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Ostprignitz-Ruppin Junge Leute schlagen Wurzeln
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12:25 08.02.2017
Bekennende Freyensteiner: Björn Hildebrandt, Antonia und Daniel Buchwald mit Charlotte sowie Verena Finke und Martin Merten (v.l.) Quelle: Christamaria Ruch
Freyenstein

Bis 2014 machte Daniel Buchwald einen Bogen um Freyenstein: „Höchstens mal zum Reiterball war ich hier.“ Dann entdeckte er das Hausangebot, ohne zu wissen, dass sich das Objekt in Freyenstein befindet. „Ich habe erst mal komisch geguckt. Doch wir haben uns auf Anhieb in das Haus mit Wassergrundstück verliebt“, sagt der 35-Jährige. Innerhalb von wenigen Wochen packte er mit seiner Freundin Antonia und Tochter Paula die Koffer in Jabel, zog um und machte kurze Zeit später Nägel mit Köpfen: Das Paar heiratete – natürlich im historischen Gemäuer von Freyenstein. Mittlerweile gehört die zweijährige Charlotte ebenfalls zur Familie.

Markstraße 18: Verena Finke und Martin Merten sanierten das Haus fast zwei Jahre. Quelle: Christamaria Ruch

Auch wenn Freyenstein in den vergangenen Jahren vor allem durch Abwanderung, Verlust von Infrastruktur und leeren Immobilien auffiel, bekennen sich junge Leute bewusst zu ihrer Heimat oder entdecken eben die Stadt neu für sich. Die 22-jährige Verena Finke und ihr drei Jahre älterer Freund Martin Merten können sich ein Leben woanders nicht vorstellen.

Paare wie Julia Kanzler und Björn Hildebrandt sind Heimkehrer, Jennifer Witte kehrte nach Jahren in Lübeck zurück – mit ihrem aus Lübeck stammenden Mann Oliver. „Acht bis neun junge Paare haben sich in den letzten Jahren hier zum Hauskauf entschieden“, sagt Björn Hildebrandt.

„Ich habe nie vorgehabt, wegzugehen“, sagt Martin Merten. Der 25-Jährige gelernte Metallbauer arbeitet in Mecklenburg, aber ist in Freyenstein tief verwurzelt. „Aus meinem Schuljahrgang sind fast alle hier geblieben“, so Merten. „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Mit Blick auf Familie Buchwald meint er: „Schön, wenn Neue dazu kommen.“ Seit gut acht Jahren ist er mit Verena Finke zusammen; auch sie schwört „auf den Zusammenhalt im Ort.“ Nach dem Abitur 2012 absolvierte Verena Finke eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei einer Krankenkasse in Neuruppin. Mittlerweile ist sie dort fest angestellt. „Wir hatten geplant, irgendwann ein Haus in Freyenstein zu kaufen“, sagt sie.

Winteridylle: Egal wo sich die jungen Leute in Freyenstein bewegen, hängen Kindheitserinnerungen dran. Quelle: Christamaria Ruch

Als sie vor zwei Jahren das Angebot in der Marktstraße 18 entdeckte, ging alles ganz schnell. Kaum mit der Ausbildung fertig, unterschrieb sie mit ihrem Freund Martin den Notarvertrag. Dann packte das Paar an: Neben Handwerkerfirmen verbrachte es viel Freizeit auf der Baustelle. Nach Feierabend und am Wochenende nahm das Haus schrittweise neue Gestalt an. „Gut zehn Freunde und Menschen aus der Familie haben uns dabei geholfen“, sagen Verena Finke und Martin Merten.

Am ersten Advent vergangenen Jahres zog das Paar in das neue und 180 Quadratmeter große Zuhause. „Ich muss mich nicht verteidigen, wenn ich von Freyenstein als Wohnort spreche“, so Verena Finke. Nur als sie ihren Arbeitskollegen vom Hauskauf erzählte, empfahlen sie ihr anstelle Freyenstein lieber Neuruppin. „Das kam nicht in Frage, denn das wäre logistisch für meinen Freund schwierig“, sagt sie.

„Wenn ich erzähle, dass wir in Freyenstein wohnen, rümpfen andere die Nase“, sagt Daniel Buchwald. Doch der 35-Jährige hat in diesem Fall gute Argumente parat: „Die Kita ist vor Ort, die Anbindung zur Autobahn ist da und alles andere ist dicht bei.“ Seine Frau Antonia arbeitet als Heilpädagogin im Pritzwalker Ortsteil Giesensdorf. Er ist beruflich selbstständig und als Dienstleister im Handwerksbereich bundesweit unterwegs. Nach eigener Aussage ist Daniel Buchwald „kulturell nicht angehaucht“, das Schloss, den Archäopark und anderes Historisches in Freyenstein kannte er bis zu seinem Umzug gar nicht. Ein Hausbau kam für ihn nie in Frage: „All diese Konflikte wollte ich vermeiden, denn dabei bleibt die Familie auf der Strecke.“

In Süddeutschland nicht heimisch geworden

Der 36-jährige Björn Hildebrandt knüpft an eine Familientradition an. Schon im Landreiterbericht 1652 taucht die Familie in Freyenstein auf. Als Sportwissenschaftler arbeitete Björn Hildebrandt einige Zeit in Süddeutschland. Dort konnte er keine Beziehung zum Ort aufbauen. „Heimat ist Heimat und egal wo ich in Freyenstein unterwegs bin, habe ich immer Kindheitserinnerungen“, sagt er. Nach seiner Rückkehr absolvierte er noch eine Kochausbildung und steht seitdem im elterlichen „Hirschhof“ am Herd. „Der Hof läuft, meine Eltern arbeiten noch viel und später übernehme ich das eventuell“, sagt er. Im Gegensatz zu Verena Finke und Martin Merten ist er aus seinem Schuljahrgang so ziemlich der einzige Rückkehrer. Mit seiner Freundin Julia Kanzler bezog er kürzlich ein umgebautes Haus im Ort. Die einjährige Tochter Valerie besucht die Kita in Freyenstein. „Meine Erzieherin von damals betreut heute unsere Tochter“, sagt Björn Hildebrandt.

Von Christamaria Ruch

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