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Jungstörche im Anmarsch

Linum/Rühstädt Jungstörche im Anmarsch

Noch ist unklar, wie viele Jungstörche in diesem Jahr in den Storchdörfern Linum und Rühstädt flügge werden. Klar ist aber, dass die Vogeleltern es nicht einfach haben, wenn sie ihren Nachwuchs durchbringen wollen.

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Der Babybote Adebar geht mit seinem eigenen Nachwuchs nicht immer zimperlich um. Wenn sich Probleme abzeichnen, dann wird auch mal zu rabiaten Methoden im Nest gegriffen.

Quelle: Gabbert

Linum/Rühstädt. Die Regengüsse am Pfingstwochenende waren verhängnisvoll. Gleich drei von vier Storchküken auf dem Horst der Linumer Storchenschmiede haben das viele Nass nicht überlebt, erzählt Marion Szindlowski. Eines war danach einfach verschwunden. Die Leiterin des Naturschutzzentrums vermutet, dass die Eltern das geschwächte oder tote Jungtier verschlungen haben, wie es in einer solchen Situation öfter vorkommt. Die zwei anderen Storchenkinder hingen leblos über dem Nestrand. „Und auch das noch übrig gebliebene Küken hat ziemlich läppisch ausgesehen.“ Das Atmen fiel dem Vogel schwer, er rührte sich kaum noch. Seit Mitte der Woche bewegt sich der Jungstorch aber wieder mehr, scheint sich von der Unterkühlung erholt zu haben. Das kann die Nabu-Mitarbeiterin so genau sagen, weil es auf dem Dach der Storchenschmiede eine Kamera gibt, über die sie die Kinderstube der Vögel live mitverfolgen kann.

Wie es hingegen in den anderen Linumer Horsten aussieht, wie viele Störche dort geschlüpft sind und wie viele von ihnen den Regen überlebt haben, ist im Moment noch schwer zu sagen. „Auf dem Horst der Naturschutzstation Rhinluch kann man drei Köpfchen von drei Küken sehen, alle anderen sind noch zu lütt, um über dem Horstrand gesehen zu werden“, erklärt Marion Szindlowski. Wie die Jungstorchausbeute dieses Jahr voraussichtlich sein wird, könne man ohnehin erst bei der Beringung Ende Juni sagen. Denn erst dann sind die Kleinen aus dem Gröbsten raus: Die Gefahr, dass noch eines stirbt niedriger.

13 von insgesamt 16 Nestern in Linum besetzt

Der sich in Linum abzeichnende Trend sieht aber gut aus. Während im vergangenem Jahr nur auf sieben Horsten insgesamt elf Jungstörche flügge geworden sind, sind jetzt 13 von insgesamt 16 Nestern besetzt. Marion Szindlowski geht davon aus, dass in mindestens zehn Nestern Jungvögel heranwachsen.

In Rühstädt sieht die Situation anders aus. In dem Europäischen Storchendorf mit seinen etwa 40 Nistplätzen für die Vögel sind 33 Horste besetzt. Nadine Bauer geht allerdings davon aus, dass auf vielen Nestern keine Eier oder Jungvögel sind. Denn viele Vögel sind erst relativ spät in das Dorf gekommen – unter Umständen zu spät, um noch an Nachwuchs zu denken, erklärt die Nabu-Leiterin des Rühstädter Besucherzentrums.

Wetterkapriolen erschwerten in diesem Jahr ihren Rückflug

Zwar gab es dort die ersten Störche schon früh im Jahr. Es waren aber lediglich die sogenannten Westzieher, die aus ihren in Westafrika oder gar Südeuropa deutlich näher gelegenen Überwinterungsgebieten über Gibraltar schnell zurückkommen. Die Ostzieher unter den Störchen hatten das Nachsehen: Die Wetterkapriolen erschwerten in diesem Jahr ihren Rückflug aus den bis zu 10 000 Kilometer entfernten Winterquartieren in Süd­afrika. Sie mussten gegen den Westwind ankämpfen, der just zu ihrer Rückkehrzeit blies. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt viele Tiefdruckgebiete. Die Störche brauchen aber warme Aufwinde für ihren Gleitflug. Weil diese fehlten, haben die Ostzieher am Bosporus oder in Ungarn mehrere Woche Pause eingelegt. Als sie in Rühstädt ankamen, waren die besten Brutplätze schon belegt und Horstkämpfe die Folge. Auch hier gilt zwar: Abgerechnet wird erst, wenn die Jungvögel über den Nestrand gucken können oder besser noch bei der Beringung. Nadine Bauer schätzt aber, dass allein aufgrund der Verzögerung bis zu 20 Prozent der Vögel gar nicht mit dem Brüten angefangen haben. „Wir dürfen keine großen Sprünge erwarten.“

Dramen wie in Linum hat die Rühstädter Storchenexpertin in diesem Jahr zwar noch nicht beobachtet. Aufgrund des für Storchenkinder nicht gerade optimalen Wetters und des mäßigen Nahrungsangebots rechnet sie bei der neuen Storchengeneration dennoch mit zusätzlichen Einschnitten. Wie schlimm diese ausfallen können, das weiß Nadine Bauer aus der Vergangenheit. „2016 war’s ganz arg: Da wurde die Hälfte der Küken aus dem Nest geschmissen.“

Die Nahrungssituation hat sich verschlechtert

Gegen den Regen können die Menschen wenig ausrichten. Sehr wohl aber gegen die „Agrarwüsten“, die verhindern, dass Storcheneltern wie früher die benötigten 1,4 Kilo Frösche, Schlangen oder Würmer pro Küken und Tag finden, sagt Nadine Bauer. „Die Nahrungssituation hat sich deutlich verschlechtert“, pflichtet ihr Marion Szindlowski bei. Die endlosen Rapsfelder, die vielen versiegelten Flächen, „die fallen den Störchen auf den Fuß“. Aus Sicht Bauers müsse jetzt gehandelt werden. „Es ist fünf nach zwölf. Wenn nicht jetzt die Notbremse gezogen wird, dann werden die kommenden Generationen nur noch aus Büchern erfahren, wie Störche aussehen.“

Störche in Rühstädt und Linum erleben

Das Rühstädter Besucherzentrum in der Neuhausstraße 9 mit seiner Ausstellung „Weltenbummler Adebar“ hat dienstags bis sonntags von 9.30 bis 13.30 und 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Den nächsten Rundgang durchs Storchendorf bietet das Zentrum am Mittwoch, 14. Juni, ab 14 Uhr an. Infos unter: 037891/9 80 25 oder www.besucherzentrum-ruehstaedt.de.

Die Linumer Storchenschmiede in der Nauener Straße 54 wartet mittwochs bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie an Wochenende und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr auf Gäste.

Einen bunten Familientag bietet die Storchenschmiede am Sonntag, 11. Juni, von 14 bis 18 Uhr. Weitere Informationen per Telefon unter 033922/5 05 00; im Internet: www.berlin.nabu.de.

Von Celina Aniol

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