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Kaffee und Kekse für mehr Gerechtigkeit

Neuruppin als Fairtrade-Town Kaffee und Kekse für mehr Gerechtigkeit

Warum bekommen Bauern in aller Welt so wenig Geld für ihre Arbeit? Mit dieser Frage setzen sich die Neuruppiner Stadtverordneten jetzt auseinander: Sie sollen entscheiden, ob Neuruppin Fairtrade-Town werden soll und so ein Zeichen setzt für mehr Gerechtigkeit. Vor allem geht es um Werbung und um Kaffee, Kekse, Zucker oder Orangensaft.

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Die Fontanestadt bewirbt sich um das Fairtrade-Siegel.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Wenn Bürgermeister Jens-Peter Golde zur Beratung einlädt, soll es im Neuruppiner Rathaus künftig nur noch fair gehandelten Kaffee geben. Kekse aus fairem Handel sind auch geplant, Tee möglicherweise und eventuell auch Blumen. Neuruppin will ein Zeichen setzen gegen Billigproduktion im Ausland und die Ausbeutung von Kleinbauern. Die Stadtverordneten wollen sich dafür einsetzen – Neuruppin soll zur Fairtrade-Town werden.

Marion Duppel hatte die Stadtverordneten darauf gebracht. Sie leitet den mobilen Weltladen des Vereins Esta Ruppin. Immer am ersten Donnerstag im Monat stehen Mitarbeiter des Vereins auf dem Neuruppiner Wochenmarkt und bieten Produkte aus fairem Handel an. Kirchen, Schulen oder Gemeinden können den mobilen Weltladen darüber hinaus für eigene Aktionen buchen. Marion Duppel geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass Kunden beim Einkauf auch eine Verantwortung haben. Nicht nur eine Verantwortung für sich selbst, sondern auch eine für die Umwelt, für die Menschen, die die Produkte herstellen, und für diejenigen, die sie verarbeiten. Dafür, dass angemessene Preise gezahlt werden, die den Bauern oder Produzenten der Waren eine faire Bezahlung für ihre Arbeit sichern.

Verein Transfair vergibt das Siegel

Waren aus fairem Handel kosten meist etwas mehr – eben weil viele Billigprodukte den Bauern in Südamerika, Asien oder Afrika kaum genügend Geld zum Überleben lassen. Initiativen, die das ändern wollen, gibt es seit etlichen Jahren. 1997 hat sich in Bonn eine Dachorganisation gebildet, die ein Siegel für Produkte aus fairem Handel vergibt, in Deutschland kümmert sich darum der Verein Transfair. Daneben gibt es verschiedene andere Gruppen und Zeichen, die für fairen Handel stehen. Inzwischen führen laut Transfair mehr als 30 000 Supermärkte in Deutschland Produkte aus fairem Handel. Trotzdem führt der faire Handel eher ein Nischendasein.

Transfair will das ändern und die Fairtrade-Towns sollen dabei helfen. Weit mehr als 300 Städte in ganz Deutschland tragen schon eine solche Auszeichnung. Die allermeisten liegen im Westen; in Ostdeutschland ist das Siegel bei Kommunen bisher kaum vertreten. In Brandenburg gibt es bisher nur eine Fairtrade-Town: Eberwalde. Neuruppin wäre die zweite Kommune – wenn die Stadt die Kriterien erfüllt.

Auch eine Arbeitsgruppe ist geplant

„Keine Angst, sie müssen deshalb nicht alles aus ökofairem Handel beschaffen“, versicherte Marion Duppel den Stadtverordneten: Zwei Produkte genügen – Kaffee, Kekse, Zucker oder Orangensaft zum Beispiel. Außerdem sollen Stadtverordnete, Verwaltung, Vereine und Geschäftsleute eine Arbeitsgruppe zum fairen Handel bilden, und einige Läden und Restaurants müssen fair gehandelte Produkte anbieten.

Der CDU-Stadtverordnete Sven Deter würde sich wünschen, dass es bei der Kampagne nicht nur um den fairen Handel mit der Dritten Welt geht, sondern auch um faire Preise für heimische Landwirte, etwa für die Milchbauern. Für Marion Duppel gehört das dazu: „Es geht darum, dass die Stadt zum Ausdruck bringt, dass sie sich mehr Gerechtigkeit in dieser Welt wünscht.“ Das gelte in El Salvador genauso wie in Deutschland.

Von Reyk Grunow

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