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Kandidat mit Kanten

Rheinsberg Kandidat mit Kanten

Frank-Rudi Schwochow hat keine Angst, sich unbeliebt zu machen. Das zeichnet gute Politiker aus, findet er. Vier Kandidaten bewerben sich für das Bürgermeisteramt in Rheinsberg. Er ist einer davon.

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Frank-Rudi Schwochow ist seit 2008 Mitglied der Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung.

Quelle: Frauke Herweg

Rheinsberg. Über Politik wurde zu Hause kaum gesprochen. Frank-Rudi-Schwochow beginnt trotzdem früh, sich für Politik zu interessieren. Schon als Zehnjähriger liest er die drei Zeitungen, die es in der Familie gibt – die beiden Lokalzeitungen und die „Bild“. Das Boulevardblatt durchblättert er besonders gern. Der Zeitung mit den großen Buchstaben gelingt es, selbst abstrakte Themen wie die Steuerreform so zu erklären, dass sie ein neugieriges Kind versteht.

Schwochow macht es sich und anderen nicht leicht. Seine Lust am Detail, seine Akribie sind bekannt und berüchtigt. In Stadtverordnetenversammlungen achtet der 30-jährige Verwaltungsfachangestellte peinlich auf das Einhalten von Rederechten und Redezeiten. Doch er stellt auch Fragen, die andere nicht stellen würden. Schwochow ist ein Fleißarbeiter. In der aktuellen Wahlperiode hat seine Fraktion von BVB/Freie Wähler mehr Beschlussvorlagen eingebracht als die Verwaltung, hat er zusammengezählt.

Schwochow nimmt Abstimmungsniederlagen sportlich

Die Vielzahl der Anträge sind eine Herausforderung für Verwaltung und Stadtverordnete. Viele Anträge werden abgelehnt. Schwochow nimmt das sportlich. Umsonst ist seine Arbeit nicht, glaubt er. Vor einigen Jahren etwa war ein Antrag auf Umstellung der Straßenlaternen auf LED „mit Pauken und Trompeten“ durchgefallen. Inzwischen jedoch seien Zechlinerhütte vollständig und einige Ortsteile teilweise umgerüstet, sagt Schwochow grinsend. Auch abgelehnte Anträge beförderten Politik. „Im Hintergrund passiert immer etwas.“

Es ist nicht nur seine Hartnäckigkeit, mit der Schwochow mitunter aneckt. Vor fünf Jahren hatte der Dorf Zechliner, der seit 2008 in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, die von einem CDU-Bürgermeister geführte Verwaltung als „Affenstall“ kritisiert. Eine Bemerkung, die seine CDU-Kollegen brüskierte und ihn seinen Vorsitz in der CDU-Fraktion kostete. Für die einen galt er danach als Parteirebell, für die anderen als nicht mehr vertrauenswürdig.

An die „Affenstall“-Bemerkung erinnert sich jeder

Schwochow nimmt auch das sportlich. „Wer austeilt, muss einstecken können“, sagt er. Als ihm jemand nach der „Affenstall“-Episode einen Plüschaffen zum Geburtstag schenkte, nahm er das Stofftier anschließend mit in die Stadtverordnetenversammlungen. „Manchmal muss man provozieren, um seine eigentliche Botschaft rüberzubringen“, findet er. Zu seinen politischen Vorbildern gehören neben Helmut Schmidt auch Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß – große Polterer und Spötter.

Zum Bürgermeisterkandidaten ließ sich Schwochow von der Wählervereinigung BVB/Freie Wähler nominieren. Schon zur jüngsten Kommunalwahl war er von ihnen aufgestellt worden. Die CDU versuchte daraufhin, ihn loszuwerden. Ein Parteiausschlussverfahren ist noch nicht entschieden. Schwochow hält weiterhin an seiner CDU-Mitgliedschaft fest. „Ich werde die Sache durchfechten.“

Gute Infrastruktur auch in den Dörfern

Als einer von wenigen Stadtverordneten ist der Dorf Zechliner in den Ortsbeiräten präsent. „Basdorf mit seinen 24 Einwohnern ist genauso wichtig wie die Kernstadt“, sagt er. Als Bürgermeister, so kündigt er an, würde er sich für die Infrastruktur auch in den Dörfern einsetzen – Radwege, Straßen, aber auch die Sanierung der Kitas in Linow und Dorf Zechlin. „Wir müssen die enormen Betriebskosten senken.“

Was die Kernstadt betrifft, liegen die Themen für Schwochow, der als Schülersprecher einst für den Erhalt der Abi-Stufe an der Rau-Schule kämpfte, auf der Hand: Er will die Sanierung der Mühlenstraße voranbringen und die Verwaltung umbauen. Seit Langem kritisiert er die Stelle des Bürgermeisterreferenten als überflüssig. „Meine erste Amtshandlung wäre, die Stelle abzuschaffen“, sagt er. 75 000 Euro ließen sich sinnvoll woanders einsetzen.

Faible fürs Kleingedruckte

Früher, sagt Schwochow, habe er sieben Tage die Woche Politik gemacht. Irgendwann drohte er auszubrennen. Zwar arbeitet er sich noch immer gern ins Kleingedruckte rein. „Aber wenn der Akku leer ist, werden die Sitzungsunterlagen auch mal weggelegt.“

Von Frauke Herweg

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