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Ostprignitz-Ruppin Kaum Kitaplätze für Flüchtlingskinder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kaum Kitaplätze für Flüchtlingskinder
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02:17 07.12.2015
71 Asylsuchende leben jetzt im ehemaligen Schlosshotel. Quelle: Foto: Celina Aniol
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Rheinsberg

Anderthalb Jahre alt ist das Kind. Seine Mutter verlor es bei einem Beschuss. Das Kleinkind selbst, das dabei im Arm der Mutter lag, bekam dabei auch einige Raketensplitter ab, die seitdem in seinem Körper stecken. „Wenn man so ein kleines Würmchen im Arm hält, dann kann es einem nur leid tun“, erzählte Brunhilde Dreetz, die seit Anfang November Heimleiterin der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Rheinsberger Schlosshotel ist. Dennoch: Psychische Auffälligkeiten habe sie bei dem Kind bisher nicht feststellen können. Genauso wenig wie bei anderen Minderjährigen in ihrem Haus, die schon viel erlebt haben.

Wirklich Erfahrung habe sie damit aber nicht, gab Brunhilde Dreetz auf Nachfrage des Rheinsberger Ortsvorstehers Sven Alisch (SPD) nach der medizinischen Versorgung von posttraumatischen Störungen im Ortsbeirat am Donnerstagabend zu. Es fehlen ihr auch Kontakte zu Fachleuten, die sich mit solchen Krankheitsbildern auskennen. Es sei aber wichtig, sich darum jetzt zu kümmern, damit Langzeitschäden vermieden werden, sagte Alisch, der gerade eine Fachtagung zu dem Thema absolviert hatte. „Die Folgekosten sind enorm“, so der Ortsvorsteher. Und auch im Sinne einer gelungenen Integration sei das entscheidend.

Alisch bot Dreetz Hilfe an – fragte aber auch gleich, ob sie Unterstützung vom Landkreis und der Stadt erhält. In einem Atemzug kritisierte der Ortsvorsteher den Kreis, dass dieser sich zu sehr auf die ehrenamtlichen Helfer verlasse, diese aber nicht einmal finanziell unterstützt.

Insgesamt 71 Asylsuchende leben derzeit im früheren Schlosshotel, rechnete Dreetz vor, der seit Anfang Dezember eine Kollegin, die Sozialarbeiterin Janine Schischke, zur Seite steht. 130 weitere sind im Wohnverbund untergebracht, das heißt in Wohnungen, die über die Prinzenstadt verteilt sind. Am Donnerstagabend sind noch einige neue Flüchtlinge dazugekommen. Dort agiere im Moment noch Sozialarbeiterin Romy Starke allein. Allerdings soll sie demnächst Verstärkung von mehreren Kollegen erhalten, berichtete Dreetz. Nach Informationen von Sven Alisch sollen die verbliebenen noch leeren zehn Wohnungen für Flüchtlinge in den nächsten zwei Wochen belegt werden.

Kita-Plätze sind Mangelware, der Landkreis ist hier in der Pflicht

Probleme gebe es im Moment vor allem im Kindergartenbereich. Nur drei Kinder besuchen derzeit die Rheinsberger Kita, so Schischke. „Der Rest muss warten, weil keine Plätze mehr da sind.“ Ab Januar sollen zwar vier Kinder neu aufgenommen werden, die ab 2016 in die Schule sollen, und ab September gibt es Platz für acht weitere. Das reiche aber bei weitem nicht aus. „Die Kinder dürfen nicht ausgeschlossen werden“, forderte daraufhin Alisch. Er erinnerte daran, dass der Landkreis versprochen hatte, sich sofort um weitere Plätze zu schaffen, falls aufgrund des Flüchtlingszustroms die Kapazitäten nicht ausreichen.

Auch die Stadt müsse sich der Problematik stellen, sagte Uwe Witt (Die Linke). Es sei ganz wichtig, dass im Rathaus ein Mitarbeiter als Ansprechperson für alle Flüchtlingsfragen benannt werde, wie es der Ortsbeirat in seiner umstrittenen Petition (die MAZ berichtete) forderte.

Trotz manch einer Schwierigkeit laufe in Rheinsberg vieles gut, versicherte darauf Brunhilde Dreetz. So besuchen viele Kinder die Allendeschule, wo sie von zwei ehrenamtlich tätigen, ehemaligen Lehrern beschult werden. Andere sind in Vorbereitungskursen an der Rau-Oberschule. Auch die Deutschkurse für die Erwachsenen, die in ihrer Freizeit in örtlichen Vereinen Fußball spielen, Zumba oder Aerobic tanzen, seien mittlerweile angelaufen.

Von Celina Aniol

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