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Kartenzahlung im Taxi nicht überall möglich

Nur Bares ist Wahres!? Kartenzahlung im Taxi nicht überall möglich

Mit der Bankkarte lässt sich mittlerweile so ziemlich alles bezahlen, sollte man meinen. Doch bei einem Streifzug der MAZ durch Wittstock und Pritzwalk fällt auf, dass das in unserer Region längst nicht so einfach ist, wie in Berlin oder Hamburg. Besonders der Snack zwischendurch wird ohne nötiges Bargeld zur unerreichbaren Delikatesse.

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Für längere Taxifahrten verlangt Birgit Kulling aus Pritzwalk auch mal eine Anzahlung – natürlich in bar.

Quelle: Christian Bark

Pritzwalk/Wittstock. Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, dürfen wir bald nur noch Beträge von bis zu 5000 Euro bar bezahlen. Damit soll Geldwäsche und anderen kriminellen Finanzgeschäften ein Riegel vorgeschoben werden. Ein erster Schritt, das Bargeld ganz abzuschaffen, so die Befürchtungen einiger Experten. Doch was würde das für uns in Prignitz und Ostprignitz-Ruppin bedeuten, ohne einen Cent in der Tasche durch den Alttag kommen zu wollen. Die MAZ hat das in Pritz­walk und Wittstock vergangene Woche ausprobiert.

Beim Wittstocker Bäcker Koch können höchstens Stammkunden anschreiben lassen

Beim Wittstocker Bäcker Koch können höchstens Stammkunden anschreiben lassen.

Quelle: Christian Bark

Das Fortkommen ohne nötiges Kleingeld ist gerade im ländlich geprägtem Nordbrandenburg schwierig. Das fängt schon beim elementarsten Grundbedürfnis an: Essen. Mal fix ein Brötchen oder einen Berliner auf die Hand, als Snack zwischendurch. Das gibt es beim Bäcker um die Ecke, zumindest, wenn man Bargeld hat. Kopfschütteln bei der Bäckerei Pickert in Pritzwalk. Kartenzahlung ist hier nicht möglich. Gleiches gilt auch in der Bäckerei Koch in Wittstock. „Als Stammkunde könnten Sie noch anschreiben lassen“, sagt Bäckermeister Heiko Keil. Aber Laufkundschaft ohne Bargeld hätten Pech. „Das mag sich in den nächsten Jahren aber noch ändern“, wagt Keil einen Blick in die Zukunft. Bei Backdiscountern in den Großstädten gebe es schon Kartenlesegeräte.

Nicht immer kann man im Restaurant mit Karte zahlen

Nicht immer kann man im Restaurant mit Karte zahlen. Manchmal aus technischen Gründen.

Quelle: Christian Bark

Statt Snack dann eben Steak. Aber auch das will sich nicht mit Bankkarte zahlen lassen. Bevor man das Steakhaus am Markt in Wittstock betritt, informiert ein Schild darüber, dass die Kartenzahlung derzeit nicht möglich ist. „Unser Lesegerät ist kaputt“, erklärt die Kellnerin. Da bleibe nur die Barzahlung und auch das Abwaschen als Gegenleistung werde nicht akzeptiert. Notfalls könnten Gäste aber bei den nahegelegenen Banken Geld abheben.

In Großstädten ist bargeldloses Zahlen schon lange üblich

„Nur Bares ist Wahres“, ist das Geschäftscredo von Sing Jaswant. In seinem Dönerimbiss in Pritz­walk kann man auch nicht anschreiben lassen, wie er sagt. „Das wird auch nicht verlangt, sondern in der Regel bar bezahlt“, so Jaswant.

Bei Sing Jaswant in Pritzwalk gibt es den Döner nur gegen Bargeld

Bei Sing Jaswant in Pritzwalk gibt es den Döner nur gegen Bargeld.

Quelle: Christian Bark

Sich dem ganzen Irrsinn hungrig entziehen ist auch nicht drin. Zumindest nicht im Taxi von Birgit Kulling, das gerade nahe dem Pritz­walker Markt parkt. „Ein Kunde wollte mal von Telschow nach Hamburg ohne einen Cent in der Tasche“, erinnert sich die Taxifahrerin. Auch wenn ihr der unpässliche Fahrgast versprochen hatte, ihr daheim in Hamburg das Geld zu beschaffen, hätte sie nach Absprache mit ihrem Chef den Auftrag ausgeschlagen. „Bei so langen Fahrten lasse ich mir in der Regel eine Anzahlung geben“, sagt die 47-Jährige. Sollte jemand bei kürzeren Strecken wirklich mal nicht genug Geld dabei haben, könne er, solange er den Restbetrag besorgt, einen Pfand dalassen.

Kreditkarten werden weniger akzeptiert

„Bargeldlos im Taxi zahlen, das wäre klasse“, findet Kulling und verweist dabei auf Beispiele aus deutschen Großstädten. Das würde auch das Überfallrisiko auf Taxifahrer mindern. Und das kommt nach Meinung ihrer Chefin Katja Pfennigschmidt auch bald in der Prignitz – Vom Kartenlesegeräten über Zahlung per Handyapp. „So werden wir immer mehr kontrolliert“, schaut die 39-Jährige besorgt in die Zukunft.

Der Fahrkartenautomat am Bahnhof Pritzwalk nimmt Gott sei Dank beides – Karte und Bargeld

Der Fahrkartenautomat am Bahnhof Pritzwalk nimmt Gott sei Dank beides – Karte und Bargeld.

Quelle: Christian Bark

Aus Sorge um immer mehr Sprenganschläge hat die Deutsche Bahn auch einige ihrer Fahrkartenautomaten auf „Bargeldlos-Modus“ umgerüstet. „Darüber ärgern sich einige Kunden“, informiert eine Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Auf der andern Seite sei auch der Unmut groß, wenn nicht mit Karte bezahlt werden könne. Für beide Bedürfnisse gibt es in Pritzwalk eine Lösung. Der Automat nimmt Kleingeld, Scheine und sogar EC-Karten. Aber auch nur die und keine Kreditkarten.

Ab fünf Euro aufwärts können Kunden der Adlerapotheke in Wittstock mit Karte bezahlen

Ab fünf Euro aufwärts können Kunden der Adlerapotheke in Wittstock mit Karte bezahlen.

Quelle: Christian Bark

Damit muss man auch rechnen, wenn man sich nach einer zügigen Zugfahrt in der Wittstocker Adlerapotheke eine Packung Lutschpastillen kaufen möchte. „Kreditkarten werden hier nicht akzeptiert“, erklären die netten Damen an der Kasse, Antje Hennings und Doris Köppe. Und auch die 1,80 Euro für die Bonbons liegen unter dem Mindestbezahlwert für EC-Kartenzahlung. Der liege bei fünf Euro. „Bei so kleinen Beträgen lohnt sich das nicht“, erklärt Manuel Schmidt von der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz. Neben den Anschaffungskosten für ein Lesegerät, fielen für Gewerbetreibende auch Transfergebühren von bis zu zwei Prozent des Umsatzes an. Lesegeräte mit PIN-Eingabe garantierten, dass das Geld auch bei nichtgedecktem Konto beim Händler bleibt. Ganz im Gegensatz zur einfachen Unterschrift. Doch erstere Geräte seien dementsprechend teuerer. Gäste sollten im Zweifel also immer darauf achten, genug Bargeld dabeizuhaben.

Von Christian Bark

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