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Ostprignitz-Ruppin Kantow: Verfall, der auffällt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kantow: Verfall, der auffällt
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00:18 08.04.2016
Ruinen wie diese mögen Extrembeispiele sein, doch sie prägen mehr und mehr das Kantower Dorfbild. Quelle: Alexander Beckmann
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Kantow

Umgeben von einer mit Feldern, Weiden und Gehölzen fast parkartig wirkenden Landschaft macht Kantow einen richtig idyllischen Eindruck – aus der Ferne. Aus der Nähe ist unübersehbar, dass es um das Dorf nicht zum Besten steht. Viele Häuser sind unbewohnt, Gärten verwildert. An durchaus prominenten Stellen fallen Ruinen ins Auge.

Den meisten Kummer macht das den Kantowern selbst. Bei der Umfrage zur Serie „MAZ zu Hause in . . .“ äußerte sich das mehrfach. „Es sind viele Häuser leerstehend, werden nicht verkauft, fallen dann zusammen“ oder „Wir wünschen uns, dass die Ruinen verschwinden, damit der Ort schöner wird“, heißt es da beispielsweise.

Ortsvorsteherin Franka Goldau sieht das im Grunde ganz genauso. Doch wie sich etwas daran ändern lässt, das weiß auch sie nicht.

Ein Umstand, der den Niedergang fördert, ist sicherlich die Bevölkerungsentwicklung. Seit Jahren wurde im Dorf kein Kind mehr geboren. Der jüngste Kantower ist inzwischen sechs. Der Anteil der ganz Alten nimmt stetig zu. Vor zehn Jahren zählte der Ort laut Einwohnermeldeamt noch um die 100 Bewohner. Aktuell sind es 56.

Das Dorf bietet seit langem kaum mehr als Wohnraum. Die Zahl der Arbeitsplätze ist extrem überschaubar. Gleiches gilt für das Freizeitangebot: Das Vereinsverzeichnis der Gemeinde Wusterhausen nennt gerade mal einen Verein im Ort: „Offene Kirche Kantow“. Einkaufsmöglichkeiten bestehen gar keine mehr.

„Wir haben nichts mehr“, sagt Ortsvorsteherin Franka Goldau. Und von Seiten der Gemeinde tue sich wenig. Ein Beispiel sei die seit Jahren geforderte Erneuerung der Dorfstraße. Ein zusätzliches Hindernis bilden die dabei zu erwartenden Anliegerbeiträge. Für den Verfall an vielen Stellen gebe es allerdings konkret Verantwortliche: „Es ist ja nicht so, dass die Häuser keine Eigentümer haben. Viele kümmern sich aber einfach nicht.“ Manches Grundstück dient offenbar der Spekulation: Man legt sich so eine Immobilie auf Halde – vielleicht braucht man sie ja irgendwann einmal. Die Ortsvorsteherin sieht sich überfordert: „Ich habe da keine Chance. Es heißt bloß immer: Auf seinem Grund und Boden kann jeder machen, was er will.“ Manchmal gibt es noch kleine Hoffnungsschimmer: mühsamer Pflegeaufwand hier, ein renoviertes Haus da. „Wir kriegen auch wieder ein Baby im Dorf“, kündigt Franka Goldau an. „Das freut mich sehr.“ Fest steht: Es war schon leichter, Kantower zu sein.

Von Alexander Beckmann

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