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Kaysers Welt (XVIII)

Marc Kayser beschreibt, wie seit über 1500 Jahren das Volk ausgehorcht wird Kaysers Welt (XVIII)

Es gibt drei Berufe, die so alt wie die Menschen sind: Der Geldeintreiber, die Hure, der Spion. Hier interessiert Letzterer. Zu wissen, was das Volk wirklich denkt, erlebt, was die Menschen ärgert oder irritiert - daran arbeiten die Mächtigen seit mehr als 1500 Jahren.

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Das NSA-Spitzelprogramm, an dem die deutschen Geheimdienste beteiligt sind, ist nur die Fortsetzung einer uralten Tradition, Macht zu erhalten. "Vergewissere dich zu hören, was du nicht hören möchtest - ist dabei das philosophische Leitbild aller Späher und Spitzel. Es ist eine Vorlage zum Handeln, dem stets der Bruch der Privatsphäre vorausgeht. Als noch die katholische Kirche vor mehr 500 Jahren die mächtigste Institution war, entsandte sie Inquisitoren ‒ zu deutsch: Aufklärer oder Verfolger ‒ die Kritiker aus dem Volk verschleppen, foltern und hinrichten ließ. Weil es damals noch keine Bits und Bytes gab, verließ sich der Papst auf Informationen von Spitzeln und Zuträgern. Und noch mal 700 Jahre zuvor war es der persische Kalif Harun-al-Rashid, der sich als Agent verkleidet mit seinen Mannen unter das Volk mischte, um zu hören, was er eigentlich nicht hören wollte - Unzufriedenheit, Furcht und Ablehnung seines Führungsstils. Er war berüchtigt wegen seines Machthungers und seiner Unterdrückungsfantasien. Sein Kalifat reichte von Teilen Afghanistans bis in den Iran hinein. Das war in den Jahren 786 bis 809.

Und die nachfolgenden Jahre der Französischen Revolution, der Machthunger Lenins und Stalins, die gut geölte Geheimdienstmaschinerie Hitlers und der Verfolgungshunger der ehemaligen DDR-Staatssicherheit? Alle Systeme fußten auf geheimdienstlicher Ausspähung angeblich zum Schutz des Staates und seiner Bewohner.

Wenn heute die Amerikaner ihr Volk ausspähen - dann tun sie das aus Gründen der "Nationalen Sicherheit" oder zur "Abwehr innerer und äußerer Gefahren". Die USA sind eine gewachsene Demokratie ‒ und die muss wehrhaft sein, keine Frage. Die US-Geheimdienste sprechen ja gern von dem Mut und der Entschlossenheit, hinter den Vorhang der eigenen Annahmen zu schauen, sprich: Kann man dem Volk wirklich trauen? Ist nicht doch jeder "normale Mensch" irgendwie verdächtig oder sogar verführbar? Angesammeltes Wissen über des Volkes Wirklichkeit führt immer zu weitreichenden Entscheidungen. Bezweifelt werden kann, ob sie immer weise sind.

Zu gern würde ich dem "Harun-al-Rashid-Prinzip" folgen, wenn das (Ab)Hören von authentischen Geschichten und das Eingehen auf ihre Botschaft als Beginn eines Dialogs über die Politik der Mächtigen zu seinem Volk taugt. Wenn es zu Machtmissbrauch führt, zu ätzenden Verstößen gegen die Privatsphäre ‒ weil die Geheimdienste zu einem Staat im Staate mutieren ‒ dann dürfen die Verfassungsgerichte gern selbst zu Verfolgern der Verfolger und das Volk zu Klägern werden.

Marc Kayser ist noch bis Ende Juli Stadtschreiber in Rheinsberg. Bis dahin erscheint seine Kolumne immer mittwochs. Alle Folgen zum Nachlesen gibt es im Netz, www.maz-online.de/kayserswelt.

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