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Junge Kräfte für alte Häuser

Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz packt in Hohenofen an Junge Kräfte für alte Häuser

Seit 2003 gibt es die Jugendbauhütte in Brandenburg. Sie ermöglicht jungen Leuten nicht nur berufliche Einblicke in die Zimmerei, sondern in "alles, was beim Bauen eine Rolle spielt", sagt der Leiter der Einrichtung, Bernd Henning. In der vergangenen Woche waren die jungen Handwerker in Hohenofen im Einsatz.

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Zimmerermeister Markus Schmelzer (r.) zeigt den Einsatz der Säge.

Quelle: Alexander Beckmann

Hohenofen. Wie Profis sahen die Leute keineswegs aus, die in der vergangenen Woche in Hohenofen bei Neustadt hämmerten, sägten und schraubten. Aber wie Spaß wirkte ihr Einsatz an dem Fachwerkhaus gleich neben der Papierfabrik nun auch wieder nicht: Werkzeug war da, Material war da und es saß auch keiner einfach nur rum. Markus Schmelzer kann das Rätsel lösen, denn der Zimmerermeister betreute die Gruppe von vier 18- bis 20-Jährigen in Hohenofen. Sie alle absolvieren in der Jugendbauhütte Brandenburg-Berlin ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege. Untergebracht sind die jungen Leute in Heiligengrabe, wo die Jugendbauhütte ein Seminarzentrum samt Unterkünften betreibt. Von dort aus sind die Freiwilligen in weitem Umkreis im Einsatz - wie an dem seit Jahren leerstehenden Haus in Hohenofen.

"Es geht darum, dass die Feuchtigkeit nicht weiter vordringt und die Zerstörung fortsetzt", erklärt Markus Schmelzer den Zweck des Einsatzes. Immerhin ist das Haus älter als die benachbarte Papierfabrik, die als Technisches Denkmal gilt. Mit Leisten und Schrauben sichern die Freiwilligen die Plane auf dem Dach. Holzbalken stützen im Inneren die baufällige Decke und den Dachstuhl. Zusammen mit seinen Schützlingen sägt der 30-jährige Handwerker einen alten, aber noch brauchbaren Eichenbalken zurecht, um ein verrottetes Holzteil des Fachwerkes zu ersetzen.

"Wir sind keine Firma, die hier ratzfatz was fertigstellt", sagt Schmelzer. Aber die Teilnehmer der Jugendbauhütte erhalten berufliche Einblicke. "Wir gucken uns die Objekte immer erst mal an und besprechen, was sich machen lässt." Markus Schmelzer versucht dabei etwas Grundwissen zu vermitteln, wie "Fachwerk ist eigentlich eine der ersten industriellen Bauweisen für Häuser". Ansonsten zählen praktische Fragen: Wie bewertet man den Zustand des Holzes? Wie macht man sich einen Plan? Welches Werkzeug ist vonnöten? Und ganz wichtig: Wie läuft die Arbeit im Team? "Es geht auch um soziale Aspekte", betont der Gruppenleiter.

Der Einsatz in Hohenofen ist nur ein Intermezzo. Nach drei Tagen zieht der Trupp weiter zur nächsten Baustelle. Stets gelten klare materielle Grenzen. Das Material stammt vor allem aus Spenden. Das klappt auch in Hohenofen: "Der Nachbar hat angeboten, dass wir uns bei ihm ein Gerüst leihen können", sagt Schmelzer.

Seit 2003 gibt es die Jugendbauhütte in Brandenburg. Sie ermöglicht jungen Leuten nicht nur berufliche Einblicke in die Zimmerei, sondern in "alles, was beim Bauen eine Rolle spielt", sagt der Leiter der Einrichtung, Bernd Henning. Er nennt Stuck, Malerarbeiten und Glaserei als weitere Beispiele. "Unsere Einsatzstellen sind Häuser, um die sich keiner mehr kümmert oder für die keiner Geld hat." Die Notdächer auf der alten Brauerei in Plänitz oder auf dem Torhaus in Drewen stammen von der Jugendbauhütte. Ihre Leute haben auch die Apsis der Wernikower Kirche neu gedeckt und die Dachziegel dazu selbst in einer Ziegelei angefertigt. In den Kirchen von Klein Linde bei Perleberg oder Darsikow bei Walsleben waren sie ebenso zugange wie an Dach und Kanzel der Kirche von Kuhbier oder an der alten Schmiede in Weisen.

Immer geht es um den Erhalt historischer Substanz. "Das wird natürlich fachlich begleitet", sagt Bernd Henning - zum einen von Denkmalschutzbehörden, zum anderen von vielen Fachleuten. Gestandene Handwerker übernehmen die Rolle der Anleiter für die jungen Freiwilligen. Oft handelt es sich um Ruheständler, die für eine kleine Entschädigung wertvolle Arbeit leisten und Wissen weitergeben. "Unsere älteste Unterstützerin ist 94", berichtet Henning. "Sie ist Webmeisterin und leitet immer noch Seminare."

Von Alexander Beckmann

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