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Kästner-Revue in Rheinsberg

Bissig-brillantes Muttersöhnchen Kästner-Revue in Rheinsberg

Erick Kästner war streitbarer Geist, Vielschreiber, Frauenheld, Muttersöhnchen. Viele Facetten stecken in dem Moralisten, den er im autobiografisch angehauchten „Fabian“ verarbeitet hat. Heute kennt man ihn eher als Schöpfer von Kinder- und Jugendbüchern, die Klassiker sind. Die Revue von Marlis und Wolfgang Helfritsch beleuchtet auch Kästners andere Seiten.

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Mit Rotwein, Zigarre und Tintenfass: Szene aus „Fabian“.

Quelle: Buddeke

Rheinsberg. Ob „Emil und die Detektive“ oder „Pünktchen und Anton“ – Erich Kästners Klassiker begeisterten früher und heute die Kinder. Dass der Publizist und Autor indes alles andere als nur ein harmloser Kinderbuchdichter war, wissen die wenigsten. Bereits mit seinem „Fabian“ – ein moralistisch-sarkastisches Sittengemälde der schillernden Metropole Berlin zu Zeiten des aufkommenden Faschismus – wagte er sich 1931 auf dünnes Eis und zeigte, dass er einer ist, der sich einmischt, kein Blatt vor den Mund nimmt – auch wenn es wehtut. „Fabian“ gehörte denn auch prompt zu den Büchern, die der Bücherverbrennung der Nazis anheimfiel. In der Rheinsberger Musikbrennerei gedachten am Freitagabend Marlis und Wolfgang Helfritsch und der Pianist Klaus Schäfer des streitbaren Geistes und Vielschreibers Kästner: in einer Revue mit Tagebucheinträgen, Romanszenen, Liedern und Textsplittern. 40 Zuschauer sind gekommen, um mehr Details zu erfahren.

Zu Beginn wird Wäsche aufgehängt – getreu dem Programmtitel„Junge schick die Wäsche!“ Die das einst sagte, ist Kästners Mutter – von ihm liebevoll „Muttchen“ genannt. Viele Briefe schrieben sich die beiden, der eloquente Frauenheld beschrieb detailliert seine Amouren und Affären, sein Leben in Berlin, wohin es den gebürtigen Sachsen bald zog. Kaum verwundert es, dass angesichts der intensiven Mutter-Sohn-Beziehung kaum eine tiefe Bindung zu anderen Frauen möglich schien. An „Muttchen“ kam keine heran.

Marlis und Wolfgang Helfritsch singen, spielen und sprechen in Form einer Collage. Das Pädagogen-Ehepaar macht seit mehr als 40 Jahren Kabarett, hat 1991 das „ZK“ – Zimmertheater Karlshorst – gegründet, in dem beide 20 Jahre aktiv waren. Wolfgang Helfritsch textet und inszeniert die verschiedenen Revuen auch selbst – Erfahrungen hat er als Autor für den „Weltbühne“-Nachfolger „Ossietzky“ genügend gesammelt. Eine Rarität sind die beiden Originale an der Wand. Die beiden Zeichnungen stammen aus der Feder von Klaus Taplick, der an den HB-Männchen-Werbespots beteiligt war. „Wir sind stolz darauf, dass er uns damit unterstützt hat“, so Helfritsch, der mit Taplick zu dessen Lebzeiten befreundet war. Vor den beiden Grafiken, die gut in die Kästnerzeit passen, geben die Akteure Einblicke in Lebenslauf und Werk des Autors: etwa, dass Marlene Dietrich einst einen Dankesbrief schrieb, weil ihr Sohn sich so über Kästners Kinderbücher freuen konnte. Über sein Wirken als Autor von Moritaten, Dienstmädchenliedern und Theaterkritiken. Über sein Germanistikstudium in Leipzig, sein Engagement gegen die Nazis und seine publizistischen Feldzüge. Und über allem wacht „Muttchen“.

Von Regine Buddeke

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