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Ostprignitz-Ruppin Goldene Zeiten in Kammeroper Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Goldene Zeiten in Kammeroper Rheinsberg
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00:27 01.07.2015
Die Schlussszene – ein großes Happy End trotz zweier Todesopfer. Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

Mit einem Blinde-Kuh-Spiel fängt es an. Ein durchaus übliches Vergnügen im Barock. Und um dieses Zeitalter den geht es in „Amadigi“. Die Oper von Georg Friedrich Händel ist ein Musterbeispiel barocker Courtoisie, ein verwirrendes Spiel um Männer, Frauen und die Liebe. Was wird hier geschmäht, gefleht, geschluchzt, gejuchzt. Geliebt und gestorben. Ein bisschen Sommernachtstraum, ein bisschen Orpheus und Eurydike: Amadigi, der gallische Prinz, liebt seine Verlobte Oriana. Dardano, der Prinz von Thrakien tut es ihm gleich – indes ohne erhört zu werden. Im Zauberreich der Fee Melissa verliebt sich diese in Amadigi und versucht mit Zauberei, Intrigen, Entführung und List, die Liebenden zu trennen – letztlich bezahlt sie dies mit ihrem Leben, ebenso wie der Nebenbuhler Dardano.

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Das Heckentheater im Schlosspark Rheinsberg ist die ideale Kulisse für die Oper Amadigi di Gaula von Georg Friedrich Händel. Wie vor Jahrhunderten erleben die Zuschauer die Aufführung ohne elektrische Verstärkung. Für die Gesangspartien konnten auch ehemalige Preisträger der Kammeroper gewonnen werden, die als Gäste nach Rheinsberg zurückkehrten. Die MAZ war am 25. Juni bei der öffentlichen Generalprobe dabei.

Ein tragisch-düsterer Stoff also, den Händel 1715, in der Blütezeit des Barock, als Eröffnungsstück der Londoner Opernsaison, der ersten unter dem neuen König Georg I, auswählte. Nicht ganz von ungefähr, denn natürlich strotzt das höfische Leben dieser Zeit von ausladenden Festen, barocker Opulenz, Intrigen zwischen Liebe und Tod – das alles hat das Zeug zur Oper.

In Rheinsberg wirkt das eher heiter denn tragisch – Frank Matthus, der neue künstlerische Leiter der Kammeroper, hat mit seinem Regie- und Kostüm-Team ein Stück Zeitgeist auf das Original poliert. Etwa die Kostüme: vom Geiste her sind die durchaus barock, aber die Rüschen des weißgewandeten Dardano werden mit einer Jacke im Bikerstil gebrochen, während das schwarze Kostüm Amadigis zwar barocken Jacquard aufweist, aber eher wie die Kleidung eines Showmasters wirkt als die eines Vicomte de Valmont. Das tut aber nichts zur Sache – die Musik hat vom barocken Zauber nichts verloren, das Spinett beschwört die Konzerte bei Hofe herauf, genau wie die übrigen Kollegen vom Barockensemble des Staatsorchesters Braunschweig. Die jungen Sänger sind motiviert bei der Sache: Vanessa Diny gibt eine mal somnambule, mal freche Oriana, Alexandra Samouilidou eine lasziv-verführerische rothaarige Melissa, die mehr Hexe als Fee ist; die Mezzosopranistinnen Jina Oh und Josi Santos verleihen den Nebenbuhlern Amadigi und Dardano Leidenschaft zum Lieben und zum Sterben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in Opern des Barock die Männerrollen von hohen Stimmen gesungen werden – damals waren es die Kastraten, heute sind es Frauen oder Countertenöre.

Das klingt in der Siegfried-Matthus-Arena – 300 Zuhörer haben sich am Sonnabend dort zur „Schlechtwetter-Ausweichvariante“ eingefunden – genauso gut wie tags zuvor bei der Premiere im Heckentheater. Da erlaubte der Regen zwar anfangs auch noch nicht das volle Instrumenten-Programm, nach der Pause indes spielte das Orchester komplett. Das Konzept Frank Matthus‘, Oper wie zu Zeiten des Barock zu spielen, ging am Freitag zumindest auf – mit Fackeln und Flammen statt Scheinwerfern und ohne akustische Verstärkung. „Ich glaube, dass die Barock-Idee funktioniert“, sagt er euphorisch nach der zweiten Aufführung, bei der ein riesiger Prospekt vom Rheinsberger Schloss als Kulisse dient, bei der man sich vorkommt, als würde man im Schlosshof sitzen und durch den Säulengang auf den Grienericksee schauen. Anders als Heckentheater, aber nicht minder zauberhaft.

Wo auf der Bühne der Barock im Disco-Look daherkommt, sitzen im Zuschauersaal am Samstag die Originale. Thomas Mauersberger und Stefan Künzel gehören zu den „Robenträgern“ – das sind Fans der Barock-Epoche.

Barockfans aus dem Publikum mit dem neuen Festivalchef Frank Matthus. Quelle: Regine Buddeke

Mit täuschend echten Kostümen und ebensolchem Habitus besuchen sie barocke Veranstaltungen. „So eine Oper schreit nachgerade nach uns“, erklärt Künzel, der aus Leipzig kommt und noch Gleichgesinnte aus Hamburg, Berlin und Warschau mitgebracht hat. Mit Lorgnette, Gehstock, Fichou, üppigem Spitzen- und Bortenbesatz, der typischen Schminke und Allongeperücke wirken sie wie Zeitreisende, ehrwürdige Schatten aus Händels Zeiten – ein Fest fürs Auge, wie sie sich zierlich mittels Fächer Kühlung verschaffen. Das hätte auch dem jungen Friedrich in seiner Rheinsberger Zeit wohl gefallen. Noch mehr begeistert es Frank Matthus, der mit solchen Gästen nicht gerechnet hat.

Von Regine Buddeke

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