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Ostprignitz-Ruppin Odysseus als Kinder-Oper
Lokales Ostprignitz-Ruppin Odysseus als Kinder-Oper
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00:30 19.03.2018
Zum Auftakt des Aequinox-Musikfestivals erlebten Schulkinder die abenteuerlichen Fahrten des Odysseus. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

„Wir wollen bleiben! wir wollen bleiben!“ Die Sprechchöre sind ohrenbetäubend. Kein Wunder, immerhin sitzen sämtliche Grundschüler der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule in der vollen Pfarrkirche und fiebern mit den Schiffbrüchigen mit, die an Ithakas Küste an Land gespült wurden. König Odysseus ist das aber egal. „Es ist kein Platz auf Ithaka für Fremde“, donnert er. Genauer gesagt: Er singt es mit vollem Bass-Bariton.

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Zum Auftakt des Aequinox-Musikfestivals in Neuruppin brachten die Taschenoper Lübeck und die Lautten Compagney „Odysseus“ auf die Bühne.

Es ist eine wunderbare Idee, die diesjährigen Aequinox-Festspiele mit einer Kinderoper zu beginnen. „Wir wollten etwas mit kleineren Kindern machen“, erklärt Gabriele Lettow, die mit Wolfgang Katschner von der Lautten Compagney Berlin die „Musik zur Tag-und-Nacht-Gleiche“ alljährlich organisiert und jedes Mal auch ein Musikprojekt für Schüler im Programm hat.

Vor zwei Jahren war das die „Opern-Baustelle“ der Taschenoper Lübeck – die Lübecker sind es auch, die am Freitagmorgen den „Odysseus“ zeigten. Die Musik ist von Monteverdi und Katia Tchemberdji – ein Mix aus alter Musik in moderner Bearbeitung, für die mit historischen Instrumenten – Zink und Laute, Cembalo, Gambe und Violine – Musiker der Lautten Compagney zeichneten.

Entstanden ist ein zauberhaftes Stück – spannend, witzig und fantasievoll in Szene gesetzt: mit einem griffigen Libretto von Taschenoper-Chefin Margrit Dürr, mit tollen Kostümen und vielen Interaktionen mit dem jungen Publikum, das die Musikform Oper zumeist noch gar nicht kennt.

Der Odysseus-Stoff bietet sich für ein Kinderstück förmlich an, strotzt er doch vor Abenteuern, mythischen Gestalten, Gefahren und Geheimnissen. Im Vorfeld gab es an der Schule Workshops für alle Kinder, in denen sie einen kurzen Einblick in Genre und Story erhielten. Und gleich ein Lied zum Mitsingen erlernten: „Ithakas Zaubermusik“ schallte es dann auch immer wieder aus vielen Kehlen – der Chor, der die Handlung einrahmte und gleichsam Motto für das Stück war.

Mit der Kinderoper wurden die diesjährigen Aequinox-Tage eröffnet

Odysseus will die schiffbrüchigen Flüchtlinge auf seiner Insel nicht haben und sucht ein anderes Domizil für sie: „Gibts hier drei gute Schiffbauer bei euch?“, ruft er. Klar. Schnell sind drei Kinder auf der Bühne und basteln mit, während Königin Penelope ihren Gatten zu beschwatzen versucht, die Flüchtlinge doch aufzunehmen.

Nix da – die Reise geht los und die Abenteuer auch. „Keiner, der sie je gesehen hat, hat dat überlebt“, erklingt eine Stimme. Auftritt der Sirenen mit ihren gefährlich spitzschnäbeligen Masken – prächtig wie im Karneval in Venedig.

„Ithakas Zaubermusik“ singen die Kinder – der Zauber wirkt. Nächste Station ist die Insel der Riesen. Ein wunderbarer Regieeinfall, die hungrigen Monster in eine voluminöses Kühlschrank-Kostüm zu stecken – mit risigem Fassungsvermögen.

Auf dessen Wänden es sich zudem wunderbar trommeln lässt. „Wir haben Hunger!“, singen der einäugige Polyphem und seine Gesellen – versteckt hinter einer Tiefkühltruhe stoßen Odysseus und seine Crew verzweifelte Klagelaute aus. Der Riese rülpst, das Publikum kichert fasziniert. Die Schüler sind mit Feuereifer im Geschehen – das bedeutet natürlich auch viel Getuschel und Unruhe im Saal.

Im Vorfeld beschäftigten sich die Schüler bereits mit dem antiken Stoff

Weiter geht’s im Abenteuer: Circe verzückt nicht nur Odysseus. Die schweinerüsselnde Zauberin mit Sexappeal erhebt sich aus ihrer Insel, unter der hie und da ein Schweinehuf zuckt. „Neiiiin“, schreien die Schüler, als die Schöne Odysseus mit ihrem Zaubertrank bezirzen will.

Derweil klagt Penelope um ihren Gatten. „Er braucht eine Erinnerung an mich“, singt sie und formt ein großes Herz aus ihren Armen – die Kinder tun es ihr gleich. Die Taschenoper-Macher haben ein Händchen, die Kinder ins Geschehen einzusaugen.

Dann wird die Musik mehr als dramatisch – ein paar Kinder kreischen laut, als ein riesiger Krake auf der Bühne erscheint und in schummrig-rotem Licht seine Tentakel um alles schlingt, was nicht bei drei auf dem Mast ist. „Wenn ich je wieder heimfinde, werde ich allen Fremden helfen“, schwört Odysseus in letzter Not, als sein Schiff in den Strudel des versinkenden Monsters gesaugt wird.

Ein Überlebender überbringt Penelope die Botschaft, dass er der letzte aus Odysseus Crew ist. Schon spreizen sich die Freier um die Witwe wie Gockel und Pfauen – immerhin lockt der Thron.

Die alte Musik wurde in kindgerechter Form angeboten: Das kam gut an

Doch auch Odysseus ist erschienen. Der Held, den keiner mehr erkennt auf Ithaka, ist ein Fremder im eigenen Land. Er bewirbt sich um Penelopes Hand – nur er vermag es, den Riesenbogen zu spannen. Kein Wunder – ist ja auch seiner. Ende gut, alles gut? „Ithakas Zaubermusik“ ertönt noch ein letztes Mal – als dreistimmiger Kanon. Ja, alles gut.

„Die Kinder waren super – haben so toll mitgemacht – ich bin echt begeistert“, schwärmt Gabriele Lettow. „Klar war es unruhig – aber es sind ja Kinder.“ Die Schule habe so gut kooperiert. Auch die Oper habe sie fasziniert: „Mit so einfachen Mitteln so tolle Effekte zu erzielen – wunderbar.“

Die Kinder waren hin und weg. Vivien aus der 3b fand die Musik und die Stimmen toll, Fiona und Finja die Kostüme. „Die Schweinenasen waren super“, sagt Laura.

Emily bekennt: „Ich würde das gerne noch mal sehen.“ Lea erklärt: „Ich fand’s toll: so schöne Musik und so tolle Schauspieler.“ „Wunderbar, dass man so alte Musik so kindgerecht und spannend umgesetzt hat“, lobt auch Klassenlehrerin Heidrun Domke. Das sind ja Kinder, die so etwas nicht so häufig erleben.“

Von Regine Buddeke

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