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Ostprignitz-Ruppin Kinderoper-Workshop für Aequinox
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kinderoper-Workshop für Aequinox
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00:41 09.03.2018
Einsingen bis zum höchsten Ton – beim Workshop der Taschenoper Lübeck in der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule als Vorbereitung auf die Kinderoper „Odysseus“ bei Aequinox. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Im Musikraum summt es wie im Bienenstock. Rund 50 Erst- und Zweitklässler der Neuruppiner Karl-Liebknecht-Schule tuscheln, wispern, schwatzen – und haben keine Ahnung, was gleich kommt. Besser gesagt wer.

Sängerin Margret Dürr – Leiterin und Gründerin der Taschenoper Lübeck – stellt sich und ihren Begleiter Ralph Lange vor. „Wir erzählen euch heute etwas über alte Musik“, sagt sie. „Und über den König Odysseus. Wer von euch weiß denn, was eine Oper ist?“ Nur wenige Hände schnellen nach oben. „Da spielen die so alte Musik“, sagt ein Mädchen. „Da ist Schlagzeug bei“, ein anderes. „Es wird gesungen“, fällt einem dritten Kind ein. „Passiert auch was?“, hakt die Sängerin nach. „Nei…n“, sagt ein Junge.

Klassik ist durchaus auch etwas für Kinder: Das haben die Macher der Taschenoper Lübeck erkannt und kreieren spezielle Produktionen für den Nachwuchs. Ihren „Odysseus“ zeigen sie bei den diesjährigen Aequinox-Festspielen in Neuruppin. Die Schüler der Karl-Liebknecht-Schule wurden vorab in einem Workshop fit gemacht für das Projekt Oper.

Schnell wird der Irrtum mit dem Opa korrigiert: „Oper ist Theater mit Musik.“ Und auch Ralph Lange erklärt sein Instrument: „Es ist leise, heißt aber Laute. Warum wohl?“ Die Kinder staunen, dass das Teil mit dem langen Hals schon vor 500 Jahre erfunden wurde. Von Arabern, die es Alut – zu deutsch ‚Holz‘ – nannten. Obwohl anfangs der Schallkörper aus einem Schildkrötenpanzer bestand. „Iiih“, ruft ein Kind.

Margret Dürr hält solch einen Unterricht nicht zum ersten Mal. Das Anliegen der Taschenoper Lübeck ist es, auch Kindern den Zugang zur Oper zu eröffnen. Eine Musikform, die heutzutage bei der Jugend eher als altmodisch, langweilig und uncool gilt. Margret Dürr und ihr Sänger- und Instrumentalisten-Ensemble haben bereits verschiedenste Produktionen auf die Bretter gebracht: von „Rheingold“ und „Siegfried“ bis hin zu „Rigoletto“ und „Hoffmanns Erzählungen“.

Die Taschenoper Lübeck möchte Kinder mit Opern bekanntmachen

Für den „Odysseus“, der 2016 Premiere hatte, hat sie selbst das Libretto geschrieben. Die Musik stammt von Monteverdis Oper „Die Rückkehr des Odysseus“. Aber nicht nur: „Wir wollten den Kindern vielmehr auch die spannenden Abenteuer des Odysseus erzählen. Und haben daher auch Monteverdis Madrigale und neue Musik von Katia Tchemberdji verwendet. Auch die Handlung sei dem aktuellen Geschehen angepasst worden. Das dürfen die Kinder am Ende sogar erproben.

Zuerst aber wird step-by-step ein wenig Grundwissen aufgebaut: dass Musik mal traurig, mal wütend, mal ängstlich, mal liebevoll klingen kann. Dass man Gefühle auch ohne Worte durch Gestik und Mimik ausdrücken kann und sich – je nach Musik – ganz unterschiedlich bewegt. Dann singt Margret Dürr ein paar Operntakte vor. „Wer von euch hat solchen Gesang schon mal gehört“, fragt sie. Ein paar Hände recken sich. „Wer findet das merkwürdig?“ Noch ein paar Hände mehr steigen hoch. „Wer will es noch mal hören?“ Fast alle Hände sind nun oben.

Eine der Musikproduktionen dreht sich um das Thema „Odysseus“

Die Schüler singen sich gemeinsam mit Margret Dürr ein – und lernen ein paar Zeilen aus der Oper, die sie in knapp zwei Wochen in der Neuruppiner Pfarrkirche sehen werden: Beim Aequinox-Festival zur Tag-und-Nacht-Gleiche, das alljährlich von Siechenhauskapellen-Chefin Gabi Lettow und der Lautten Compagney auf die Beine gestellt wird.

Monteverdis Musik gehört zur Standardliteratur des Barockensembles um Wolfgang Katschner. Was lag also näher, diesen Stoff auch für Kinder anzubieten – die Opernkonsumenten von morgen, wenn es nach den Machern geht. Zumal die Taschenoper Lübeck bereits vor zwei Jahren mit seiner „Opern-Baustelle“ guten Anklang bei Aequinox fand.

„Wir haben im Unterricht den Stoff schon behandelt“, sagt Musiklehrerin Ellen Will und erklärt, dass in der Karl-Liebknecht-Schule alljährlich ein musikalischer Höhepunkt gesetzt wird. „Wir sind stolz, dass Aequinox unsere Schule ausgewählt hat, dabei zu sein“, sagt sie. Es sei erklärtes Ziel, die Kinder früh an klassische Musik zu führen. Nicht nur, dass alle Schüler von Klasse 1 bis 4 am Workshop teilnehmen und die Oper besuchen – ein klein wenig mitmachen dürfen sie auch. „Wir hoffen, dass es ein Erfolg wird“, sagt Ellen Will. „Die Kinder sind schon aufgeregt.“

„Odysseus“ wird beim Aequinox-Festival im März in Neuruppin gespielt

Ithakas Zaubermusik“, singen die Schüler – dann erklärt Margret Dürr, was es mit Odysseus auf sich hat. Spielerisch erfahren die Schüler etwas von der Opern-Handlung, in der Odysseus keine Flüchtlinge auf seiner Insel haben will und mit ihnen stattdessen in See sticht, um ihnen eine neue Heimat zu suchen. Aber weder die Insel der Sirenen, noch die von Circe oder den Zyklopen scheint geeignet. Am Ende seiner langen Reise wird auch Odysseus auf Ithaka nicht mehr erkannt – zu lange war er fort und gilt nun selbst als Fremder im eigenen Land.

Mit bunten Klebepunkten auf der Stirn spielen die Kinder die verschiedenen Gruppen – werden selbst zu Flüchtlingen, zu Ängstlichen, Wütenden oder Gastfreundlichen. „Ich war noch nie in einer Oper und freue mich total“, erklärt Lily aus der 1b am Ende der Stunde. Sie singt auch gern, wie sie erzählt. „Die Musik ist toll. Ich glaube, das wird mir gefallen“, sagt Lilly aus der 2a. Margret Dürr richtet derweil den Raum wieder her: die nächsten Schüler warten schon.

Die Kinderoper „Odysseus“ wird am 16. März um 9.30 Uhr in der Neuruppiner Kulturkirche aufgeführt.

Von Regine Buddeke

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