wieder aufgebaut.

Quelle: Björn Wagener

Liebenthal. Noch heute fängt Kornelia M. an zu weinen, als sie vor Gericht über das berichtete, was ihr und ihrer Kollegin am Ostersamstag passierte. Die beiden Frauen arbeiten in der Agip-Tankstelle in Liebenthal, einem Ortsteil von Heiligengrabe, und wurden dort am 4. April gegen 21.45 Uhr von zwei maskierten Personen überfallen.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung müssen sich seit Mittwoch vier junge Männer im Alter von 15 bis 26 Jahren vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Bis auf den 26-Jährigen gehören sie eigentlich auf die Schul- und nicht auf die Anklagebank. Doch, was ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft, ist kein Pappenstiel. Demnach war der 16-Jährige derjenige, der die Idee hatte, die Tankstelle zu überfallen und diesen Plan auch durchzog. Tankstellenmitarbeiterin T. hatte gerade die Nachtschicht angetreten und erzählte noch mit ihrer Kollegin, als zwei mit Strickmützen maskierte Personen den Container betraten. „Einer hielt die Tür auf, der andere bedrohte mich mit einer Waffe und forderte Geld.“ Wie sie Mittwoch sagte, hielt sie die Waffe für echt. Es handelte sich allerdings um eine Softairpistole. Da sie erst zwei Kunden abkassiert hatte, hatte sie nur einen Kassenbestand von etwas über 500 Euro, hauptsächlich Münzen. „Er hielt die Waffe genau auf mich“, erinnerte sie sich. Der Täter verlangte außerdem Zigaretten. „Er war total aggressiv“, sagte Kornelia M. Mit der Beute flohen die beiden. Laut Anklage soll der 17-Jährige auf der anderen Straßenseite Schmiere gestanden und der 26-Jährige das Fluchtfahrzeug gefahren haben.

16-Jähriger überfiel noch eine Tankstelle in Wittstock

Offensichtlich vom Erfolg beflügelt, versuchte der 16-Jährige am 19. Juni erneut sein Glück, diesmal bei einer Tankstelle in Wittstock. Dort erbeutete er rund 100 Euro und etwa 40 Packungen Zigaretten. „Es vergeht kein Tag, an dem man nicht an den Überfall denkt“, sagte Carola L. vor Gericht. Sie hat sich in psychologische Behandlung begeben, Kornelia M. war drei Wochen krank geschrieben.

Die drei Jugendlichen haben sich bei ihren Opfern schriftlich entschuldigt. „Dafür gibt es keine Entschuldigung“, sagte Frau T. Mittwoch. Der 16-Jährige beteuerte, dass er sich schäme, er bei den Taten unter Drogen gestanden habe.

Die vier Angeklagten wurden im Juli festgenommen. Drei Wochen saß der 26-Jährige in Untersuchungshaft. Die drei Jugendlichen dagegen sind zurzeit in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht.

Die Verteidigung regte an, über mögliche Strafen zu sprechen – ohne Zuhörer. „Die Kammer hält nichts von Absprachen hinter verschlossenen Türen“, sagte Richterin Sandra Marks. Die gegenseitigen Positionen wurden öffentlich abgeklopft. Für die Verteidiger stand im Vordergrund, dass ihre Mandanten nicht hinter Gitter müssen, mögliche Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden. Der 15-Jährige ist anders als die anderen noch nicht straffällig in Erscheinung getreten. Er wie auch der 17-Jährige wollen wieder nach Hause, ein Wunsch, den die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe unterstützte.

Mittwoch wird gestanden

Das Gericht unterbreitete folgende Vorschläge, mit denen sich alle einverstanden erklärten: Die beiden 15- und 17-Jährigen können mit Jugendstrafen von mindestens sechs Monaten und höchstens anderthalb Jahren rechnen, ausgesetzt zur Bewährung. Der zweifache Täter kann eine Jugendstrafe von anderthalb bis zwei Jahren erwarten. Die Bewährung ist bei ihm daran geknüpft, dass er sich unter anderem zur Behandlung seiner Drogenproblematik in eine therapeutische Einrichtung begibt. „Wenn so eine Therapiemöglichkeit besteht, ist das besser, als ihn ins Gefängnis zu schicken“, sagte Staatsanwalt Klement. Für den 26-jährigen stehen ein bis zwei Jahre, ebenfalls zur Bewährung im Raum. Voraussetzung bei allen ist, dass sie ein umfassendes Geständnis ablegen. Das wollen sie am Mittwoch machen.

Von Dagmar Simons

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