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Kein Luxus für den Bürgermeister

Heiligengrabe Kein Luxus für den Bürgermeister

Wie sieht es eigentlich in den Amtszimmern, Schreibtischen und Schränken unserer Verwaltungschefs aus? In einer neuen Serie bittet der „MAZ-Zimmerservice“ um Einlass ins Allerheiligste von Bürgermeistern und Amtsdirektoren und berichtet brühwarm, was außer Kaffee und Stempelkissen noch so im Büro steht – zum Beispiel in Heiligengrabe bei Holger Kippenhahn.

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Weder luxuriös noch repräsentativ, aber persönlich: Holger Kippenhahn (hier mit „Bischofsstab“) öffnete sein Amtszimmer in Heiligengrabe für die MAZ.

Quelle: Claudia Buhler

Heiligengrabe. In den Regalen steht eine sorgfältig aufgereihte Auswahl an Ordnern rund ums Bürgermeisteramt, daneben Bücher zu den unterschiedlichsten Themen des Amtsalltages, zur Geschichte der Prignitz und Literatur zum Kloster Stift Heiligengrabe.

Die Türen zu den Schränken öffnet Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn ein wenig widerstrebend: „Da sind unglaublich viele Computerteile und Kabel drin.“ Seit 2007 hat Kippenhahn sein Büro im Erdgeschoss der Heiligengraber Gemeindeverwaltung bezogen.Vorher saß er als Kämmerer im ersten Stock des Gebäudes. Schon damals hat er sich um die EDV-Angelegenheiten im Amt gekümmert: „Einen PC zu reparieren, Updates einspielen oder auch einen Server installieren, das ist für mich kein Problem.“

Auch als Bürgermeister hat er diesen Bereich nicht aufgegeben: „In anderen Verwaltungen ist jemand anderes dafür zuständig. Aber ich stamme aus der Branche“, meint der Bürgermeister, „deswegen mache ich das auch weiter. Einerseits ist das eine Entlastung für den Haushalt der Gemeinde, andererseits weiß ich so sehr genau, welche Anforderungen an jeden Arbeitsplatz in der Verwaltung gestellt werden.“ Einfach sind die Anforderungen an den System-Administrator nicht in allen Fällen: „Vor allem im Einwohnermeldeamt läuft unheimlich viel zusammen: mehrere Drucker, der Fingerabdruckscanner und so weiter.“

Und dann öffnet Kippenhahn doch einen Schrank: Ein CD-Laufwerk liegt da, ein paar Kabel und ein, zwei Leiterplatten. „Ich habe vor kurzem erst umgeräumt“, sagt der Computerexperte. „Da habe ich einen Berg von Tastaturen, Mäusen und Kabeln aussortiert, die sich ansonsten zu einem heillosen Durcheinander verknoten.“

Bereits zum dritten Mal modernisiert Kippenhahn für die Gemeinde Heiligengrabe den Internetauftritt: „Während viele andere Gemeinden über einen Verein ihre Homepage machen lassen, ist das eine ureigene Seite, auch, wenn es mitunter viel Zeit kostet, sie immer wieder mit aktuellen Inhalten zu füllen.“ Auch den eigenen Schreibtisch organisiert der Bürgermeister mit Computertechnik: „Ich habe allein etwa 2000 Kontakte in meinem E-Mail-Programm, darauf hat dann auch meine Sekretärin Zugriff.“

Ein Tisch, zwei Stühle, eine Schrankwand und ein Sideboard: Auf Luxus im Büro legt Heiligengrabes Bürgermeister ganz offensichtlich keinen großen Wert. Stattdessen auf ein persönliches Umfeld. Auf dem Tisch ein altes Buch zum Kommunalrecht, das eine Bekannte für den Bürgermeister zu einem Briefhalter recycelt hat, ein geschnitzter Pilz vom Seniorenbeirat, eine noch eingepackte Fernbedienung, ein paar Akten auf einem kleinen Stapel. Am Schrank hängt ein Kleiderbügel, auf dem ein Aufkleber noch an Kippenhahns Vorgänger Egmont Hamelow erinnert: „Manchmal benutze ich den auch“, sagt Kippenhahn: „Mich verbindet ja ein freundschaftliches Verhältnis mit meinem Vorgänger.“

Im Februar hat der Bürgermeister seinen 50. Geburtstag gefeiert: Nach wie vor liegen die Glückwunsch-Poster von Schulen und Kitas im Büro, auch, wenn die Glückwunsch-Luftballons schon ein wenig Luft abgelassen haben. Oben auf dem Schrank spielt auf einem Foto eine kleine Band ein Geburtstagsständchen: „Das sind meine Kinder“, sagt Kippenhahn, „die sich ein Programm ausgedacht haben, das mir gefällt – mit Musik von Pink Floyd beispielsweise.“ Nebenan der Gruß einer Kita-Gruppe, die ihre Handabdrücke auf Papier ausgeschnitten und zu einem kunterbunten Strauß zusammengesteckt hat.

Mit einem geschnitzten Holztrog mit der Aufschrift „Zum vierfachen Toursieg“ und gefüllt mit Minisalamis war Kippenhahn während der Tour de Prignitz mal in Wusterhausen begrüßt worden: „Die Salamis habe ich an die Radler verteilt und den Trog behalten“, sagt der Bürgermeister. Heute steht die Tour­trophäe auf dem Schrank, aus dem Kippenhahn gleich darauf ein T-Shirt mit dem Tour-de-Prignitz-Aufdruck zaubert: „So lange wir mitmachen, so lange haben wir immer eigene Tour-Shirts entworfen“, sagt der Bürgermeister der vierfachen Siegerstadt. Auch den Wanderstab, den er anlässlich der Tour einmal vom „Bischof“ Wolfgang Dost erhalten hat, nutzt er nach wie vor: „In jedem Jahr etwa zur Wanderung auf dem Annenpfad.“

Längst nicht alle Erinnerungsstücke kann der Bürgermeister in seinem Büro unterbringen – denn das ist höchstens zwölf Quadratmeter groß. Kippenhahn ist jedoch zufrieden: „Wenn ich ein repräsentatives Umfeld brauche, nutze ich das Beratungszimmer nebenan“, sagt er.

Von Claudia Bihler

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