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Kinderarzt kommt doch nicht

Wittstock unterversorgt Kinderarzt kommt doch nicht

In Wittstock wird eigentlich ein Kinderarzt gebraucht. Doch dass sich ein solcher hier ansiedeln könnte, ist unwahrscheinlich. Denn der Landkreis ist in dieser Hinsicht mehr als gut versorgt – theoretisch jedenfalls.

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„A“ sagen können Mädchen und Jungen in Wittstock zum Kinderarzt weiterhin nicht.

Quelle: Heidrun Lehmann

Wittstock. Wittstock wird weiterhin auf einen Kinderarzt verzichten müssen. Er würde zwar dringend gebraucht, bekäme aber von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) keine Zulassung, sich hier niederzulassen. Denn der Kreis Ostprignitz-Ruppin gilt in dieser Hinsicht als bestens versorgt.

„Es gibt insgesamt sechs Kinderärzte im Landkreis – vier in Neuruppin, einen in Kyritz und einen in Wusterhausen“, sagt Christian Wehry, Pressesprecher der KV, und nennt einen daraus folgenden Versorgungsgrad von 170,6 Prozent in der Kinder-und Jugendmedizin, der nach einem bestimmten Schlüssel berechnet werde. Wittstocker Eltern hilft das aber wenig, wenn ihr Kind krank ist und schnelle Hilfe benötigt. Denn hier gibt es weit und breit keinen solchen Facharzt. Sie müssten somit einen Allgemeinmediziner konsultieren oder lange Fahrtwege in Kauf nehmen. Dass das eine unbefriedigende Situation ist, weiß auch die KV. Doch sie müsse sich an Bundesvorgaben halten. Und die legten nun einmal den gesamten Landkreis als Planungsbereich zugrunde. So gesehen, seien im Landkreis Ostprignitz-Ruppin genügend Ärzte vorhanden, nur eben ungünstig verteilt. Aber das spiele keine Rolle. „Deshalb wird die aktuelle Bedarfsplanung auch von uns kritisiert“, sagt Wehry. Die Lösung mit den Versorgungsgraden sei ursprünglich eingeführt worden, um „Ärzteschwemme“ in einzelnen Regionen zu vermeiden. Doch in der Praxis funktioniere das so nicht. „Es hat überhaupt nichts mit der realen Situation zu tun.“ Denn Aspekte wie der demografische Wandel, Veränderungen in der Mobilität der Menschen oder auch die medizinische Entwicklung würden dabei nicht berücksichtigt. Die KV habe deshalb bereits angeregt, dass sich der Gemeinsame Bundesausschuss mit diesem Problem befassen möge, um bis Mitte 2016 eine Aussage dazu treffen zu können. So lange die Rahmenbedingungen aber nicht geändert würden, müssten die vorhandenen Ärzte den Fachbereich Kinder- und Jugendmedizin mit übernehmen – oder der potenzielle Kinderarzt einen Antrag auf Sonderbedarf stellen. Ein solcher liege jedoch nicht vor, sagt Christian Wehry.

Was die Ansiedlung eines Kinderarztes zusätzlich erschwert: Allein die nötige Zulassung der KV würde aus Sicht von Karsten Krüger, Geschäftsführer des Kreiskrankenhaauses in Perleberg, nicht ausreichen, um eine Kinderarzt-Praxis in Wittstock zu installieren. Vielmehr sei ebenso eine finanzielle Unterstützung nötig, um die Praxis auch entsprechend ausstatten zu können. Da derartige Mittel aber bislang nicht in Sicht seien, habe man die Zulassung erst gar nicht beantragt.

Wären die Grundvoraussetzungen geklärt, so könnte es sich Karsten Krüger vorstellen, dass der Kinderarzt in Pritzwalk auch in Wittstock Sprechstunden abhalten könnte, auch wenn das nicht die beste Variante sei, weil es bei Kinderkrankheiten oftmals um akute Fälle gehe. Da sei es von Vorteil, wenn der Arzt vor Ort ansässig ist.

Auch wenn es bisher nicht gelungen ist, einen Kinderarzt nach Wittstock zu holen, so lobt Karsten Krüger aber doch das Engagement der Stadt Wittstock in dieser Angelegenheit. Die hatte sich an das Kreiskrankenhaus in Perleberg gewandt, weil es dort eine Kinderabteilung gibt und deshalb eine Zusammenarbeit in der Sache erfolgversprechend erschien.

Laut Krüger habe die Stadt angeboten, die Hälfte der Mietkosten für die Praxis für fünf Jahre zu übernehmen. Doch das hätte man nur annehmen können, wenn es eine finanzielle Unterstützung durch die KV gegeben hätte. Auch Karsten Krüger moniert die politischen Grundlagen für die Verteilungspraktik. „Es mag eine Abdeckung geben, aber sie geht am Patienten vorbei.“ Seiner Meinung nach müsste der Landkreis in der Sache viel mehr mitreden und in die Feinplanung eingreifen dürfen.

Von Björn Wagener

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