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Ostprignitz-Ruppin Keimzeit im Kornspeicher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Keimzeit im Kornspeicher
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00:17 16.03.2016
Sebastian Piskorz bläst gekonnt ins Blech – eine echte Bereicherung für die Band. Quelle: Cornelia Felsch
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Alt Ruppin

Gemütlich und eng ist es am Samstagabend, wie immer im Kornspeicher, wenn sich Keimzeit angesagt hat. Der Hausherr hat gut eingeheizt für das Konzert, was eigentlich nicht Not tut, denn wer bei dieser Musik friert, hat Keimzeit weder verstanden noch richtig wahrgenommen.

„Tolle Musiker, tolle Band, es macht immer Spaß mit ihnen“, sagt Manfred Neumann zur Begrüßung. Besser kann man es nicht zusammenfassen. Doch wer sich in den Plüschsesseln zurücklehnt, mit der Gewissheit Musik und Sound sind lange bekannt, der irrt. Mit ihrem neuen Studioalbum „Auf einem Esel ins All“, das komplett in Eigenregie entstand, ist der Band ein großer Wurf gelungen und das mit Pauken und Trompeten. Die Trompete ist zwar ein Flügelhorn – gespielt von Neuling Sebastian Piskorz – doch sie ist nach längerer blechloser Zeit bei Keimzeit eine echte Bereicherung.

Zwar ohne Pauken dennoch gut zu hören ist Lin Dittmann am Schlagzeug, der gekonnt in die großen Fußspuren von Robert Leisegang tritt. Als Nachfolger von Rudi Feuerbach steht nun Martin Weigel an der Gitarre. Geblieben sind Hartmut Leisegang am Bass, Andreas „Spatz“ Sperling am Keyboard und natürlich – last but not least – Frontmann Norbert Leisegang. Von ihm stammen fast ausschließlich die neuen Kompositionen und Texte.

Keimzeitbrüder Norbert (M.) und Hartmut Leisegang (r.). Quelle: Cornelia Felsch

Die Metamorphose ist gelungen, die Band überrascht an diesem Abend mit erfreulichem Abwechslungsreichtum. Es ist immer noch Keimzeit – manchmal melancholisch sanft, aber kraftvoll. Die poetischen Texte, die den Fans aus der Seele sprechen, sorgen für fantasievolle Lieder und Geschichten, die spürbare Spielfreude ist nicht zu übersehen. Sie steckt an und erweckt den Wunsch zu tanzen. Das ist allerdings an diesem Abend kaum möglich, der Platz ist zu beengt.

Etwas lauter als sonst, mal jazzig, und rockig mit deftigen Beats und trotzigen Gitarrensoli überraschen die Musiker ihre Anhänger doch etwas. Los geht es an diesem Abend mit dem älteren Song „Näher mein Herz“. „Die Leute weisen uns oft darauf hin, dass es auch gute Lieder von uns aus den 70er und 80er Jahren gibt“, sagt Norbert Leisegang mit seinem unverkennbaren breiten Lächeln. Doch die kommen später mit „Maggie“ und „Schmetterlinge“.

Erst einmal gehört der Abend dem neuen Album mit dem Titelsong „Auf einem Esel ins All“. Märchenhaft und fantasievoll sind die Texte, kleine Dinge und Nebensächlichkeiten des Alltags werden verwoben mit utopischen Hirngespinsten – typisch Leisegang, ein Grenzgänger zwischen klassischer deutscher Lyrik und nüchternem Realismus. Das Konglomerat aus starken Texten und überraschend frischem Sound begeisterte am Sonnabend auch eingefleischte Keimzeitfans und sorgte für beste Stimmung.

Von Cornelia Felsch

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