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Kandidat ohne Konfliktscheu

Heimland Kandidat ohne Konfliktscheu

Konfliktscheu oder nachgiebig dürfe ein Bürgermeister nicht sein, findet Freke Over. Der Linke, der seit über einem Jahrzehnt in der Lokalpolitik bei den Linken mitmischt, kandidiert für den Posten in Rheinsberg.

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Freke Overs Hobby: die Politik. „Wenn ich Bürgermeister werde, muss ich mir ein anderes suchen“, sagt der Kandidat.

Quelle: foto: Aniol

Heimland. Bleibt ein Hausbesetzer immer ein Hausbesetzer? Selbst, wenn er seit 20 Jahren erst ordentlicher Mieter und dann Eigentümer einer Immobilie ist? „Die Nummer ist durch“, sagt Freke Over. Einerseits. Auf dem flachen Land ticken die Uhren aber zuweilen doch anders. „Oft müssen mich die Leute immer noch erst kennenlernen, um zu merken, dass sie keine Angst haben müssen, dass Over ihre Vorgärten besetzt“, ergänzt der Bürgermeisterkandidat der Linken für Rheinsberg, der für seine markigen Sprüche und den Hang zum schwarzen Humor bekannt ist, und grinst breit. Der Ofen in dem Haus in Heimland bei Luhme, das er 2004 kaufte, bollert gemütlich.

Was hat den ehemaligen Berliner Hausbesetzer, der beim Staatsschutz eine Straßenschlacht anmeldete, aber auch als Abgeordneter in der Hauptstadt aktiv war, ausgerechnet in die Rheinsberger Ecke verschlagen, die für Bürgerlichkeit und Hochkultur steht? Der 49-Jährige zögert nicht: „Es ist eben die schönste“. Der Paddler kannte die Region lange, bevor er anfing, nach einem Objekt zu suchen, von dem er und seine Familie mit den drei Kindern auch leben könnten. 2004 fand er das ehemalige Betriebsferienheim der Berliner Konsumgenossenschaft. Das Objekt, das heute alternative Kinder- und Familienferien anbietet – weit abseits des Hochglanztorismus, dafür umso näher am Erlebnisfreizeit –, am Laufen zu halten, sei nicht immer einfach. „Aber es gibt uns nach 13 Jahren noch.“

Nach dem Umzug engagierte Over sich politisch schnell auch in seiner neuen Heimat. Die Initialzündung kam 2006. „Damals sollte der Zug nach Berlin eingestellt werden. Da musste ich etwas tun.“ Als Unternehmer, der heute 15 Mitarbeiter hat. Aber auch, weil er das als ein Unding in einer Region weitab vom Schuss empfand. Er wurde Stadtverordneter in Rheinsberg, kandidierte 2009 für den Bürgermeisterposten, kam in den Kreistag. Nach über zehn Jahren, in denen er vor allem eines gemacht hatte: anpacken, hofft Over, den früheren Ruf als Bürgerschreck abgeschüttelt zu haben. Das einzige, was er jetzt besetzen will, sind Themen – und auch das nicht so richtig. „Es geht mir weniger um die Urheberschaft, sondern darum, dass die Menschen ein Problem verstehen und die Chance ergreifen, gemeinsam einen Weg zu beschreiten.“ Das dieser Kommunengedanke klappen kann, habe die Linke bei der Bibliothek und der Jugendsozialarbeit bewiesen: Die gibt es nun wieder in Rheinsberg. Ohne Konflikte verlaufe so etwas selten. „Das gehört aber dazu“, sagt Over, der sich über Harmoniebedürftigkeit der Stadtspitze wundert. „Was mir bei Rau fehlt, ist der Druck – auch auf die Mutti“, so Over über den CDU-Bürgermeister.

An welcher Stelle Schärfe nötig ist, ist für Over klar: Er will, dass Eltern bei Kitabeiträgen entlastet werden. „Wir als Kommune stemmen das nicht. Jetzt ist die Frage: Wo kommt der Check her?“ Da die Forderung nach Elternentlastung in den Programmen der Bundesparteien stehe, müsse Rheinsberg auf Bundesebene in die Offensive gehen. Genauso verhalte es sich mit dem öffentlichen Verkehr. „Der Bürgermeister muss das Land, den Bund übertölpeln.“ Nur er habe das nötige politische Gewicht dazu. Die erste Amtshandlung als Stadtchef wäre für Over die Schließung der Mühlenstraße für die Autos. Um die Anwohner vor der Belastung zu schützen. Aber auch, um die Attraktivität der Stadt durch eine Fußgängerzone zu steigern. „Ich würde es einfach dem Landesbetrieb melden, dass wir die Straße schließen. Punkt. Diesem Konflikt muss man sich stellen.“ Beim Tourismus setzt Over, der Windräder als „Landschaftsverschandelung“ sieht, gegen auf die sanfte Variante mit sicheren Radwegen und Wintergästen. „Ballermann ist nicht Rheinsbergs weg.“ Er will vor allem aber etwas für diejenigen tun, die in der Region leben oder leben wollen: subventionierte Räume für Handwerker, bessere Versorgung mit Ärzten – auch weil Over glaubt, dass Rheinsberg als Alterssitz für Rentner Potenzial hat, mehr Dienstleistungen wie die Beantragung von KFZ-Zeichen im Rathaus.

„Ich habe meine Kanten und eine Form der Radikalität, die nicht jedermanns Sache sein muss.“ Alles neu denken , neu machen, würde er als Rheinsbergs erster Vertreter dennoch nicht. „Aber einige Projekte beschleunigen, ihnen Nachdruck verleihen.“

Von Celina Aniol

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