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Kammeroper stellt „Carmen“-Sänger vor

Rheinsberg Kammeroper stellt „Carmen“-Sänger vor

Es ist eine Premiere: schon im Frühling stellen sich die ersten Sänger der Kammeroper-Saison vor. Und was für welche! In „Carmencitas und Toreros“ brillierten zwei Escamillos, Micaela und Mercedes. Dazu gesellte sich eine Ersatz-Carmen, die eigentlich in „Tucholskys Spiegel“ mitsingt. Das Fazit des Konzerts: Der Sommer wird heiß.

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„Toreador!“ – alle gemeinsam sangen am Ende das Couplet des Escamillo als kleinen Vorgeschmack auf den Sommer. Das Publikum spendete stehende Ovationen.

Quelle: : Regine Buddeke

Rheinsberg. Die beiden Carmens lassen schön grüßen, erklärt Frank Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper Rheinsberg. Beide geben am Ostersonnabend ein Konzert – die eine in Paris, die andere in Sankt Petersburg – und können deshalb nicht dabei sein, wenn die„Carmencitas und Toreros“ schon mal einen Vorgeschmack auf Bizets „Carmen“ geben, die im Sommer auf dem Spielplan der Kammeroper Rheinsberg steht.

Es sei das erste Mal, dass sich einige Sänger bereits im Frühjahr vorstellen, so Matthus. „Natürlich nicht das komplette Ensemble“, bedauert er. Die Idee dazu hatte Thomas Falk, der neue Geschäftsführer der Musikkultur Rheinsberg. „Eine wunderbare Idee“, lobt Matthus, der es sich nicht nehmen lässt, im ersten Teil des Konzerts die einzelnen Sänger – einige hat Matthus in Sankt Petersburg gecastet – mit kleinen spannenden Details vorzustellen.

Atemberaubender Gesang

150 Gäste sind gekommen, um den Arien zu lauschen. Als erster lässt Azamat Tsaliti seinen vibrierend-schneidigen Helden-Bariton ertönen. „Er hat vor dem Gesang Klarinette und Klavier studiert und ist überdies auch Schauspieler“, erzählt Frank Matthus über den Ossetier, der die Rolle des Escamillo ergattert hat. „Die russischen Sänger sind in aller Regel sehr umfassend ausgebildet“,ist Matthus angetan.

Dann hat Ksenia Belolipetskaya ihren Auftritt – sie wird in „Carmen“ die Mercedes singen. „Sie verwirklicht den Traum ihrer Großmutter, die ein Opernstudio hatte, aber selbst nie auf der Bühne stehen durfte, weil sie zu klein gewachsen war“, erzählt Frank Matthus über die Sopranistin, die in einem atemberaubenden Kleid nicht weniger atemberaubend singt.

Vom Schlagzeuger zum Opernsänger

Philipp Mayer ist in Rheinsberg schon bekannt. Er sang vor zwei Jahren die Hauptpartie des Leander in der „Adriana“. Sein Bass ist ein Gedicht, darüber hinaus offenbart der junge Mann aus Österreich ein überaus komödiantisches Talent. „Er ist ein Konvertit“, plaudert Matthus aus. Er habe seine erste Arie mit Dreadlocks gesungen, weil er Drummer in einer Heavy-Metal-Band war und noch ein musikalisches Zweitfach brauchte. Noch vor dem Vorsingen habe er – nachdem er gerade einer Sopranistin gelauscht hatte – geschworen, dass ihm niemals eine Opernarie über die Lippen kommen würde. Der Professor überzeugte ihn vom Gegenteil. Ein Glücksfall nicht nur für die Kammeroper.

Auch Nadezhda Orlowa kennt Rheinsberg bereits. Sie gab 2015 in „La Traviata“ die Flora – eine kleine Rolle. „Sie hat uns auch dieses Jahr beim Vorsingen überzeugt. Auch der musikalische Leiter Aurelien Bello und Regisseur Giorgio Madia wären sofort von der Sopranistin angetan gewesen, freut sich Matthus. Im Sommer darf sie die Micaela singen – am Sonnabend überzeugt sie mit einer ausdrucksstark modulierten Ravel’schen Vocalise a la Habanera. Mit einem tongewaltigen Sopran, der wohl Gläser springen lässt.

Stimme wie ein Donnergott

Nein, die Tenöre habe man ausnahmsweise nicht dabei, entschuldigt sich Matthus. Der eine habe kein Visum bekommen, der andere ein Konzert und der dritte sich ein Bein gebrochen. Stattdessen bekommt der zweite Escamillo – die Hauptrollen werden bei der Kammeroper stets doppelt besetzt – seinen Auftritt. Und was für einen! Vladislav Kupriyanov hat einen Bariton, der sich gewaschen hat. Wie ein Donnergott singt der gerade einmal 23-Jährige, der sechs Semester Musik in einem Jahr „erledigte“ und im Theater im russischen Samara bereits große Rollen singt.

Einen Ersatz für die abwesenden Carmens gibt mit der „Sequadilla“ indes Helen Schmidt, die im Ensemble der Uraufführung „Tucholskys Spiegel“ mitwirkt.

Die Zuschauer sind begeistert und spendieren nach den Zugaben – der Menage au troix einer verwirrten Zerlina zwischen zwei Don Giovannis und einem tongewaltigen „O sole mio“ – stehenden Applaus. Der Sommer verspricht spannend zu werden.

Von Regine Buddeke

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