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Keramikmuseum stellt neue Exponate aus

Rheinsberg Keramikmuseum stellt neue Exponate aus

Das Finden von interessanten Exponaten sei wie Pilze suchen, sagt Hendrik Schink: Etwas Gutes zu entdecken, könne man einfach nicht planen, dazu braucht man Glück. Und das war dem Museumsbetreiber jetzt hold: Acht neue Ausstellungsstücke bereichern seit neuestem das Rheinsberger Keramikmuseum.

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Der Jugendstiltopf ist neu im Museum von Hendrik Schink.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. „Deutsches Steingut, Allgemeingut“ steht auf einem knallbunten Plakat, das Hendrik Schink im Rheinsberger Keramikmuseum unter die Decke gehangen hat. Das Werbe-Leporello des Verbands der Deutschen Keramischen Industrie stammt aus den 30er Jahren und ist sehr gut erhalten. „Hier muss man auch einmal mit wachen Augen nach oben gucken“, sagt Schink, denn in seinem Museum kann man immer wieder etwas Neues entdecken – wie etwa das jahrzehntealte Werbeplakat.

Als eines von insgesamt acht neuen Exponaten ziert das farbenfrohe Poster seit dem 27. Juli die obere Partie des Keramikmuseums in Rheinsberg. Dauerhaft sind im Museum zwischen 500 und 600 Ausstellungsstücke zu sehen, die von Betreiber Schink immer dann um neue Objekte ergänzt werden, wenn er durch Zufall auf weitere interessante Exponate stößt. „Sich vorzunehmen, etwas gutes Neues zu finden, funktioniert nicht“, erklärt der Keramik-Experte. „Hinterherhetzen bringt gar nichts, es ist wie beim Pilze suchen – man muss Glück haben, dass etwas Gutes dabei ist.“

Fast schon ein Befehl

Fast schon ein Befehl: „In deinen Haushalt Steingut!“, fordert das Werbe-Leporello aus den 30er Jahren. Oben rechts steht der Schriftzug „Deutsches Steingut, Allgemeingut.“

Quelle: Peter Geisler

Einen richtigen „Trüffel“ hat Schink in einem komplett erhaltenen Jugendstil-Topf aus weißem Ton mit grüner Färbung entdeckt. „Da war ich schon lange scharf drauf“, verrät der Rheinsberger. „In der Relief-Vertiefung hat sich die Farbe abgesetzt, so dass die Strukturen richtig gut zur Geltung kommen.“ Das Jugendstil-Objekt stammt aus der Zeit zwischen 1905 und 1929. Schink hat extra dafür ein kleines Podest gebaut.

Das Museum, das die Geschichte der Keramik aus dem späten 18. Jahrhundert bis heute zeigt, ist nicht besonders groß, bringt aber auf kleinem Raum eine beeindruckende Anzahl verschiedener Objekte zum Vorschein, die alle eine eigene Geschichte erzählen. „Die Ausstellung ist Work in Progress“, sagt Schink, der das Museum neben seiner Tätigkeit als freischaffender Keramikkünstler betreibt. „Neue Dinge müssen sinnvoll in die bestehende Ausstellung integriert werden.“ Über entsprechende Plattformen im Internet stößt der Keramikkenner immer mal wieder auf interessante Exponate.

Die in türkis und blau eingefärbten Scherben von Fayencen wurden beim Rathausbau entdeckt

Die in türkis und blau eingefärbten Scherben von Fayencen wurden beim Rathausbau entdeckt. „Eigentlich wurden Fayencen immer weißdeckend glasiert“, erklärt Hendrik Schink die Besonderheit an diesen Ausstellungsstücken.

Quelle: Peter Geisler

Die acht neuen Gegenstände sind im Museum mit Hinweisschildchen gekennzeichnet. „Diese Scherben sind beim Rathausbau gefunden worden“, erklärt der Keramikexperte. Es handelt sich dabei um Fayence-Scherben, die in der historischen Beschreibung um das Jahr 1800 auftauchen. „Eigentlich wurden Fayencen immer weißdeckend glasiert, aber hier wurden die Grundglasuren in Blau und Türkis eingefärbt, das ist besonders“, sagt Schink. Ein einzelner Fayence-Griff hat es außerdem in die Dauerausstellung geschafft. „Solche Fayencen wie diese kamen in Rheinsberg häufig vor.“

Eine Grafik aus dem Jahr 1921

Auf einem Schaubild mit dem Titel „Die Arbeiterverteilung in der Deutschen Industrie Ende 1921“ ist in Form von Punkten grafisch die Anzahl der Arbeiter dargestellt, die in Deutschland zu jener Zeit in den Bereichen Porzellan-, Steingut- und Glasherstellung beschäftigt waren. Je nach Größe der Punkte verrät die Grafik, wie viele es an welcher Stelle gewesen sind. „Interessant ist, dass Rheinsberg als Ort nicht genannt wird, sondern die Region unter dem Namen Ruppin zusammengefasst ist“, sagt Schink. Laut Karte haben dort 1921 knapp 300 Menschen in der Steingutherstellung und -veredelung gearbeitet.

Eine Grafik von 1921 verrät dem Betrachter, wie viele Menschen zu dieser Zeit in der Steingutherstellung und – veredelung gearbeitet haben

Eine Grafik von 1921 verrät dem Betrachter, wie viele Menschen zu dieser Zeit in der Steingutherstellung und – veredelung gearbeitet haben.

Quelle: Peter Geisler

Im Archiv des Museums war Schink auf die Zeichnung eines Tunnelofens gestoßen, „eine Freihandzeichnung in hoher Qualität.“ Diese Öfen hatten in den 60er Jahren die alten keramischen Öfen abgelöst. „Der Tunnelofen bestand aus einer hochmodernen Technik. Der Ofen funktionierte wie eine Haube, durch die beispielsweise Kalksteine geschoben und gebrannt wurden“, erklärt Schink.

Auch Grundrisszeichnungen von Grundstücken und Lagepläne der damaligen Besitzer, der Brüder Carstens, kamen im Archiv wieder zum Vorschein. „Diese Handzeichnungen sind vor allem für geschichtsinteressierte Rheinsberger spannend“, sagt der Museumsleiter. Was er aus dem Museumsarchiv für die Ausstellung aussucht, müsse natürlich auch einen gewissen Schauwert haben, meint der Künstler. „Das Archiv muss nach und nach aufgearbeitet und die Objekte zugeordnet werden.“

Keramik-Repliken als 3D-Druck

Besonders stolz ist Hendrik Schink auf zwei Porzellantassen, deren Modelle die Berliner Firma Trigon Art in einem 3D-Druckverfahren hergestellt hat. Die Kinderporträts von Maja und Albert Einstein sind darauf zu sehen. „Die Originale befinden sich in einem US-amerikanischen Privatbesitz“, sagt Schink. Als Auftragsarbeit von Trigon Art fertigte er im vergangenen Jahr Repliken der Originale an, die von diesen optisch nicht zu unterscheiden sind. Weitere Exemplare dieser Tassen werden heute auf internationalen Ausstellungen gezeigt. „Das Verfahren des 3D-Druckens eignet sich besonders gut für die Bereiche der Restauration und Denkmalpflege“, sagt Hendrik Schink.

Den Originalen zum Verwechseln ähnlich

Den Originalen zum Verwechseln ähnlich: Hendrik Schink stellte in einem 3D-Verfahren mit der Berliner Firma Trigon Art Repliken von Tassen her, die mit den Kinderportraits von Albert Einstein und seiner Schwester verziert sind.

Quelle: Peter Geisler

Weil die Werkstätten der Keramik-Ikone Hedwig Bollhagen zwischen 1972 und 1975 als Betriebsteil zur Rheinsberger Keramikindustrie gehört hatten, wurden dort auch Auftragsarbeiten für den Ort hergestellt. Aus dieser Zeit stammt eine Zigarettendose mit dem Rheinsberger Schloss als Motiv. „Ich habe lange versucht, an die Form zu kommen und die Bollhagenwerkstätten haben sie tatsächlich wiedergefunden.“ Die Zigarettendose passe in das Keramikmuseum „wie die Faust aufs Auge“ und Schink möchte sie in verschiedenen Farben zukünftig gerne als Souvenir im Museumsshop anbieten. „Die Keramikgeschichte hört nicht bei 1990 auf“, sagt er. „Sie geht immer weiter.“

Von Christina Koormann

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