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Ostprignitz-Ruppin Karat rockte hunderte Fans in der Kulturkirche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Karat rockte hunderte Fans in der Kulturkirche
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00:17 30.11.2016
Ganz der Vater: Stimme und Leadgesang hat Claudius Dreilich (l.) vom Gründungsmitglied Herbert Dreilich geerbt. Seit 30 Jahren bei Karat: der Bassist Christian Liebig (r.). Quelle: Buddeke
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Neuruppin

„Wie fangen wir an?“, fragt Claudius Dreilich die Band und die Fans. Klare Sache – bei einer Akustik-Tour natürlich ohne Strom. „Das machen wir jetzt seit drei Jahren so – und sind damit vermutlich auch die einzigen“, verkündet der Frontmann, der diese Position samt der markanten Stimme seines Vaters, des Karat-Mitbegründers Herbert Dreilich, nach dessen Tod 2004 „geerbt“ hat. Der allererste Titel des Abends – der allseits bekannte „Schwanenkönig“ – wird also im Halbkreis mit Akustikgitarre ohne Verstärkung zelebriert. Auch wenn es der einzige „unplugged“-Titel bleiben soll, kommt das verdammt gut an. Mehr als 500 Fans fühlen sich quasi von der ersten Minute an um Jahrzehnte zurückversetzt, schwelgen in Erinnerungen an die alten Ostrock-Konzerte, bei denen sie Karat schon zugejubelt haben.

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Die Neuruppiner Kulturkirche war ausverkauft. Mit stehenden Ovationen feierten hunderte Fans ihre Kult-Band Karat, die sich auch nach dem Ableben ihres Frontsängers Herbert Dreilich und dem Nachrücken dessen Sohnes Claudius treu geblieben ist. Bei vielen Songs, vor allem den großen Hymnen der Band, wurde beseelt mitgesungen.

Denn eins ist klar: die Band hat Kultstatus. Auch wenn ihre neueren Alben nicht mehr denselben Bekanntheitsgrad haben: Die alten Hits sind immer noch präsent.

„Magisches Licht“ – auch der zweite Titel ist einer der großen alten Hymnen. Das Markenzeichen der Band waren immer schon die lyrischen Texte, verpackt in sanften Rock, der mit Klassik-Elementen angereichert wurde. Etwa bei „Gewitterregen“, auch den können die meisten im Saal mitsingen. Oder dem nächsten Song – „Ich bin gespannt, ob ihr den noch kennt“, ruft Dreilich. Keine Frage – auch bei „Blumen aus Eis“ singt der Saal.

„Jede Stunde“ – ein Appell an das Leben und seine einzelnen Momente. „Mein emotionalster Moment, den ich nie vergessen werde“, erzählt Dreilich, „war das Jubiläumskonzert 25 Jahre Karat.“ In der Berliner Wuhlheide, vor 17 000 Menschen. Er habe singen sollen. „Es war totenstill – irgendetwas stimmte nicht“, erinnert er sich. Dann ging ihm auf, dass alle dachten, sein Vater würde statt seiner singen – hinter der Bühne. Der merkte das wohl auch, trat vor und sang die zweite Stimme. „Inniger geht es nicht zwischen Vater und Sohn.“ Das Lied „Abendstimmung“ durfte dann auch an diesem Abend nicht fehlen. Und es war 2004 bei Herbert Dreilichs Tod der Wunsch der Band, dass Claudius in die Fußstapfen des Vaters trete. „Ich habe es nicht bereut“, sagt er rückblickend – obwohl er nie vorgehabt hätte, bei Karat oder irgendwo anders zu singen – und auch Deutschland schon den Rücken gekehrt hatte, ohne je zurückkommen zu wollen. Der Tod des Vaters ließ die Familie indes zusammenrücken. Und nun singt er doch die alten Lieder seines Vaters – neue natürlich auch. Das sei nun zwölf Jahre her. „Gefühlt ist es nur eines“, sagt er und erzählt, wie stolz er ist, dass Karat nunmehr auf mehr als 40 Jahre gemeinsame Musikgeschichte zurückblicken kann. „Als wir das Jubiläumskonzert in der Waldbühne feiern wollten, hat man uns für verrückt erklärt“, erinnert sich Claudius Dreilich. Aber es seien 12 000 Fans gekommen. Von den alten Urgesteinen sind noch der Gitarrist Bernd Römer und der Drummer Michael Schwandt an Bord, dazu der Bassist Christian Liebig und an den Keyboards Martin Becker. Alle fünf Vollblutmusiker, die den Abend zum unvergesslichen Erlebnis werden lassen.

Blaues Licht wabert, die Gitarre erzittert magisch: der „Albatros“ schwebt auf riesigen Schwingen durch die Neuruppiner Kulturkirche. Auch immer noch aktuell nach all den Jahren: „Der blaue Planet“ – der Saal singt mit bis zur letzten Note. Auch bei „Über sieben Brücken“. „Wir sind stolz, dass das so viele Künstler nachgesungen haben. Was uns wichtig ist: Das Original ist von uns“, sagt Claudius Dreilich und singt mit dem Saal.

Von Regine Buddeke

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