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Ostprignitz-Ruppin Junge Landwirte gehen neue Wege
Lokales Ostprignitz-Ruppin Junge Landwirte gehen neue Wege
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02:16 18.11.2015
Frank Porten mit einer Zugkuh bei der Arbeit. Quelle: Cornelia Felsch
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Pabstthum

Die große, unter Denkmalschutz stehende Scheune an der Dorfstraße, die durch den kleinen Ort Pabstthum bei Neuruppin führt, ist nicht zu übersehen. Etwas versteckt dahinter wirtschaften seit dem vergangenen Jahr fünf junge Leute in einer Hofgemeinschaft. Noch stehen sie mit ihrem Konzept ganz am Anfang, doch ihre Ziele sind klar: Ein selbst verantwortliches Arbeiten, eine humane Tierhaltung, eine ökologische, nachhaltige Bewirtschaftung.

Auf der deutschlandweiten Suche nach einem Hof, auf dem sie selbstbestimmt leben und arbeiten können, wurden sie schließlich in Brandenburg fündig. Nach zweijähriger Suche entdeckten sie den Hof in Pabstthum. Sie überlegten nicht lange und kauften das Anwesen, zu dem 23 Hektar Land gehörten. Vor allem die Nähe zu Berlin überzeugte sie. „Innerhalb von einer Woche war die Kaufentscheidung gefallen“, erzählt Ökolandwirt Frank Porten, der bereits vor zehn Jahren aus dem Rheinland in die Mark Brandenburg kam. Nachdem er sich einige Jahre mit der internationalen Agrarentwicklung, unter anderem in der Mongolei, beschäftigte, fasste er den Entschluss, in die praktische Landwirtschaft einzusteigen. Auf einem Spreewälder Ziegenhof, der Bestandteil der ökologischen Höfegemeinschaft Gut Ogrosen war, standen ihm nun 80 Milchziegen zur Seite. In der hofeigenen Käserei wurde Ziegen-, Schaf- und Kuhmilch verarbeitet. Vermarktet wurde der Käse vorwiegend in Berlin.

Maxi und Maja Rose hüten die Ziegen. Quelle: Cornelia Felsch

Eine kleine Käserei soll es künftig auch in Pabstthum geben. Sieben Ziegen und zwei Milchkühe sind bereits vorhanden. Fünf tragende Schafe sollen demnächst hinzukommen; um sie wird sich Maxi kümmern, die auch bereits auf dem Gut Ogrosen als Schäferin arbeitete. Pensionspferde sind ein weiteres Standbein der Hofgemeinschaft. Acht Pferde grasen bereits auf der Weide. „Wir haben aber noch viel Platz“, sagt Maja Rose, die ebenfalls ökologische Landwirtschaft studiert hat. Nach einer intensiven kreativen Phase, in der sie Regie studierte und sich als Videoproduzentin betätigte, arbeitete sie in Berlin mit Arbeitslosen und psychisch kranken Menschen. Auch in Pabstthum finden jetzt Selbsterfahrungskurse statt, denn die neuen Hofeigentümer haben sich der Permakultur verschrieben, einem Konzept, das dauerhafte, nachhaltige Kreisläufe schaffen möchte, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Gestaltung der Lebensräume und im Zusammenleben der Menschen. Verkrampftes Schubladendenken ist bei der Hofgemeinschaft nicht angesagt. „Wir wollen miteinander und mit den hier lebenden Menschen ins Gespräch kommen und keine Fronten aufbauen“, sagt Frank Porten. Und so leben in Pabstthum nun auch Fleischgenießer und Veganer unter einem Dach.

Ulrike Lehmann serviert vegane Süßspeisen. Quelle: Cornelia Felsch

Ulrike Lehmann ist auf dem Auenhof die Frau für kulinarische Köstlichkeiten. Die Ergotherapeutin, die sich auf vegane Biogourmet-Ernährung spezialisiert hat, ist seit Anfang des Jahres selbstständig. Ihr veganer Catering-Service „Knack.frisch“ zeichnet sich vor allem durch ihre Leidenschaft für die junge vegane Küche aus. Außergewöhnliche, gesunde Fastfoot-Varianten wie „Knollenrollen“ kommen bei ihr auf den Tisch. Die Couscous-Kroketten enthalten Kartoffeln und Rote Beete vom Pabstthumer Acker, den alle gemeinschaftlich bewirtschaften. Ihre Leckereien bietet sie auch demnächst wieder auf dem Weihnachtsmarkt der Domäne Dahlem an. Das vegane 6-Gänge-Menü, das die Fachfrau für Bio-Gourmet-Ernährung am kommenden Freitag im Neuruppiner Bio-Konsum präsentiert, ist bereits ausgebucht.

Für das gute Gedeihen des Bio-Gemüses ist unter anderem Daniel Kling zuständig. Der Allgäuer Öko-Agrarbetriebswirt kümmert sich um die Erhaltung der genetischen Obst-Vielfalt, bietet aber auch Dienstleistungen für Gartenarbeiten wie Baumpflege, Veredelung und Fällarbeiten an. Um herauszufinden, welche der 40 Obstsorten, die er bereits gepflanzt hat, auch in Brandenburg gut gedeihen, hat er einen Muttergarten angelegt. Schwere Transportarbeiten in Hof und Garten erledigen die Landwirte gemeinsam mit ihren Tieren. Die zwei Kühe arbeiten dann als Zugrinder. Wie das funktioniert, erfahren Interessierte im Mai des kommenden Jahres. Dann findet in Pabstthum ein Zugrinderseminar statt. Die fünf Neu-Pabstthumer sehen sich als Kooperationspartner, sie unterstützen sich gegenseitig. „Jeder sucht sich die Arbeit, die ihm am leichtesten fällt“, sagt Frank Porten. Auch wenn noch nicht alles so funktioniert wie geplant, sind die fünf optimistisch. „Wir sind ja erst ein knappes Jahr hier. Auch in Ogrosen war es am Anfang recht zäh, es braucht eben Zeit zum Wachsen“, sagt Maxi. Kontakte zu Nachbarn und Landwirtschaftskollegen sind bereits geknüpft. Ein Radenslebener hat sich schon danach erkundigt, ob das Auenhof-Team auch Frischmilch verkauft. „Die Menschen sind offen, freundlich und sehr angenehm“, sagt Maja Rose.

Von Cornelia Felsch

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