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Kernkraftwerk kostet eine Milliarde Euro

Rheinsberg Kernkraftwerk kostet eine Milliarde Euro

Der Abriss des Kernkraftwerks Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) wird sehr viel teurer als bisher angenommen. Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) rechnen mit Kosten von rund einer Milliarde Euro; in den vergangenen Jahren war von geschätzten 600 Millionen Euro die Rede. Ein Grund für die Kostenexplosion ist das neue Rückbaukonzept.

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Hunderte Leitungen und Rohre durchziehen die Betonwände des einstigen Kernkraftwerks. Viele von ihnen sind verstrahlt.

Quelle: Peter Geisler/Archiv

Rheinsberg. Der Abbau des Kernkraftwerks Rheinsberg wird sehr viel teurer als bisher bekannt. Zuletzt war von Kosten in Höhe von ­etwa 600 Millionen Euro die Rede. Inzwischen rechnen die Energiewerke Nord (EWN) mit rund einer Milliarde Euro. Möglicherweise steigen die Kosten noch weiter.

Die Zahlen sind bisher nur eine Schätzung. Sie sind Teil der Gesamtrechnung, die die EWN für den Abriss der beiden Kernkraftwerke Rheinsberg und Lubmin bei Greifswald gerade überarbeitet. Insgesamt erwartet das bundeseigene Unternehmen EWN inzwischen Ausgaben von 6,6 Milliarden Euro, bestätigt Firmensprecherin Marlies Philipp.

Auch wenn Brennstäbe, Dampferzeuger und Reaktordruckbehälter längst abtransportiert sind, bleibt die radioaktive Strahlung im Gebäude ein rie

Auch wenn Brennstäbe, Dampferzeuger und Reaktordruckbehälter längst abtransportiert sind, bleibt die radioaktive Strahlung im Gebäude ein riesiges Problem.

Quelle: Peter Geisler/Archiv

Lange waren die Energiewerke Nord davon ausgegangen, dass der Bund etwa 4,2 Milliarden Euro bezahlen muss, um die beiden DDR-Atomanlagen zu beseitigen. „Diese Schätzung stammt aus den Jahren 2009/2010“, sagt Marlies Philipp. Die Berechnungen sind so komplex, dass sie nur alle paar Jahre überarbeitet werden. Ende Juli hatte EWN-Chef Henry Cordes in einem Fernsehbeitrag eingeräumt, dass die EWN für den Abbau von Greifswald und Rheinsberg viel mehr Geld benötigen.

In den jetzt geschätzten 6,6 Milliarden Euro sind sämtliche Ausgaben für die beiden Standorte Greifswald und Rheinsberg seit 1990 enthalten. Auch diejenigen, die die EWN in Zukunft erwartet. Wie groß der Anteil für das Kernkraftwerk Rheinsberg daran ist, lässt sich schwer berechnen.

Seit 1995 sind Fachleute dabei, das Kraftwerk im Wald bei Rheinsberg auseinanderzunehmen. Die gefährlichsten Teile wurden schon vor Jahren abtransportiert. Brennstäbe, Dampferzeuger und der nach wie vor strahlende Reaktor befinden sich inzwischen in einem Zwischenlager, das die EWN bei Greifswald eingerichtet hat. Dort lagert mit dem Atomschrott aus Rheinsberg auch der aus den fünf Reaktorblöcken, die im Kraftwerk Lubmin in Betrieb waren.

Mitte der 60er Jahre wurde das Kernkraftwerk zwischen Rheinsberg und Menz mit dem ersten Reaktor der DDR gebaut, dort wo Stechlin und Nehmitzsee

Mitte der 60er Jahre wurde das Kernkraftwerk zwischen Rheinsberg und Menz mit dem ersten Reaktor der DDR gebaut, dort wo Stechlin und Nehmitzsee sich fast berühren.

Quelle: Peter Geisler

„Wir sind ungefähr bei Kosten von 750 Millionen Euro pro Reaktorblock“, so Marlies Philipp. In Rheinsberg gab es zudem ein Lager für flüssige radioaktive Abfälle; weitere 200 Millionen Euro waren allein nötig, um dieses Lager zu beseitigen. Das sind zusammen schon 950 Millionen.

Große Teile aus den Kraftwerken sollen in Lubmin weiter zerkleinert werden. Um den Reaktordruckbehälter aus Rheinsberg überhaupt zerlegen zu können, muss erst noch eine spezielle Halle gebaut werden. Auch die wird Millionen kosten.

Und selbst wenn die hoch radioaktiven Bauteile zerkleinert sind, bleibt unklar, was mit ihnen passiert. Ein Endlager für radioaktive Abfälle gibt es in Deutschland bis heute nicht. Bisher ist völlig offen, wo der strahlende Schrott irgendwann einmal seine letzte Ruhestätte findet. So lange das nicht klar ist, bleibt der Atommüll im Zwischenlager – und verursacht dort mit jedem Jahr weitere Kosten.

Bis 2015 soll das Kernkraftwerk in Rheinsberg verschwunden sein

Dass der Abriss deutlich teurer wird, liegt aber auch an einem neuen Konzept. Noch vor Kurzem waren die EWN-Experten davon ausgegangen, dass es ausreicht, die stark verstrahlten Teile aus dem Kraftwerksgebäude auszubauen. Die weniger stark belastete Hülle sollte 50 Jahre stehen bleiben. Dann – so der Plan der Experten – wäre die Strahlung so weit zurückgegangen, dass die Gebäude gefahrlos abgerissen und als normaler Schutt entsorgt werden können.

Doch gegen diesen Plan hatte die Atomaufsicht Bedenken. Das Konzept musste völlig verändert werden. Jetzt planen die EWN, das Kernkraftwerk in Rheinsberg bis 2025 komplett abzureißen.

Dafür müssen aber erst einmal etliche Millionen investiert werden. Um das alte Kraftwerk muss eine neue Hülle errichtet werden, damit alle Wände samt Leitungen sicher abgebaut werden können. Um die Brandgefahr zu verringern, sollen die alten Kabel entfernt werden. Überall im Gebäude wird aber noch Strom benötigt. Deshalb muss ein völlig neues Stromnetz verlegt werden. Dasselbe gilt für die Be- und Entlüftung, auch sie muss neu gebaut werden. Die alte Blockwarte wird ebenfalls noch gebraucht. Damit sie irgendwann abgebaut werden kann, entsteht an anderer Stelle ein neuer Leitstand.

Seit den 60er Jahren ist die Blockwarte Steuerungs- und Kontrollzentrale

Seit den 60er Jahren ist die Blockwarte Steuerungs- und Kontrollzentrale. Sie wird bis heute gebraucht. Damit sie irgendwann abgerissen werden kann, muss deshalb erst ein neuer Leitstand aufgebaut werden.

Quelle: Peter Geisler/Archiv

Um den Rückbau des Rheinsberger Kraftwerks bis 2025 schaffen zu können, werden etwa 100 Leute zusätzlich benötigt. Die meisten für den tatsächlichen Abriss ab 2020. Die EWN brauchen aber auch jetzt schon neue Mitarbeiter. „Zurzeit suchen wir vor allem ingenieurtechnisches Personal“, sagt Michael Schönherr, der Leiter der Rheinsberger Anlage. Viele langgediente Mitarbeiter gehen jetzt in den Ruhestand. Ihre Stellen werden für den Rückbau aber unbedingt gebraucht. Außerdem sind für das neue Konzept enorme Planungen und Vorbereitungen nötig; auch dafür werden Experten benötigt. Das alles sorgt für die zusätzlichen Kosten.

Von Reyk Grunow

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