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Ostprignitz-Ruppin Kirchturmuhr läuft im Takt der Zeit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kirchturmuhr läuft im Takt der Zeit
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00:28 08.03.2018
Kevin Goy aus Blumenthal hält seit Herbst 2015 das mechanische Uhrwerk in der Kirche seines Heimatortes am Laufen Quelle: Christamaria Ruch
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Blumenthal

Nach 29 Stufen ist das Ziel erreicht. Über enge Treppen gelangt Kevin Goy im Kirchturm in Blumenthal in die Höhe. Der 25-Jährige ist jeden Tag und bei jedem Wetter unterwegs. Die Uhr bestimmt den Takt für sein Ehrenamt. Denn seit Oktober 2015 hält Kevin Goy die Kirchturmuhr in seinem Heimatort am Laufen.

„Das liegt bei mir auf dem Weg zur Arbeit“, sagt Kevin Goy. Der Holzbearbeiter ist im Nachbarort Heidelberg tätig, produziert dort Paletten und anderes für Swiss Krono in Heiligengrabe und passiert jeden Tag die Kirche in seinem Heimatdorf. Je nachdem, in welcher Schicht er tätig ist, schließt er gegen 13 oder 16.30 Uhr die Kirchentür auf und steigt hinauf.

Die Turmuhr hat Kevin Goy schon als Kind fasziniert

„Die Turmuhr hat mich schon als Kind fasziniert“, sagt er. Der Glockenschlag hallt immer zur halben und vollen Stunde durchs Dorf. Doch dann schwieg sie eines Tages im Sommer 2015. „Das fiel mir auf und ich hatte den Pfarrer gefragt, woran das liegt“, erinnert sich Kevin Goy. Lothar Schmock hatte von Januar 2000 bis Sommer 2015 wie ein Schweizer Uhrwerk dieses Ehrenamt aufgefüllt, gab dann aber aus gesundheitlichen Gründen auf.

Kevin Goy überlegte nicht lange und übernahm den Staffelstab. „Am 26. Oktober 2015 haben wir eine Übergabe gemacht und Herr Schmock hat mir alles erklärt, worauf zu achten ist“, sagt Kevin Goy.

Uhrwerk mit Geschichte

1877 erhielt die Blumenthaler Kirche einen neuen Turm. In diesem Zuge erfolgte auch der Einbau einer Turmuhr. Die Kosten dafür stellte die Gemeinde bereit.

2004 erfolgte eine Spendensammlung für neue Ziffernblätter an der Uhr. In diesem Zuge erhielt erstmals auch die Südrichtung am Kirchturm ein Ziffernblatt. Gleichzeitig wurde eine Beleuchtungsanlage für die Ziffernblätter installiert.

2006 wurden an der Nord- und Ostseite die Ziffernblatt-Beleuchtungen auf LED umgerüstet.

2016 erhielt das Ziffernblatt an der Südseite ebenfalls LED-Leuchten.

Bis Ende der 1990er Jahre übernahm die Küsterfamilie Hedwig und Werner Merten auch das Aufziehen der Kirchturmuhr.

Von Januar 2000 bis Sommer 2015 zog Lothar Schmock aus Blumenthal ehrenamtlich die Uhr auf.

Seit dem 26. Oktober 2015 übernimmt Kevin Goy aus Blumenthal diese Aufgabe. cmr

Steil winden sich die Treppenstufen bis zur zweiten Etage hinauf. Dort oben macht Kevin Goy das Licht an. Das war nicht immer so. „2017 verlegte Klaus Pirow aus Putlitz das Licht, er hat vor ein paar Wochen auch die LED-Lampen an zwei Seiten der Ziffernblätter an der Turmuhr ausgetauscht, alles ehrenamtlich. Vor zwei Jahren installierte er an der Südseite des Turms ebenfalls eine LED-Beleuchtung“, sagt Kevin Goy. Auf Goys Anregung im Ortsbeirat in Blumenthal kam die Sache ins Rollen.

Hinter einer Holztür kommt das Herzstück vom Uhrwerkraum zum Vorschein: Große und kleine Zahnräder, Stahlseile, Wellen, Zapfen, Stifte und Pendel sind von einem matten Ölfilm überzogen. „Einmal im Monat verteile ich Öl auf die Teile“, sagt Goy. Das Uhrwerk punktet mit stabilen Rädern und einfacher Bauweise.

Die Uhr geht täglich 90 Sekunden vor

Mittlerweile kennt der junge Mann alle Feinheiten an der Uhr. „Sie geht täglich 90 Sekunden vor“, sagt er. Deshalb hält er regelmäßig das Uhrpendel an, um die Zeit wieder auszugleichen. „Das ist doch eine gute Aufgabe, die Uhr aufzuziehen“, sagt er. Immer wieder erhält er ein positives Echo, vor allem von älteren Einwohnern aus Blumenthal. „Sie sagen mir, dass es schön ist, wenn die Uhr mit dieser Kontinuität läuft und schlägt“, sagt Kevin Goy.

Dann greift er zur Kurbel, die zwischen Uhrwerk und Wand nur wenig Platz für weit ausholende Bewegungen zulässt. Mehr als 25 Umdrehungen sind nötig, um der Uhr Schwung für die nächsten 24 Stunden zu geben. Dabei wandern in Zeitlupentempo die Gewichte der Uhr über eine Rolle nach oben. Zuerst klettert das Gewicht für das Uhrwerk in die Höhe, dann folgt das Gewicht für das Schlagwerk. Sie erinnern in ihrer Form an Zeiten, als Fitnessstudios noch ein Fremdwort waren. Drei Meter über dem Uhrwerk ist Schluss – die Gewichte haben ihr Ziel erreicht.

Das Ehrenamt ist nichts für schwache Nerven

Das Ehrenamt ist nichts für schwache Nerven. Denn die Turmebene ist vom Uhrwerk ausgefüllt und Kevin Goy muss über die Treppe balancieren, um an alle Bestandteile des Uhrwerkes zu gelangen. An diesem Tag schlägt die Uhr nicht, denn der Verbindungsdraht ist wegen des Frostes gerissen. „Das repariere ich nachher noch“, sagt Kevin Goy.

25 Stunden und ein paar Minuten läuft die Uhr, wenn sie einmal aufgezogen ist. Die Stahlstifte am Pendel gelten als die Achillesferse vom Uhrwerk. Bricht ein Stift aus, bleibt das Zahnrad stehen. „Das ist mir aber noch nicht passiert“, sagt Kevin Goy.

Von Christamaria Ruch

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