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Ostprignitz-Ruppin Keimzeit spielte akustisch im Kornspeicher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Keimzeit spielte akustisch im Kornspeicher
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00:17 24.05.2017
Immer wieder ein anderes Erlebnis: Das Keimzeit-Akustik-Quintett ist regelmäßig im Kornspeicher zu Gast. In diesem Jahr stellten die Musiker ihr neues Album vor. Quelle: Regine Buddeke
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Alt Ruppin

Norbert Leisegang und seine Mitstreiter lassen sich alle Möglichkeiten offen. Als „Keimzeit“ geben sie auf großen Bühnen ihrem Rock’n-Roll-Affen ordentlich Zucker. Für die kleineren Säle und feineren Klänge gibt es das Keimzeit-Akustik-Quintett – ein jüngerer Ableger des 35 Jahre alten Mutterschiffs, bei dem neben Frontmann Norbert Leisegang auch Keimzeit-Bassist Hartmut Leisegang sowie Gitarrist Martin Weigel im Boot sind. Komplettiert wird das Quintett von Gabriele Kienast an der Violine und Drummer Christian Schwechheimer. In dieser Besetzung sind sie bereits mehrfach im Kornspeicher Neumühle aufgetreten. Und obwohl Gastgeber Manfred Neumann in Erwartung der stets riesigen Nachfrage diesmal an zwei Abenden spielen lässt, sind beide Konzerte ausverkauft.

Gabriele Kienast. Quelle: Regine Buddeke

Keimzeit – das sind viele Jahre deutsche Rockgeschichte. Nicht nur in Brandenburg, der Heimat der Leisegang-Brüder, haben sie eine riesige Fangemeinde. Das liegt auch nur bedingt am Kultsong „Kling Klang“ und der unverwechselbaren Stimme des Frontsängers – „Danke dafür an meine Eltern“, so Norbert Leisegang – sondern auch daran, dass sich die Band immer wieder neuen Herausforderungen stellt, quasi immer wieder neue Ufer anläuft. Schon die Gründung des Akustik Quintetts vor sechs Jahren war solch eine Bereicherung des Klangspektrums. „Entstanden aus einer Schnapsidee“, erzählt Norbert Leisegang. Man habe bei einer Party ohne Verstärker gespielt und schnell gemerkt, dass sich etliche Keimzeit-Klassiker bestens dafür eignen, unplugged gespielt zu werden. „Mit Ukulele und Geige“, so Leisegang, sozusagen als Kammermusik-Adaption statt fettem Rock. Man habe also 15 Keimzeit-Songs neu arrangiert, und sei damit aufgetreten. „Das hat sich dann verselbstständigt“, so Leisegang.

Ballade zu dritt. Quelle: Regine Buddeke

Es wurden neue Lieder fürs Quintett geschrieben – allesamt in der ganz eigenen Poetik Norbert Leisegangs, der in seinen Texten um Liebe, Leben und Tod tief eintaucht statt oberflächlich herumzudümpeln. Nicht jeder Text erschließt sich schon beim ersten Hören. Norbert Leisegang ist ein Meister der spröden Bilder; Schlager-Plattitüden sind so gar nicht seine Sache. Insofern verwundert es auch kaum, dass er sich mit dem neuen Album des Quintetts ins Fahrwasser von Marcel Proust begibt. „Seit vier Jahren bin ich gefangen in Prousts Universum“, sagt Leisegang. „Am Anfang habe ich ihn gar nicht verstanden“, gesteht er. Denn auch der französische Dichter schrieb alles andere als leicht und gefällig. „Sein Schreibstil hat mich beeindruckt, ich komme da nicht mehr raus.“ Beim Lesen seien ihm unzählige Impulse und Themen in den Sinn gekommen. „Darüber wollte ich Songs schreiben.“ Zuallererst über Albertine – nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Proust. So entstand nach dem ersten Album „Midtsommer“ mit den Keimzeit-Klassikern nun das zweite des Akustik Quintetts – mit unveröffentlichtem neuen Material. „Albertine“ heißt die Scheibe, aufgenommen binnen 14 Tagen in Malta. Warum in Malta? „In Deutschland war November“, sagt Leisegang mit seinem unverwechselbar breiten und ansteckenden Lächeln. Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Volles Haus, beste Stimmung. Quelle: Regine Buddeke

Mit dem Titelsong „Albertine“ beginnt der Abend – schnell wird klar, dass viel Poesie, viel Moll, viel Zartheit in der Luft liegen. Die Geige klagt mehr, als sie jubelt, man kann sich reinlegen in so viel Melancholie. „Picassos Tauben“ vom ersten Quintett-Album geht ans Herz, so schmelzend schwermütig, dass es fast wehtut. Ein Gefühl, dass sich im Lauf des Abends noch oft wiederholen wird.

Doch Keimzeit wäre nicht, was es ist, wenn nicht immer wieder Neues aus der Musik springt. Mit schöner Selbstverständlichkeit fließen da alle Musikstile immer wieder neu zusammen – mal swingt und jazzt es von leichter Hand wie in „Schwein“, mal fegt der Blues-Train durch die Saiten der Gitarren. Reggae weht wie eine leichte Brise durch „Münzen und Scheine“, in Salsa wiegt sich locker leicht „Scherben aus Glas“. Elektrisierend fegt „Erzähl mir von dir“ durch den Saal, „Gerade noch jung“ mutiert zur Country-und Western-Hymne. Ein Lied wie eine irische Ballade, dann ein Song, der mit der Wucht einer Pink-Floyd-Hymne beginnt, um dann in fröhlichen Balkan-Rock zu wechseln.

Unverwechselbare Stimme: Bandleader und Texter Norbert Leisegang Quelle: Regine Buddeke

Und immer wieder Leisegangs bittersüße Gitarrenballaden, mit der Violine fürs samtige Timbre und den Texten auf dem schmalen Grat zwischen Philosophie und erlebten Alltagsgeschichten. Bei den Keimzeitklassikern singt der Saal immer wieder mit, bei den neuen Songs wippen die Füße. Alles da, was für die Ohren, für die Augen – fürs Hirn und fürs Herz sowieso. Keimzeit: Der Name ist Programm angesichts der immer neuen musikalischen Triebe.

Der Applaus am Ende ist riesig – die Musiker lassen sich auch nicht lange bitten, nachzulegen. „Also gut, noch ’n Schlaflied“, sagt Norbert Leisegang und stimmt „Kling Klang“ an.

Von Regine Buddeke

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