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Kakaofabrik droht Warnstreik

Beschäftigte fordern einen Tarifvertrag und mehr Lohn Kakaofabrik droht Warnstreik

Die lautstarke Aktion vor vier Wochen vor dem Werktor hat nicht geholfen: Die Kakaofabrik in Fehrbellin weigert sich laut der Gewerkschaft NGG weiterhin, Verhandlungen über einen Tarifvertrag für die gut 120 Beschäftigten aufzunehmen. Diese fordern mehr Lohn und eine 38-Stunden-Woche.

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Mit Transparenten und Trillerpfeifen forderten schon Anfang Juni mehr als 50 Mitarbeiter der Kakaofabrik mehr Lohn.

Quelle: Foto: Andreas Vogel

Fehrbellin. Der Kakaofabrik in Fehrbellin droht ein Warnstreik. Grund: Die Geschäftsführung hat laut der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) immer noch nicht auf die Forderung der Beschäftigten nach der Aufnahme von Tarifverhandlungen und der Einführung einer 38-Stunden-Woche reagiert. „Wir werden am Montag die Geschäftsführung letztmalig zu Tarifverhandlungen auffordern und eine Frist von maximal zwei Wochen setzen“, sagte am Freitag Funda Uygur von der NGG. Werde die Aufforderung erneut missachtet, gebe es Warnstreiks. „Die Beschäftigten scharren schon mit den Füßen“, betonte die Gewerkschaftssekretärin.

Nach Angaben der NGG arbeiten die gut 120 Beschäftigten von Euromar Commodities, wie die Kakaofabrik offiziell heißt, derzeit zwischen 40 und 48 Stunden die Woche – ohne Tarifvertrag. „Ich brauche mehr Papa” und „Mehr Zeit für Familie” hieß es denn auch auf mehreren Plakaten, die Kinder der Mitarbeiter bei der Protest­aktion vor vier Wochen vor dem Werktor in die Luft hielten. Auf die Gewerkschaft sei Peter Johnson, der Eigentümer der Kakaofabrik, dennoch nicht zugegangen, so Uygur. Dabei hatte die Gewerkschaft Johnson bereits im März und im Mai zur Aufnahme von Tarifverhandlungen aufgefordert. Doch die Geschäftsführung will nicht mit der NGG verhandeln. „Wir sind mit den Mitarbeitern direkt im Gespräch“, sagt Frank von Waaden, Personalleiter in der Kakaofabrik.

Bei den Gesprächen sollen den Beschäftigten bereits mehr Lohn und auch mehr Urlaub für dieses Jahr angeboten worden sein. Gewerkschaftssekretärin Uygur findet das gut. Immerhin liegen die Löhne in der Kakaofabrik laut NGG zwischen 16 und 22 Prozent unter denen der ostdeutschen Süßwarenindustrie. Uygur betonte aber, dass die Angebote ohne einen Tarifvertrag nicht rechtsverbindlich sind. Das heißt, sowohl der höhere Lohn als auch die zusätzlichen Urlaubstage können jederzeit wieder gestrichen werden. Uygur versteht nicht, warum sich die Kakaofabrik in Fehrbellin derart gegen einen Tarifvertrag sträubt. „Die großen Geschäftskunden von Euromar, wie Bahlsen und Storck, haben doch auch Tarifverträge für ihre Beschäftigten.“

Aber dieses Argument hat Peter Johnson bereits vor vier Wochen nicht gelten lassen. Der Chef der Fehrbelliner Kakaofabrik, der aus den USA stammt, glaubt, dass Vergleiche mit anderen Firmen der Süßwarenbranche unzulässig sind, da diese in wirtschaftlich stärkeren Regionen angesiedelt seien. Die Löhne, die Euromar in Fehrbellin zahle, würden in der Region indes bereits als hoch gelten, hatte Johnson betont (die MAZ berichtete).

Das sieht die Gewerkschaft naturgemäß anders, und auch viele Beschäftigte scheinen anderer Meinung als Johnson zu sein. Für Funda Uygur ist das ein Beleg dafür, dass die Mitarbeiter nicht länger alles hinnehmen. „Sie stehen hinter ihrem Betrieb. Sie machen auch mal Zwölf-Stunden-Schichten, arbeiten zehn Tage hinterein­ander durch oder gehen in Kurzarbeit, wenn das erforderlich ist.“ Aber jetzt sei es eben genug. „Ich bin froh, dass die Beschäftigten nun auch ihre Rechte einfordern“, betonte Uygur.

Zu den Rechten gehören eben auch Warnstreiks, um den Forderungen gegenüber dem Unternehmen Nachdruck zu verleihen. Dabei gilt: An einem Streik darf sich jeder Arbeitnehmer beteiligen, egal, ob er gewerkschaftlich organisiert ist oder nicht. Allerdings erhalten nur Gewerkschaftsmitglieder für die Dauer des Streiks eine Unterstützung. Der Arbeitgeber darf laut Bundesarbeitsgericht keinen Mitarbeiter wegen dessen Streikteilnahme benachteiligen.

Von Andreas Vogel

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