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Kein „Suffschläger“ mehr

Wittstock Kein „Suffschläger“ mehr

Sie passten nicht in das Weltbild der Angeklagten: Deshalb griffen die beiden Wittstocker eine 15-Jährige und ein junges Pärchen am 12. September 2015 auf dem Gelände des Ruppiner Einkaufszentrums tätlich an. Der Initiator der Taten muss für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis, der andere wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Quelle: dpa

Neuruppin. Für Verteidiger Wolfram Nahrath handelte es sich um ein „desaströses Einzelversagen“ seines Mandanten. für die Staatsanwältin dagegen war der Vorfall vom 12. September 2015 im Neuruppiner Einkaufszentrum Reiz eine „politische Überzeugungstat“.

Vorwurf einer Hetzjagd auf Ausländer konnte nicht bewiesen werden

Das Landgericht Neuruppin verurteilte am Mittwoch den Wittstocker Sandy L. unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Raiko K. wurde zu einer neunmonatigen Strafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ursprünglich war noch eine Tat von Dezember 2016 angeklagt gewesen. Damals sollen die beiden in Wittstock eine Hetzjagd auf zwei Ausländer gemacht haben. Dieser Vorwurf wurde eingestellt, weil die Beweise nicht für eine Verurteilung ausreichten. Zu widersprüchlich waren die Zeugenaussagen. Oder wie es Nahrath ausdrückte: „Stück für Stück haben wir 1000 und eine Nacht gehört. Da stimmte nichts.“ Die beiden 36-jährigen Angeklagten kamen aus der Untersuchungshaft frei. Siebeneinhalb Monate hatten beide im Gefängnis gesessen.

Angeklagte dulden keine Andersdenkenden

Übrig blieb die Tat aus 2015, die die Angeklagten auch eingeräumt hatten. Jedenfalls soweit sie sich erinnerten. Demnach hatte sich Sandy L. nach eigenen Worten an der Shell-Tankstelle „die erst beste Person gegriffen und ihr ein paar geklatscht“. Das war eine 15-Jährige, die ihrem Äußeren nach zu urteilen der linken Szene zuzuordnen war. „In die Welt des Angeklagten gehören keine Andersdenkenden“, sagte die Staatsanwältin. Auch die Richter hielten die Tat für „politisch motiviert“.

Anschließend traf Sandy L. im Reiz auf ein junges Pärchen, das junge Mädchen trug ebenso wie die 15-Jährige ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Good night white pride“ und hatte grün gefärbte Haare . Wie die Videoaufzeichnung zeigte, ging Sandy L. auf die beiden zu, schlug der jungen Frau ins Gesicht. „Sie fiel um wie ein Baum“, so die Staatsanwältin. Sie wie auch ihr Freund wurden – am Boden liegend – geschlagen und getreten. Raiko K. kam dazu und trat noch einmal nach. Nicht nur einmal, wie er zugegeben hatte. Das zeigte die Videoaufzeichnung.

Angeklagter mit verfestigtem rechten Weltbild

„Es ist für uns nicht vorstellbar. was Opfer in so einer Situation durchleben“, sagte die Staatsanwältin. Gegen Sandy L. sprächen seine rassistischen Motive. Er habe viele Jahre darauf hin gearbeitet, dass er im Visier von Verfassungs- und Staatsschutz stehe. Sie könne seine verfestigte Ideologie nicht ändern, aber sie müsse es nicht hinnehmen, dass er aus diesem Motiv heraus Straftaten begehe. Sie sah bei beiden Angeklagten keine Anhaltspunkte für eine alkoholbedingte verminderte Schuldfähigkeit. Das sah auch das Gericht so.

Hart ins Gericht ging Verteidiger Nahrath mit der Staatsanwältin, deren Plädoyer er „unfair, polemisch und Ergebnis orientiert“ fand. Die Strafforderung falle völlig aus dem Rahmen. Es sei „reine Stimmungsmache“ hier von Rassismus zu sprechen. Auch wenn sein Mandant schon häufig straffällig geworden sei auch wegen Körperverletzungsdelikten, hätten diese bisher noch nie einen politischen Hintergrund gehabt.

Sogar der Staatsschutz habe bestätigt, dass es in den vergangenen Jahren ruhig um Sandy L. geworden sei, so Nahrath. Sein Mandant habe sich entschuldigt und sich sofort bereit erklärt, eine Entschädigung zu zahlen. Darüber hinaus sei er einverstanden mit der Einziehung der bei ihm gefundenen Waffen wie Schlagring, Wurfsternen und CDs der Neonazi-Band „weiße Wölfe“.

Umdenken in Untersuchungshaft eingesetzt

Bei Sandy L. , so Nahrath, habe in der Untersuchungshaft ein endgültiges Umdenken eingesetzt. „Er will nicht mehr ein Suffschläger sein.“ Er wolle sich seiner Familie und dem Wiederaufbau seiner Existenz widmen. Der Verteidiger plädierte für eine Bewährungsstrafe. Die Staatsanwältin hatte vier Jahre und acht Monate gefordert. Dem entsprach das Gericht nicht, ebenso wenig wie dem Antrag der Verteidigung. Sandy L. muss ins Gefängnis, für zwei Jahre und vier Monate.

Von Dagmar Simons

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