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Kein gutes Jahr für Pilze

Lenzen Kein gutes Jahr für Pilze

Gerhard Ehlers muss es wissen: Seit fünf Jahrzehnten sammelt er Pilze. Er kennt die Arten genau und war lange Zeit als Pilzberater tätig. Auch jetzt stellt er dann und wann die verschiedensten Funde aus und berät Neugierige zu den Sorten: so wie beim Regionalmarkt im August auf Burg Lenzen. Ein gutes Pilzjahr war es indes nicht, bemängelt er.

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Gerhard Ehlers sammelt seit fünf Jahrzehnten Pilze und kennt sich mit den Arten aus – rund 50 stellte er in Lenzen beim Regionalmarkt aus.

Quelle: Foto: Kerstin Beck

Lenzen. Hält man Rückschau auf das Wetter der vergangenen Sommermonate, lässt sich feststellen: Es war ein durchwachsener Sommer. Es gab warme, sehr warme und auch einige heiße Tage. Es gab bis Ende Mai Trockenheit, Dürre und Waldbrandgefahren, doch ab Juli extreme Niederschläge wie kleinräumige und intensive Starkregen, aber auch extreme unwetterartige Dauerregen, die auch in der Prignitz zu Überschwemmungen führten. Ein idealer Pilzsommer also?

Schließlich wissen geübte Pilzsammler: Bestimmte Wetterbedingungen verheißen eine besonders reiche Ausbeute bei Spaziergängen im Wald. Dazu gehören eine durchgehend warme Lufttemperatur im Juli oder August, ausreichende Feuchtigkeit durch anhaltende Regenfälle und somit ein schwüles Hochsommerwetter.

Gerhard Ehlers sammelt seit fünf Jahrzehnten Pilze

Doch die Pilze hielten sich zurück. „Es war kein guter Pilzsommer“, stellt Pilzexperte Gerhard Ehlers fest. Der Wittenberger sammelt seit mehr als 50 Jahren Pilze und kennt sich bei den Waldgewächsen aus. „Früher habe ich alles Mögliche gesammelt, doch in den letzten Jahren sind die Pilze seltener geworden“. Seit drei Jahren, so beobachtet es der Pilzkenner, gibt es immer weniger Exemplare, und in diesem Jahr war es besonders prägnant. „In diesem Sommer habe ich hauptsächlich Maronen und Kuhröhrlinge gefunden – das waren aber keine Vorzeigepilze, sondern schon alte und abgewrackte Exemplare. Natürlich gab es auch Giftpilze wie den Knollenblätterpilz, den Grünling habe ich auch gesehen, aber der gilt seit 2002 als giftig. Doch voll mit Pilzen war der Wald nie.“

Mit „dem Wald“ meint der 57-jährige die „Perleberger Heide“, die der Naturliebhaber als Sammelgebiet momentan gar nicht empfehlen kann.

Doch ab und zu gestaltet der ehemalige Pilzberater – denn den Arbeitskreis der Prignitzer Pilzsachverständigen gibt es seit einigen Jahren nicht mehr, „aus Altersgründen, und da bin ich noch der Jüngste gewesen“ – eine Ausstellung, so beim Regionalmarkt am 10. August auf Burg Lenzen. Hier hatte Gerhard Ehlers für interessierte Gäste immerhin 50 verschiedene Arten parat, „doch da habe ich den ganzen Tag lang nach gesucht und war zuletzt durch den Regen völlig durchnässt.“ Für die Betrachter war der Tisch mit den in vielen Farben und Formen ausgestellten Pilzen interessant, doch Gerhard Ehlers war enttäuscht: „Es gab Jahre, da habe ich an die 150 Arten ausgestellt!“

2017 war kein gutes Pilzjahr

Doch nicht nur der Pilzexperte hat in diesem Sommer schlechte Erfahrungen gemacht. Eine Wustrower Einwohnerin erzählt: „Nur ab und zu hat mein Mann mal einige Pilze aus dem Wald mitgebracht, die habe ich dann getrocknet“, und ein Lanzer Einwohner, der regelmäßig „in die Pilze“ geht, berichtete darüber, dass zwar immer etliche ungenießbare und Giftpilze zu sehen seien, „nur nicht die, die ich suche. So wenig Pilze wie in diesem Sommer gab es noch nie!“

In Erinnerung wird vielen Pilzfreunden wohl noch der Sommer 1998 sein, als es bei feucht schwül-warmer Witterung ab Mitte September wohl kaum einen Platz gab, an dem kein Pilz aus dem Boden spross und man regelrecht eine Invasion erlebte – so auch bei den gesuchten Stein- und Birkenpilzen sowie Rotkappen.

Aber das Pilzjahr ist ja noch nicht vorbei. Man darf gespannt sein, welche und wie viele Pilze Gerhard Ehlers zum heutigen „Tag des Waldes“ im Pritzwalker Hainholz gefunden hat und dazu ausstellen wird.

Von Kerstin Beck

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