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Kinderärzte in Sorge

Ostprignitz-Ruppin Kinderärzte in Sorge

Jeder vierte Fünf- und Sechsjährige in Ostprignitz-Ruppin, der im September zur Schule kommt, hat in seinem Kinderzimmer einen Fernseher. Das geht aus den Schuleingangsuntersuchungen hervor, die am Mittwoch in Neuruppin präsentiert wurden. Kinderärzte sind alarmiert. In Potsdam haben nur sieben Prozent der Abc-Schützen einen eigenen Fernseher.

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Die Kinderärztinnen Heike Greese und Anna Bukmaier (r.) aus dem Gesundheitsamt in Neuruppin.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Erstmals seit langer Zeit haben die Kinderärzte im Gesundheitsamt in Neuruppin innerhalb eines Jahres mehr als 1000 Mädchen und Jungen auf ihre Schulfähigkeit hin untersucht. „So viele hatten wir noch nie“, sagte am Mittwoch Kinderärztin Heike Greese, die seit zehn Jahren gemeinsam mit Anna Bukmaier die künftigen Abc-Schützen in Ostprignitz-Ruppin untersucht. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren 913 potenzielle Schulanfänger den Tests unterzogen worden, 2014 waren es 928 Untersuchungen.

Ein Drittel der Kinder haben Sprach- und Sprechstörungen

Trotz des deutlichen Anstiegs fiel die Freude von Greese verhalten aus. Vielmehr ist die Kinderärztin in Sorge. Denn erstmals wurden bei den sogenannten Schuleingangsuntersuchungen die Eltern auch befragt, ob es im Kinderzimmer der Fünf- und Sechsjährigen einen Fernseher gibt. Bei 25 Prozent der Kinder in Ostprignitz-Ruppin ist das der Fall. Zwar sind die Untersuchungsergebnisse in den meisten anderen Landkreisen zu dem Punkt noch nicht ausgewertet. Doch dürfte Ostprignitz-Ruppin mit dieser Quote landesweit in der Spitzegruppe liegen, befürchtet Greese. Steht doch beispielsweise in Potsdam lediglich in sieben Prozent der Kinderzimmer von künftigen Erstklässlern ein Fernsehgerät. Greese findet diese Entwicklung bedenklich. „Der Fernseher spricht nicht mit dem Kind. Es erhält keine Rückkopplung.“ Die Kinderärztin appellierte an die Eltern, mehr Zeit mit ihrem Kind zu verbringen. „Es ist erschreckend, wie wenige Eltern ihren Kindern abends etwas vorlesen.“ Dabei kann das Vorlesen helfen, Sprach- und Sprechstörungen bei den Jüngsten zu entdecken und etwas dagegen zu tun. Bei einem Drittel der künftigen Abc-Schützen haben die Kinderärzte in diesem Jahr wieder Sprach- und Sprechstörungen festgestellt. „Das ist ein recht hoher Wert“, betonte Greese. Den meisten Eltern wird eine pädagogische Beratung ihres Kindes empfohlen, in Einzelfällen auch eine Rückstellung. Über diese befindet letztendlich der jeweilige Schulleiter gemeinsam mit den Eltern.

173 Kinder sollen noch ein Jahr länger in die Kita gehen

Insgesamt haben die Kinderärzte in diesem Jahr in 173 Fällen eine Rückstellung vom Schulbetrieb empfohlen. Das sind etwas mehr als 2015, damals waren es 160 Empfehlungen. Das Gros betrifft Kinder, die erst zwischen Juli und September sechs Jahre alt werden und im Vergleich zu ihren möglichen Klassenkameraden sehr jung wären. Für jedes zweite Kind in diesem Alterssegment empfahlen die Kinderärzte eine Einschulung erst im nächsten Jahr.

Der Stichtag für die Einschulung ist immer wieder umstritten. Zu DDR-Zeiten war dieser auf den 31. Mai festgelegt, von 1990 bis 2004 galt der 30. Juni als Stichtag, seit 2005 ist es der 30. September. Würde der 30. Juni wieder Stichtag sein, läge die Rückstellungsquote in Ostprignitz-Ruppin nicht bei 17 Prozent, sondern bei knapp sieben Prozent.

Sechs Prozent der künftigen Abc-Schützen sind viel zu dick

Weiterhin auffällig sind die sogenannten medizinisch relevanten Befunde bei den künftigen Abc-Schützen im Landkreis. So haben 14 Prozent einen Förderbedarf wegen Sehschwäche, knapp zehn Prozent haben Hörprobleme, fast zwölf Prozent bewegen sich zu wenig und knapp sechs Prozent der Kinder sind viel zu dick.

Von Andreas Vogel

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