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Keine Angst vor der Hausgeburt

„Man kann nicht viel falsch machen“ Keine Angst vor der Hausgeburt

Mindestens zwei Blitzgeburten gab es kürzlich in der Region: am 14. Juli in Dorf Zechlin bei Rheinsberg und am 25. Juli in Blesendorf in der Gemeinde Heiligengrabe. Sich auf so eine Überraschung vorzubereiten, hält Hebamme Kathrin Schröder für kaum möglich. Sie gibt aber Tipps für Hochschwangere.

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Hebamme Kathrin Schröder mit der schwangeren Lena-Katharina Ingendahl aus Wittstock.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Wie schnell aus einem Moment eine Erinnerung fürs Leben werden kann, wissen zwei Familien aus Dorf Zechlin bei Rheinsberg und Blesendorf in der Gemeinde Heiligengrabe nur zu gut. Denn sie haben erlebt, wie es ist, wenn ein Kind schneller als geplant auf die Welt kommt und weder ein Krankenhaus noch eine Hebamme in der Nähe ist. Vater Sebastian Weidauer aus Dorf Zechlin hatte beim Warten auf die Geburtshelferin die Angst gepackt; und Stefanie Müller aus Blesendorf, deren Schwester Nicole sich plötzlich anschickte, Tochter Nelé zu gebären, gestand später: „Ich geriet kurz in Panik, aber mir war klar, dass ich handeln musste.“ Die beiden gesunden Babys zauberten Eltern und Verwandten schon kurz darauf ein Lächeln aufs Gesicht, Melina am 14. Juli, Nelé am 25. Juli. Die MAZ berichtete darüber.

Zwei sogenannte Blitzgeburten innerhalb nur weniger Tage im Dorf Zechlin bzw. Blesendorf. Doch mit solchen Überraschungen müssen Eltern leben. „Bei Frauen, die zuvor bereits Kinder bekommen haben, ist die Wahrscheinlichkeit einer Blitzgeburt vielleicht etwas höher, aber man kann es einfach nicht vorhersehen“, sagt Kathrin Schröder, die seit 1987 Kinder auf die Welt holt. Die freiberufliche Hebamme aus Wittstock betreibt gemeinsam mit ihrer Kollegin Anja Vietz-Hennig eine Praxis am Sonnenweg.

Den werdenden Vater oder Verwandte in dieser Situation beruhigt sie jedoch: „Der Körper sagt der Schwangeren, was zu tun ist. Sie bringt sich dann intuitiv in die für sie richtige Lage. Man kann eigentlich nicht viel falsch machen“, ist sich Kathrin Schröder sicher. Allerdings sollte das Durchschneiden der Nabelschnur dann doch der Hebamme überlassen werden, weil die Verbindung zwischen Mutter und Kind „zuvor richtig abgeklemmt werden muss“.

Die Hebamme fährt jährlich 40 000 Kilometer

Doch auch, wenn es keine Blitzgeburt wird: Die Zahl der geplanten Hausgeburten nehme erheblich zu. Sie habe sich in den vergangenen zwei Jahren etwa verdoppelt. Die Frauen schätzten die vertraute Umgebung und wollen eine selbstbestimmte Geburt. Manche hätten auch einfach eine Abneigung gegen Krankenhäuser. „Aber man muss auch bedenken: Sollte es doch zu Komplikationen kommen, stehe ich allein da. Und die Wege sind weit. Ich bin bei einer Hausgeburt noch aufmerksamer als in der Klinik. Sobald irgendetwas dagegen spricht, geht es ins Krankenhaus. Da diskutiere ich auch nicht. Wenn ich sage, wir fahren, dann fahren wir.“, betont Kathrin Schröder. Schließlich ist das Einsatzgebiet der beiden Wittstocker Hebammen riesig – Neuruppin, Rheinsberg, Flecken Zechlin, Neustadt/Dosse, Kyritz. Kathrin Schröder fährt jährlich rund 40 000 Kilometer. Auch die Wege in die nächste Entbindungsstation werden immer weiter. Früher gab es noch die Station in Pritzwalk, nun müssen Schwangere aus der Region bis nach Neuruppin. Von Wittstock aus sind das fast 50 Kilometer.

Besser zu Hause bleiben, als am Straßenrand zu gebären

Deshalb habe die steigende Zahl der Hausgeburten aus ihrer Sicht auch einen ganz pragmatischen Grund: „Die Entscheidung, ob man es noch ins Krankenhaus schafft oder nicht, treffen ja oft auch wir Hebammen. Und da ist es manchmal besser, zu Hause zu bleiben, als womöglich irgendwo am Straßenrand sein Kind zu bekommen. Ich nehme meine Utensilien, die ich für Hausgeburten brauche, gar nicht mehr aus dem Auto.“ Bei Bedarf bestehe ja immer noch die Möglichkeit, den Notarzt dazu zu rufen. Den Paaren stehe es auch frei, danach vielleicht doch noch zum Absichern oder Erholen ins Krankenhaus zu fahren. „Das Positive ist, dass wir die Schwangeren wirklich gut kennen, weil wir sie die ganze Schwangerschaft lang betreuen“, spricht Kathrin Schröder auch für ihre Kollegin Anja Vietz-Hennig. Deshalb legten viele Schwangere Wert darauf, bei der Geburt ihres Kindes „ihre“ Hebamme an der Seite zu haben. „Eine Geburt ist 50  Prozent Kopfsache. Wenn man da jemanden dabei hat, den man kennt, ist es einfach leichter.“ Umgekehrt gelte das aber auch. Das heißt, wenn die Hebamme die Schwangere schon länger betreut, falle es ihr ebenfalls leichter, sich auf die Situation einzustellen.

Um 15 Geburten kümmert sich die Hebamme jeden Monat

Um 15 Geburten kümmert sich die Hebamme jeden Monat.

Quelle: Andreas Vogel

Um rund 15 Geburten kümmern sich Kathrin Schröder und Anja Vietz-Hennig jeden Monat. „Es soll niemand sagen, es werden keine Kinder mehr geboren. Das kann ich nicht bestätigen.“ Beim Alter der schwangeren Frauen gebe es keinen Trend. „Wir haben 14- oder 16-Jährige genauso wie Frauen, die mit Mitte oder Ende 30 ihr erstes Kind bekommen.“ Die älteste werdende Mutter sei 46 Jahre alt gewesen. Selbst in der Urlaubszeit müssten Schwangere jedoch nicht befürchten, dass zeitweise womöglich keine Hebamme zu erreichen ist. „Wenn ich weiß, dass ein Geburtstermin ansteht, nehme ich keinen Urlaub“, sagt Kathrin Schröder, obwohl das die Planung nicht gerade einfach mache. Doch trotz der unregelmäßigen Arbeitszeiten steht für sie fest: „Es ist mein Traumberuf. Ich möchte mit niemandem tauschen.“

INFO : Bildergalerie „Helden in Stramplern“ unter www.maz-online.de/babys

Von Björn Wagener

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