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Jugendliche sprachen über Alltagsrassismus

Flecken Zechlin Jugendliche sprachen über Alltagsrassismus

Er fängt mit einer dummen Bemerkung über die Hautfarbe an und endet schlimmstenfalls mit einem tätlichen Angriff auf Migranten – Rassismus ist auch in Wittstock ein alltägliches Problem. Das stellten junge Wittstocker und Flüchtlinge bei der 17. Demokratiewerkstatt am Wochenende fest. Dabei besprachen sie auch Strategien, wie sie den Vorurteilen begegnen können.

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Jan Lipke (r.) berichtete über die Gruppenarbeit zum Thema Rassismus in Wittstock. Die Gruppe hatte dazu eine Stadtkarte erstellt.

Quelle: Christian Bark

Flecken Zechlin. Seit diesem Jahr nehmen regelmäßig junge Flüchtlinge aus der Wittstocker Clearingstelle im B3 Center an den Demokratiewerkstätten in Flecken Zechlin teil. Während der viermal im Jahr stattfindenden Blockveranstaltungen beschäftigen sich Jugendliche aus der Region mit Lokalpolitik, Jugendbeteiligung und anderen Projekten – so auch wieder am vergangenen Wochenende. Insgesamt nahmen zehn Jugendliche aus der Clearingstelle daran teil.

„Diesmal haben wir ein Thema gesucht, bei dem auch die Jungs aus dem B3 Center ihre Erfahrungen austauschen können“, sagte Jugendsozialarbeiterin Uta Lauterbach, die die Demokratiewerkstatt mit organisiert.

Von den am Wochenende tüftelnden vier Arbeitsgruppen beschäftigte sich eine mit dem Thema „Rassismus“. Die Gruppe klärte zunächst, was denn Rassismus überhaupt bedeuten kann. Ist man schon rassistisch, wenn man über einen rassistischen Witz lacht?, fragten sich die Gruppenmitglieder.

Auf einer Pressekonferenz beantworteten die Projektgruppen Fragen ihrer Mitstreiter

Auf einer Pressekonferenz beantworteten die Projektgruppen Fragen ihrer Mitstreiter.

Quelle: Christian Bark

„Dabei lacht man ja meist nicht über den Menschen an sich, eher stehen Stereotype, übertriebene Eigenschaften bestimmter Volksgruppen dabei im Vordergrund“, erklärte Stephanie Nehring, die als Betreuerin in der Clearingstelle arbeitet. „Ich finde es nicht schlimm, darüber zu lachen“, sagte der 16-jährige Jan Lipke. Wenn man aber merken sollte, dass man damit eine Person direkt beleidigt, sollte zumindest eine Entschuldigung drin sein. Immerhin sei das Lachen aber oft nicht böse gemeint.

Schockiert war Jan Lipke jedoch über das, was er aus dem Alltag der jungen Flüchtlinge erfuhr. Von rassistischen Sprüchen oder Pöbeleien auf der Straße bis hin zu tätlichen Angriffen. „Ich habe immer gedacht, sowas gibt es nur in Großstädten“, sagte der 16-Jährige.

Stephanie Nehring hatte schon einige solcher Vorfälle mitbekommen, wie sie berichtete. Neben fremdenfeindlichen Graffiti an der Hauswand der Clearingstelle gebe es die alltäglichen herablassenden Blicke der Bevölkerung gegenüber den Jugendlichen, die zumeist aus Afrika und Asien stammen.

Die Werkstatt für Demokratie

Seit 2013 gibt es die Demokratiewerkstatt. Sie findet viermal im Jahr als Blockveranstaltung an einem Wochenende statt.

Unterkunft und Seminarräume gibt es in der Bildungsstätte des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Flecken Zechlin. Ab und an gibt es aber auch Exkursionen in der Region oder außerordentliche Treffen.




, vornehmlich aus dem Raum Wittstock, nehmen regelmäßig an den Workshops teil. Die Altersbegrenzung liegt zwischen 10 und 26 Jahren.

Im Erfahrungsaustausch erstellten die Gruppenmitglieder eine Karte der Stadt Wittstock und kennzeichneten die Orte, an denen es zu rassistischen Übergriffen und Pöbeleien gekommen sein soll. So sei am Kaufland eine Frau wegen eines antirassistischen Statements tätlich von einer Gruppe angegriffen worden. Am Dosseteich sollen junge Flüchtlinge zunächst angepöbelt und dann mit Flaschen beworfen worden sein. „Daraufhin haben wir die Polizei eingeschaltet“, berichtete Stephanie Nehring.

Wie Jan Lipke in der Präsentation der Gruppenarbeit aber feststellte, seien diese Fälle oder rechte Aufmärsche eher die Ausnahme. Wichtiger sei das Wirken gegen den kleinen Rassismus im Alltag. „Wir müssen schon in der Schule ansetzen, dass Migrantenkinder nicht ausgegrenzt werden“, sagte der 16-Jährige. Aufklärung und direkte Gespräche wie bei der Demokratiewerkstatt seien die besten Mittel gegen Rassismus. Die Collage und erarbeiteten Themen sollen laut Uta Lauterbach als Basis für weitere Gruppenarbeiten der kommenden Demokratiewerkstätten dienen.

Von Christian Bark

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