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KKW-Rückbau wird wohl noch teurer

Minister Markov besucht Rheinsberger Kraftwerk KKW-Rückbau wird wohl noch teurer

Brandenburgs Verbraucherschutzminister Helmuth Markov hat sich am Donnerstag über den Stand beim Rückbau des Kernkraftwerkes Rheinsberg informiert. Die Arbeiten könnten in zehn Jahren abgeschlossen sein, werden aber wohl noch teurer. Bislang wurden die Kosten auf 600 Millionen Euro geschätzt.

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Helmuth Markov (Bildmitte) ließ sich von Michael Schönherr (links) unter anderem die Blockwarte des Kraftwerk zeigen.

Quelle: Foto: Mischa Karth

Neuruppin. Justiz- und Verbraucherschutzminister Helmuth Markov (Die Linke) hat am Donnerstag das Kernkraftwerk in Rheinsberg besucht, um sich über den Fortschritt beim Rückbau des Meilers zu informieren. Begleitet von mehreren Mitgliedern des Verbraucherschutzausschusses, ließ sich Markov das Gelände von Betriebsleiter Michael Schönherr zeigen. Markovs Ministerium ist atomrechtliche Behörde im Land Brandenburg.

Derzeit sind in dem seit 1995 im Rückbau befindlichen Werk noch zwei große Baustellen zu finden. In zehn Jahren könnte das Kraftwerk komplett zurückgebaut sein, so hoffen die Verantwortlichen der Energiewerke Nord (EWN), die sich im Auftrag des Bundes um den Rückbau kümmern. Pläne, die Gebäude zu dekontaminieren, um sie dann nach einem natürlichen Restzerfallprozess zu nutzen, sind vom Tisch. Die Dekontamination sei nach neuen Erkenntnissen zu aufwendig und damit unwirtschaftlich, so die EWN. Stehen bleiben sollen hingegen die nicht radioaktiv belasteten Gebäude. Hierzu befindet sich die EWN derzeit in Gesprächen zur Nachnutzung mit der Stadt Rheinsberg.

Ob sich der Zeitplan einhalten lässt, wird sich zeigen. Schon im bisherigen Rückbau waren die Arbeiter auf einige unangenehme Überraschungen gestoßen. Als besonders problematisch erwies sich laut Schönherr die Auflösung des einst auf dem Gelände geplanten Endlagers. Dort sind die Arbeiter mittlerweile bei den letzten Resten des Fundaments für das Flüssiglager angelangt. In zwei Jahren, hofft Schönherr, sind alle Betonstrukturen geborgen.

Das Reaktorgebäude ist von seinen kerntechnischen Anlagen befreit, ansonsten aber komplett. In mühevoller Kleinarbeit wird das Innere Quadratmeter für Quadratmeter bearbeitet. Die Materialien – überwiegend Beton und Stahl – werden „freigemessen“ oder, falls sie noch radioaktiv belastet sind, entsprechend gesichert verpackt. Sämtliche schwach- und mittelradioaktiven Stoffe gehen zum Zwischenlager nach Lubmin. Den Antrag auf die Genehmigung für den Abriss des Gebäudes will die EWN im August bei der zuständigen Behörde stellen.

119 Mitarbeiter hat das KKW Rheinsberg derzeit noch, sogar die Blockwarte ist im Schichtmodus besetzt, allerdings reicht inzwischen ein Schichtleiter samt zwei Maschinisten aus. „Wir haben die Feuerlöschsysteme und die Belüftung im Blick“, erklärt Norbert Nickel, der seit drei Jahren dort seinen Dienst versieht.

Mit dem EWN-Geschäftsführer Henry Cordes sprach Markov in seiner Rolle als stellvertretendes Mitglied der Endlagerkommission des Bundes auch über die Herausforderungen der Zwischen- und Endlagerung. Cordes gab zu bedenken, dass die Verzögerung bei der Eröffnung eines Endlagers die Kosten nach oben treibe.

Für den Rückbau des Rheinsberger Werkes sind bislang 600 Millionen Euro veranschlagt, Michael Schönherr sagt jedoch: „Wir müssen damit rechnen, dass es noch etwas teurer wird.“ So sei unklar, ob bei den Betonwänden des Reaktorgebäudes alles nach Plan läuft. Zugleich unterstrichen die Verantwortlichen der EWN, dass das Wissen um einen Rückbau wertvoll sei und andernorts genutzt werden könne.

Von Mischa Karth

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